Am Tag der Apotheke hat Stolberger Apotheker Kleis nichts zu feiern

Zum bundesweiten Aktionstag : Die Apotheke von nebenan kränkelt

Am Tag der Apotheke, der am Freitag bundesweit mit unterschiedlichen Aktionen begangen wird, gibt es für die Apotheker wenig zu feiern. Somit auch nicht für Hartmut Kleis. Der Apotheker kämpft mit Bürokratie, Vorschriften und nicht lieferbaren Medikamenten.

Ärger kommt als täglicher Begleiter immer häufiger vorbei. „Früher konnte ich mich mal als selbstständiger Apotheker fühlen. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei“, sagt Hartmut Kleis, der in diesem Jahr das 45-jährige Bestehen seiner Apotheke feiern kann. Seine Arbeit hat sich im Laufe der Zeit stark verändert und weniger zum Positiven, wie er erklärt. Obwohl inzwischen auch die beiden Apotheken seines Sohnes Frank Kleis (die Apotheke auf der Heide und die Inda Apotheke) zum Familienunternehmen gehören, blickt er nicht ganz zuversichtlich in die Zukunft. Das hat mehrere Gründe.

Die Arbeit der Apotheker wird immer zeitaufwendiger und komplizierter. Das liegt zum einen daran, dass die Krankenkassen mit den Arzneimittelherstellern Verträge abschließen und – vereinfacht ausgedrückt – die Medikamente dieses Herstellers dann an den Patienten abgegeben werden müssen, auch wenn der Arzt eine andere Herstellerangabe gemacht hat „Es gibt mittlerweile sehr viele Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff auf dem Markt. Wir müssen uns aber an die Herstellervorgaben der Krankenkassen halten und dürfen nur in seltenen Fällen einen Austausch vornehmen, sonst werden die Kosten nicht erstattet“, sagt Kleis.

Das Problem sei, dass viele Medikamente, die eigentlich laut Vorgabe an den Kunden herausgegeben werden müssten, häufig nicht lieferbar seien. „Damit sind wir und somit auch die Kunden täglich konfrontiert. Auch ändern die Krankenkassen nach ein oder zwei Jahren die Verträge und wechseln das Pharmaunternehmen.“ Das heißt für die Patienten: Gleiches Medikament, aber andere Firma. „Viele Patienten sind dadurch überfordert, für sie ist nicht nachvollziehbar, warum sie das Medikament wieder wechseln müssen“, sagt Kleis.

Die Schwerpunkte bei der Arbeit eines Apothekers haben sich zudem verändert. Heutzutage muss viel Arbeitszeit für Recherche aufgebracht werden. Die vielen unterschiedlichen Verträge der Krankenkassen, besonders in den Bereichen Krankenpflege, Medizintechnik, Heil- und Hilfsmitteln lassen sich laut Kleis häufig nur durch gemeinsame Recherche und zusätzliche Kostenvoranschläge abklären. Ungenaue Angaben und unterschiedliche Handhabungen der jeweiligen Krankenkassen kosten immer wieder viel Zeit, die anders und sinnvoller eingesetzt werden sollte, findet der 73-jährige.

Wenn der Familienunternehmer Kleis an die Zukunft denkt, wird ihm eher mulmig – vor allem in Bezug auf den Versandhandel aus dem Ausland. Ausländische Versandapotheken dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel mit Rabatten einkaufen und diese an ihre Kunden weitergeben. In Deutschland geht das nicht.

Zudem können die Versender von einem niedrigeren Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel profitieren. Kleis erklärt die Problematik am Beispiel Niederlande: „Die Mehrwertsteuer für Medikamente liegt dort bei sechs Prozent, in Deutschland liegt die Mehrwertsteuer bei 19 Prozent. Mit der Mehrspanne von 13 Prozent können natürlich holländische Anbieter ihre Medikamente in Deutschland günstiger anbieten. Diese Ungleichheit diskriminiert die deutschen Apotheken.“

Aufgrund der deutschen Festpreisregelung bei verschreibungspflichtigen Präparaten ließen sich bislang andere Dienstleistungen wie Rezepturherstellung, Betäubungsmittelabgabe oder Notdienste quersubventionieren. Wenn diese Säule wegbrechen würde, wird es für jede Apotheke schwieriger und für viele sogar existenzbedrohlich, ist sich der Apotheker sicher. „Es darf nicht weiter sein, dass ausländische Großkonzerne gegenüber den deutschen Apotheken derart bevorteilt werden.“ Kleis hofft, dass das solidarische Prinzip bei der Arzneimittelpreisverordnung aufrechterhalten bleibt und dass die Politik hier einen gerechten Weg einschlägt. So könne das Apothekensterben aufgehalten werden und zudem würden viele regionale Arbeitsplätze nicht verloren gehen.

Es sind schwierige Zeiten für Apotheker, dennoch sind es vor allem der Kontakt zu den Patienten, die Dankbarkeit und die Vielfältigkeit im Beruf, die Kleis an seiner Arbeit schätzt und nicht missen möchte. „Gerade der soziale Kontakt und dass ich die Kunden umfassend beraten kann, macht mir besonders viel Freude“, sagt der 73-Jährige, der zudem zwei Selbsthilfegruppen für Asthmatiker und Diabetiker ins Leben gerufen hat und noch betreut.

Mehr von Aachener Zeitung