Wettbewerb: Am Goethe Gymnasium heißt es: Ab auf’s Rad!

Wettbewerb : Am Goethe Gymnasium heißt es: Ab auf’s Rad!

In den Sommerferien wird es ruhig rund um das Goethe Gymnasium. Denn an Schultagen wird es morgens und mittags chaotisch am Schulzentrum auf der Liester und sogar Rettungsfahrzeuge kamen im Notfall nicht durch den Wust an Verkehrsteilnehmern.

Zahlreiche Eltern, die ihre Schüler abholen und Jugendliche, die sich den Weg zum Bus bahnen – da kommt es schnell zu gefährlichen Situationen. Schulleiter Bernd Decker und das Lehrerkollegium haben sich nun ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die fahrradfreundlichste Schule Deutschlands werden, die Schüler auf die Räder zu locken und die Verkehrssituation zu entschärfen.

Die Bewerbung für das Jahr 2020 kommt einher mit zahlreichen Maßnahmen und Projekten, die am Goethe Gymnasium durchgeführt und von zahlreichen Partnern, wie der Stadt Stolberg, unterstützt werden. Ein besonderer Clou: Der gebürtige Stolberger, ehemalige Goethe-Schüler und deutscher Meister im Radcrossfahren, Marcel Meisen, unterstützt die Bewerbung als Schirmherr.

Das sehr junge Kollegium bringt sich dabei auch in der Freizeit ein, um die Maßnahmen zu begleiten. Besonders aktiv ist Albrecht Birkelbach. Der Lehrer fühlt sich auf dem Rad schon seit Jahrzehnten pudelwohl und beobachtet die Verkehrssituation vor der Schule mit Sorge: „Hier ist einfach alles verstopft. Wir müssen die Verkehrsinfrastruktur neu denken.“

Dabei verlassen sich Decker und seine Mitstreiter nicht auf Vermutungen: Über Wochen kamen Klassen in den Computerraum, um dort an einer Befragung zum Schulweg teilzunehmen. Das Ziel: Herauszufinden, wo Gefahrenstellen liegen, wie die Schüler anreisen und so mit der Stadt Stolberg ein Handlungskonzept aufstellen, um den Individualverkehr zu minimieren. „Mit Georg Trocha haben wir bei der Stadt einen guten Ansprechpartner, der uns einen bunten Strauß von Möglichkeiten anbietet“, sagte Birkelbach. Bei den Bestrebungen der Schule war es für Meisen eine Selbstverständlichkeit, sich als Schirmherr zu beteiligen. „Das mache ich gerne, um die Kinder aufs Rad zu bringen“, bestätigte Meisen, der bis zu 25.000 Kilometer im Jahr absolviert und am liebsten in der Eifel unterwegs ist. Das erzählte er den neugierigen Jugendlichen, die sich vor der Schule an einem kleinen Parcours für Mountainbiker ausprobieren konnten. Dazu gab es natürlich jede Menge Tipps und Tricks des Profis, der weiterhin als Ansprechpartner für die Schüler zur Verfügung stehen wird.

Auch Radprofi Marcel Meisen hat sich am Parcours auf dem Schulhof ausprobiert. Foto: Christian Ebener. Foto: Christian Ebener

Wichtig sei es besonders, dass den Kindern und Jugendlichen positive Beispiele geboten werden. So kommen nicht nur Bernd Decker und Albrecht Birkelbach stets mit dem Rad zur Arbeit, auch der neue Bürgermeister Patrick Haas kam zur Abiturfeier der Schule auf zwei Rädern. Im vergangenen Jahr ging es bereits mit radbegeisterten Schülern in die Eifel – eine Anstrengung, die mit einem Stand bei einer Sportausstellung in München belohnt wurde.

Doch nicht nur mit Birkelbach und dem Leiter der Mountainbike-AG, Holger Sievers, wird es an der Schule sportlich. So hat sich der Philosophiekurs der Klasse 9 entschieden, an der Klimatour des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) teilzunehmen. Dabei sollten möglichst viele Strecken mit dem Rad erledigt werden, die Strecken wurden dann eingetragen und zusammengerechnet. Über 3000 Kilometer kamen durch die Schüler zusammen, die auch regelmäßig an den „Fridays for Future“-Demonstrationen teilnahmen. Beteiligt waren unter anderem Zoe Sistenich und Ronja von Papen, die beide aus Eilendorf kommen und nun auch außerhalb des Schuljahrs sich öfter aufs Rad schwingen wollen. „Das war echt eine spannende Erfahrung“, so Zoe, die sich über die Aktivitäten ihrer Schule freut und betonte, dass so immerhin 431 Kilogramm CO2 eingespart werden konnten durch nur eine Klasse.

Doch auch hier ist noch nicht Schluss mit den Maßnahmen der Schule: So wurden bereits im April die Lehrer fortgebildet, um die Kinder und Jugendlichen noch besser für den Radverkehr schulen zu können. Mit dem Ergebnis der Umfrage soll nun im kommenden Schuljahr in Kooperation mit dem Verkehrsplanungsbüro bueeffee und dem Projektkurs Geografie ermittelt werden, wie die Gefahrenstellen im Schulweg am besten beseitigt werden können. Ein erster Schritt wird dann bereits sichtbar sein, denn bald soll ein regengeschützter Bau entstehen, in dem bis zu 100 Fahrräder von Schülern und Lehrern Platz finden können.

„Ein Umdenken ist einfach notwendig“, betonte Birkelbach, während die Jugendlichen noch einige Runden auf dem Mountainbikeparcours des Radsportverbandes NRW drehten. Ob das Goethe Gymnasium am Ende tatsächlich die fahrradfreundlichste Schule Deutschlands wird? Die Chancen ständen ganz gut, zeigte sich Birkelbach optimistisch. Doch wichtig sei ohnehin besonders, dass die Maßnahmen auch langfristig ihre Wirkung zeigen. Mit dem Rad in die Zukunft – das sei nun die Devise an der Schule.

(cheb)
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