Stolberg: Altstadt: Schutzbecken reichen bei Hochwasser nicht aus

Stolberg: Altstadt: Schutzbecken reichen bei Hochwasser nicht aus

Die Stolberger Altstadt muss vor Hochwasser zusätzlich geschützt werden. Der Bau von Rückhaltebecken am Oberlauf der Vicht und ihren Zuflüssen allein wird nicht ausreichen, um die Kupferstadt vor Wasserfluten zu schützen, die statistisch gesehen einmal in 100 Jahren auftreten.

Soll dieses durch Stolberg - ohne Schaden anzurichten - fließen, dann werden in der Stadt Brücken höhergelegt und Bachufermauern erhöht werden müssen.

Das ist das Ergebnis einer Vorstudie des Wasserverbandes Eifel-Rur zum Hochwasserschutz, die der zuständige Gebietsingenieur Thomas Meurer dem Umweltausschuss vorstellte.

Dabei erreichen die erforderlichen Schutzmaßnahmen weit vor den Toren der Altstadt bereits Dimensionen. Auf insgesamt mindestens zehn Millionen Euro schätzt der WVER die Investition in Planung und Bau von Rückhaltebecken, die selbst wie kleine Talsperren aussehen dürften. Sie müssen ein Volumen von mehr als 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser einstauen können.

Im Vergleich dazu ist das offene Staubecken des WVER für den Omerbach an der Südstraße in Eschweiler mit seinen 40.000 Kubikmetern Fassungsvermögen nur ein „kleiner Fisch”. Dass ein Hochwasserschutz für Stolberg ganz ohne Rückhaltebecken schon einmal gar nicht auskommt, wurde für den WVER schnell klar beim Blick auf das 108 Quadratkilometer umfassende Einzugsgebiet des Bachlaufes. Im Vergleich dazu speist sich die Dreilägerbachtalsperre aus einem nur 12 Quadratkilometer umfassenden Umfeld und spielt für die Hochwasser-Gefahr der Vicht in Stolberg eine zu vernachlässigende Rolle.

Unterhaltung bereits geändert

Schon längst hat der WVER seine Maßnahmen zur Unterhaltung der Vicht deutlich umgestellt. Gestaltete sich in der Vergangenheit ihr verlandendes Bachbett in der Innenstadt mehr als ökologische Insel, so wird mittlerweile regelmäßig der „Bach gefegt”, Geröll und Bewuchs beseitigt, damit das Wasser möglichst ungestört abfließen kann.

Immerhin gingen bislang grobe Ermittlungen von einem erforderlichen Rückhaltevolumen in der Größenordnung von 650.000 Kubikmetern aus; heute ist klar, dass das Doppelte erforderlich werden wird.

Angesichts der Kostendimenion musste bereits die Vorstudie für einen Schutz der Altstadt europaweit ausgeschrieben werden. Was folgte waren hydrologische Untersuchungen, die Erstellung von Flussgebietsmodellen mit unterschiedlicher Dauer und Intensität von Hochwasserereignissen, Messreihen von Niederschlägen und Pegelständen sowie weitere umfangreiche Berechnungen.

Dabei stießen die Ingenieure auf die interessante Tatsache, dass der von Zweifall kommende Hasselbach nicht zur Hochwasserspitze der Vicht beiträgt, weil sein Scheitel erst im Anschluss eintritt. Die Auswirkungen des Hasselbachs auf Zweifall selbst will der WVER aber in einem weiteren Schritt untersuchen.

Mit dieser Erkenntnis rückte allerdings der obere Lauf der Vicht in den nähreren Blick der Hochwasserschützer. Varianten wurden berechnet, mögliche Standorte vor Ort betrachtet, damit als Zielgröße bei einem einhundertjährlichen Hochwasser rund 30 Prozent weniger Wasser die Altstadt erreicht.

Als mögliche Lösung kristalliert sich der Bau von zwei Becken mit einem Rückhaltevolumen von insgesamt rund 1,2 Millionen Kubikmeter zwischen Zweifall und Roetgen heraus. Wie kleine Talsperren könnten sie sich in die bestehende Landschaft einfügen. Aber selbst dann würde die Vicht unterhalb des Hammerbergs noch über die Ufer treten. Allerdings würden die oberhalb Stolbergs liegenden Ortschaften ausreichend geschützt sein.

Damit ist die Planungsphase beim WVER noch längst nicht abgeschlossen, erläuterte Meurer. Weitere Berechnungen stehen ebenso auf der Tagesordnung, Fragen zu Details, Landschafts- und Naturschutz müssen geklärt, Förderanträge gestellt und ein Genehmigungsverfahren eingeleitet werden. Bevor sukzessive mit der Realisierung von Hochwasserschutzmaßnahmen begonnen wird, „werden fünf bis zehn Jahre” ins Land ziehen, kündigte Meurer an.