Stolberg-Vicht: Als Künstler noch nicht entdeckt

Stolberg-Vicht: Als Künstler noch nicht entdeckt

Als „Vater” des Klinikums in Aachen ist der Architekt Wolfgang Weber vielen bekannt. Im Vergleich zu seinem Bekanntheitsgrad als erfolgreicher Architekt ist der Maler und Zeichner Wolfgang Weber hingegen fast unbekannt.

Das liegt nach eigener Aussage daran, dass der 74-Jährige erst seit seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben die Zeit hat, um seine künstlerische Leidenschaft auszuleben.

Es ist eine Premiere: Webers Bilder und Zeichnungen, die seit Samstag die Wände im Europäischen Kunsthof zieren, waren bis zu diesem Zeitpunkt noch nie öffentlich zu sehen. Gezeigt wird in Vicht Webers Schaffensperiode von 2000, also dem Zeitpunkt seiner Pensionierung, bis zur Gegenwart.

Weber, der in Südfrankreich lebt, hat seine Bilder zur Vernissage in die Nähe seiner alten Wahlheimat Aachen begleitet. Seine Affinität für Futuristisches ist in den Zeichnungen und Acrylbildern allgegenwärtig. Es sind rätselhaft anmutende Bilder, die unter dem Titel „Parallelzustände” zusammengefasst sind.

Seine enge Beziehung zur Architektur fließt auf spannende Weise ein, der Betrachter hat Einblicke in Gebäude, auf urbane Landschaften, die vertraut und dennoch wie von einem fremden Planeten sind.

Mitunter stellt er die Gesetze der Physik auf den Kopf, was immer wieder für Überraschungen sorgt. Kein Bild ist wie das andere, und man fühlt sich an die Werke von Salvador Dal" erinnert.

Stellenweise sind Webers Bilder voyeuristisch; nackte Leiber sind auf fast jedem der ausgestellten Werke abgebildet. Weber erzählt in seinen Bildern Geschichten, die er scheinbar wie in einer Momentaufnahme verdichtet. Momentaufnahmen, die Menschen vor oder nach der Bewegung zeigen, die „in Ruhe sind”, wie es Weber formuliert. Anspielungen sind die Grundessenz seiner Werke. Manches ist offensichtlich, anderes ist es nicht.

Das Werk „Zirkusvolk” etwa lässt viele Interpretationen zu. Offensichtlich ist in diesem Bild die „Mathematik”. Eigentlich sind es drei Bilder, die aber wie eine Einheit wirken. Die Anzahl der Zirkusleute, die zusammen in Grüppchen stehen und sich unterhalten, ist immer gleich, nicht aber ihre Ausrichtung und ihre phantastischen Kostüme.

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