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Stolberger Ansichten | Damals und Heute: Als am Mühlener Markt eine Trinkhalle war

Stolberger Ansichten | Damals und Heute : Als am Mühlener Markt eine Trinkhalle war

Eine Trinkhalle, die umliegende Bebauung und ihr Ende Anfang des 20. Jahrhunderts stehen im Mittelpunkt des 202. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“.

Als Trinkhallen wurden im frühen 20. Jahrhundert kleine Buden bezeichnet, die meist auf öffentlichen Plätzen gelegen, der Versorgung der Bevölkerung mit Erfrischungsgetränken dienten. Die ersten Trinkhallen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts infolge der Industrialisierung.

Um den Alkoholismus einzudämmen, förderten die Städte die Einrichtung von Trinkhallen, an denen Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke wie Limonaden angeboten wurden. So unterhielt auch die Stadt Stolberg um 1900 allein fünf öffentliche Trinkhallen. Eine Trinkhalle und die umliegende Bebauung stehen im Mittelpunkt des 202. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“.

Unser historisches Vergleichsfoto ist um 1910 entstanden. Es zeigt im Vordergrund die kleine Trinkhalle, die auf dem Mühlener Markt lag. Im November 1907 hatte die Stadt Stolberg für ihre Trinkhallen einen neuen Pächter unter Vertrag genommen.

Die Konzession für den Verkauf von Mineralwasser und Limonaden erhielt der Aachener Unternehmer Karl Leo. Er war Nachfolger des ursprünglich ebenfalls in Aachen ansässigen Geschäftsmannes Franz Geef, der seinen Wohnsitz nach Köln verlegt hatte. Leo war Inhaber der in der Kaiserstadt liegenden Firma „Aachen Burtscheider Schlossbrunnen".

Der mehrseitige Vertrag ist in Kurrentschrift abgefasst. Ein Passus diente der Unterbindung des als Völlerei bezeichneten übermäßigen Trinkens. Denn die Konzession konnte sofort entzogen werden, wenn der Mineralwasserhersteller in seinen Büdchen Alkohol anbot.

Der Verkauf von Alkohol war demnach in den Trinkhallen der Stadt Stolberg verboten. Schon 1931 waren in der Kupferstadt Stolberg alle Trinkhallen geschlossen. In einem Schreiben des „Kollegialen Gemeindevorstandes", vergleichbar mit einem heutigen Verwaltungsvorstand, wurde mitgeteilt: „Die Trinkhallen sind seit vielen Jahren außer Betrieb, somit die Konzessionen erloschen sind."

Der Platz der Trinkhalle am Mühlener Markt heute.
Der Platz der Trinkhalle am Mühlener Markt heute. Foto: Toni Dörflinger

Außer der Trinkhalle ist auf unserem historischen Vergleichsfoto die zwischen Mühlener Markt und der Straße „Roderburger Mühle" liegende Bebauung abgebildet. Die Bebauung liegt entlang der Salmstraße. Die Salmstraße, anfänglich Neustraße genannt, ist um 1850 entstanden.

Damals wurde außerhalb der überwiegend aus Kupferhöfen bestehenden Altbebauung eine neue, breite Magistrale angelegt. Die alten Verbindungswege der Kupferhöfe waren dem gestiegenen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen. Am Rand der neu erstellten Salmstraße hatte in diesem Bereich einst der Garten des Kupferhofes Peltzer gelegen.

Als Kupferhöfe werden die Produktionsstätten der Messinghersteller bezeichnet. Der Mühlener Markt war einst ein Zentrum des Messinggewerbes. In seinem Bereich lagen einst allein neun unterschiedlich große Messingmanufakturen. Den an der neuen Trasse liegenden Garten des Kupferhofes Peltzer bebaut, hatte der Brauereibesitzer Peter Anton Katterbach. Er errichtete um 1850 entlang der Salmstraße mehrere Wohn- und Geschäftshäuser. Die Brauerei lag im hinteren Bereich dieser Bauten.

Die Erdgeschosse der Neubauten dienten im 20. Jahrhundert unterschiedlicher Nutzung. Ansässig waren dort unter anderem Geschäfte für den Verkauf von Lebensmittel und Optikerwaren. Im Einmündungsbereich der Straße Roderburger Mühle ist auf den Fotos die Elefantenapotheke abgelichtet. Das dreigeschossige Gebäude wurde 1870 errichtet und war Stolbergs zweite Apotheke. Zuvor hatte es nur mit der Adler-Apotheke in der Altstadt eine solche Einrichtung gegeben.