Städteregion: „Aktiv gegen Rechts“: Probleme erörtern und Impulse liefern

Städteregion: „Aktiv gegen Rechts“: Probleme erörtern und Impulse liefern

Die Ergebnisse der fünften Regionalkonferenz „Aktiv gegen Rechts“ sind vielfältig, denn rund 100 Teilnehmer nutzten die Veranstaltung in Stolberg sowohl als Austauschplattform als auch als produktive Ideenbörse.

Elementare Bestandteile der unter Schirmherrschaft von Ferdi Gatzweiler, Bürgermeister der Kupferstadt, stehenden Konferenz waren fünf Workshops, in denen die Teilnehmer Probleme erörterten, kons­truktive Impulse lieferten und die Vernetzung einzelner Initiativen vorantrieben — kurz: aktiv gegen Rechts waren.

Unter dem Motto „Keine Rassisten in die Parlamente“ befasste eine Arbeitsgruppe sich mit dem Kommunalwahlkampf in der Region und erstellte einen detaillierten Frage- und Forderungskatalog, der den Kandidaten und demokratischen Parteien vorgelegt werden kann.

Auch Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrats NRW, ließ die Erfahrungen von Migranten in Wahlkämpfen einfließen. Als Resultate des Workshops nannte Keltek, als er bei der Abschlusspräsentation den Katalog vorstellte, zum Beispiel Fragen zur doppelten Staatsbürgerschaft oder zu geplanten Maßnahmen, die Integration fördern sollen.

Eine andere Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Problematik von Geschichtsarbeit bei schwindender Beteiligung von Zeitzeugen. Die Teilnehmer regten an, Gedenkorte der regionalen Geschich­te verstärkt als Lernorte zu nutzen, sowie auf Zeitzeugen der zweiten und dritten Generation zurückzugreifen, also Kinder und Enkel von Opfern oder Widerstandskämpfern des Zweiten Weltkriegs.

„Der Ball ist bunt“

„In Schulen ist es schon hilfreich, wenn andere Personen als die bekannten Lehrer zu den Schülern sprechen“, erklärte Dr. Stephan Stracke, Historiker aus Wuppertal, dass schon die außergewöhnliche Unterrichtssituation die Aufmerksamkeit der Schüler fördere.

„Der Ball ist bunt“ war ein Workshop betitelt, in dem thematisiert wurde, wie Sportvereine sich gegen Rassismus engagieren können. „Gesellschaftliche Grundwerte gelten auch auf dem Fußballplatz und den Tribünen“, sagte Politologe Richard Gebhard. Daher sollten Vereine nach außen demons­trieren, dem Rassismus keine Chance zu geben, und gleichsam intern präventiv arbeiten.

Innerhalb der Arbeitsgruppe wurde kritisiert, dass Fußballvereine von den unteren Verbandsebenen bis hin zum Deutschen Fußball-Bund nicht genug Unterstützung für eigene Initiativen gegen rechte Tendenzen im Sport erhalten würden.

In dem Arbeitskreis „Empört Euch! Engagiert Euch!“ tauschten die Workshopteilnehmer neue Ideen für die Jugendverbandsarbeit gegen Rassismus aus. „Dabei spiegelte die Vernetzung von Ideen, Projekten und Aktiven den Charakter dieser Konferenz wider“, resümierte Andrea Carvallo, die Jugendbildungssekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Mit der Frage, ob ziviler Ungehorsam, etwa in Form von Sitzblockaden, einen Demokratisierungsprozess darstellt oder eine Form von verdeckter Gewalt, setzte sich eine weitere Arbeitsgruppe auseinander. Christoph Flecken vom Antifaschistischen Aktionsbündnis Aachen hob hervor, dass sämtliche Initiativen gegen Rechts ihre Kräfte bündeln sollten, um Naziaufmärsche zu verhindern.

Stellvertretend für die Teilnehmer dieses Workshops übte er Kritik an der Namensgebung des Stolberger Bündnisses gegen Radikalismus. „Bündnis gegen Rechts“ sei ein besserer Name, denn „man darf Links und Rechts nicht miteinander vergleichen“, sagte Flecken unter großem Applaus der meisten Konferenzteilnehmer.

Am Ende der fünften Regionalkonferenz „Aktiv gegen Rechts“ zog Mitorganisator Dominik Clemens ein positives Fazit: „Diesmal haben sich mehr Menschen beteiligt als im Vorjahr, und Stolberg war als Veranstaltungsort gut gewählt. Hier konnten wir den Einwohnern zeigen, dass wir sie unterstützen.“ Ebenfalls erfreulich sei es gewesen, dass die Teilnehmer nicht nur aus der Städteregion, sondern auch aus den Kreisen Heinsberg und Düren sowie sogar aus Wuppertal den Weg in die Kupferstadt gefunden hätten.