Stolberg: Ärzte-Aktionstag: Vom Streik ist nicht viel zu spüren

Stolberg: Ärzte-Aktionstag: Vom Streik ist nicht viel zu spüren

Man stelle sich vor, es wird gestreikt, aber keiner macht mit: Ein wenig überspitzt ausgedrückt ist dies der Sachstand des für heute angekündigten Aktionstages. Zumindest mit Blick auf Stolberg.

Hintergrund des Aktionstages „Praxis ohne Mitarbeiter”, was sprachlich nett verpackt nichts anderes als Streik bedeutet, ist der Unmut der niedergelassenen Ärzte über die Honorarpolitik der Krankenkassen. Nachdem der GKV-Spitzenverband bei den Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auch in einem erneuten Anlauf keine Anzeichen dafür gesehen hat, dass auf sein Angebot eingegangen wird, soll nun heute ernst gemacht werden.

Angekündigt war, dass einige Praxen komplett geschlossen haben oder nur stark eingeschränkt behandeln, weil sie zu Demonstrationszwecken die Arzthelferinnen nach Hause schicken. In Stolberg ist davon allerdings kaum etwas zu spüren: Von 14 niedergelassenen Ärzten, die die Redaktion zwecks eines Querschnitts kontaktierte, war nicht einer dabei, der sich aktiv dem Protest anschließt. Wobei vier davon wegen Urlaub ihre Praxis geschlossen haben.

Erstaunlicher ist, dass selbst die handverlesenen Ärzte, die noch vor drei Wochen bei einer ersten Befragung ihre Bereitschaft zum Streik signalisierten, nun doch ihre Praxis öffnen. Warum das so ist, darüber kann man spekulieren, denn keiner war zu einem Statement bereit, beziehungsweise in einem Fall der Mediziner nicht zu erreichen.Auch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein kann nur spekulieren, wenn es um die Frage geht, wie viele der niedergelassenen Ärzte sich beteiligen. Auch wegen der Urlaubszeit.

Laut Deutscher Presseagentur sollen bundesweit 30.000 niedergelassene Ärzte und medizinisches Fachpersonal streiken. Nicht eingebunden in den Streik ist offiziell der Berufsverband der Hausärzte (Anmerkung: Im GKV-Spitzenverband sind die Berufsverbände unterschiedlicher Fachrichtung zusammengeschlossen).

Dazu der Allgemeinmediziner Wolfgang Jaeckel aus Breinig: „Ich fand das schon sehr amüsant, dass ich aus der Zeitung von der Protestaktion erfuhr. Mich hat jedenfalls niemand nach meiner Meinung gefragt.” Dass der Verband der Hausärzte nicht involviert ist, liegt laut Jaeckel wohl daran, dass dieser das Problem der ungleichen und zum Teil durchaus zu niedrigen Honorierung anders lösen will. Die Hausärzte wollen nicht mehr nach Punkten pauschalisiert abgerechnet werden, sondern nach der erbrachten Leistung.

Der Knackpunkt für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist, dass die Hausärzte direkt mit den Krankenkassen abrechnen wollen. Bislang ist es so, dass die KV dem Arzt pro Quartal und Patient eine festgelegte Summe zahlt. Das neue Modell wird in Stolberg bereits praktiziert. Der 57-jährige Jaeckel ist einer der Ersten. Entgegen der Aussage der KV ist diese Art der Abrechnung nicht nur über eine Krankenkasse möglich: „Die Großen haben die entsprechenden Programme alle aufgelegt”, sagt der Allgemeinmediziner.

Auch Ralf Steinbrecher, Pressesprecher der Krankenkasse „actimonda” (ehemals BKK Alp), sieht in der Änderung des Schlüsselsatzes innerhalb der KV den Lösungsansatz. „Je nach Berufsgruppe fällt die Pauschalhonorierung sehr unterschiedlich aus. Der Betrag, den der Arzt pro Quartal für seinen Patienten mit der KV abrechnet, ist immer gleich. Unabhängig davon, ob der Patient in diesem Zeitraum nur einmal in der Praxis war oder sechsmal.” Gesunde Patienten sind eben lukrativer als solche, die chronisch krank sind.

Das Argument der Ärzte, die gesetzlichen Krankenkassen erwirtschafteten satte Überschüsse, sieht der 34-Jährige kritisch: „Man muss die Zahl differenziert betrachten. Von den 22 Milliarden Euro befinden sich 13 Milliarden Euro bei den etwa 140 Krankenkassen. Weitere neun Milliarden Euro sind im Gesundheitsfonds. Da aber alle Krankenkassen zusammen pro Monat 15 Milliarden Euro ausgeben, ist es nur sinnvoll, eine Reserve zu schaffen.”

Sinnvoll sei es zudem, so Steinbrecher, in eine nachhaltige Stabilität und in Mehrleistungen zu investieren.