Stolberg: Adventskalendersingen: Schüler proben für den großen Auftritt

Stolberg: Adventskalendersingen: Schüler proben für den großen Auftritt

„Ich habe die Bühne vor dem Rathaus extra noch mit dem Zollstock nachgemessen, um bei der Probe zu sehen, ob die Schüler darauf passen“, erklärt Susanne Grümmer und lacht.

Sie ist Deutsch- und Musiklehrerin am Ritzefeld-Gymnasium und hat für ihre Schule das Adventskalendersingen im Rahmen der Kupferstädter Weihnachtstage organisiert und dabei viel vorbereitet. Bis Heiligabend öffnen Stolberger Schulen, Kitas und Vereine jeweils ein Fenster am Rathaus, hinter dem sich ein selbst gemachtes Bild verbirgt. Dazu lesen sie einen Teil einer Geschichte vor, die bis Heiligabend zu Ende erzählt wird. Wie die Schulen die Fensteröffnung gestalten, ist ihnen frei überlassen.

Susanne Grümmer begleitet die rund 165 Schüler auf dem Klavier und gibt von dort während der Probe immer wieder Anweisungen. Foto: Anne Schröder

Nur wenig Vorbereitungszeit

Drei fünfte und sechste sowie eine siebte Klasse des Gymnasiums haben hierzu am Freitag vor dem Rathaus Weihnachtslieder, begleitet von der Bläserklasse der Schule, in verschiedenen Sprachen gesungen, und neben ihrem vorgegebenen Teil der Geschichte zusätzlich noch Gedichte vorgelesen. Alles von Grümmer organisiert und konzipiert. Das gemalte Bild stammt von Nikos Minassidis aus dem Kunstgrundkurse der Stufe Q2. Auf die Bühne passen letztendlich nur drei der insgesamt sieben Klassen. Der Rest muss davor stehen.

Hinter so einem Auftritt steckt jede Menge Arbeit. „Wir konnten erst nach den Herbstferien mit der intensiven Vorbereitung beginnen. Das ist sehr kurz und uns richtig Zeit lassen, das ging leider nicht“, verdeutlicht Grümmer, die, bedingt durch Elternzeit, erst vor etwas mehr als einem Monat mit den Schülern angefangen hat, an dem Auftritt zu arbeiten.

So kurz die Vorbereitung ist, umso intensiver ist sie aber. Das beginnt schon beim Konzept: „Ich habe immer ganz viele Ideen und gucke dann, was klappt“ — und es klappt. Das zeige sich schon bei der Generalprobe am Freitagvormittag, bei der am Schluss alle Klassen, also etwa 165 Kinder, gemeinsam Weihnachtslieder in verschiedenen Sprachen üben. Neben „Stern über Bethlehem“ und „Feliz Navidad“ werden auch „Let it Snow“ und „Last Christmas“ in der Schulaula geprobt. „Ich habe extra verschiedensprachige Lieder gewählt, um so die große Gemeinschaft auszudrücken und auch zusammenzurücken“, erklärt Grümmer.

Wichtig ist auch, dass sich alle im Unterricht intensiv mit den Texten auseinander gesetzt haben, damit sie überhaupt wissen, wovon sie singen und es glaubhaft über die Bühne bringen können.

Während der Generalprobe gibt sie immer wieder Hinweise: „Denkt dran, man hört euch in der Aula gut, aber nachher auf dem Kaiserplatz ist das anders, also probiert mal, lauter zu singen.“ Die Schüler geben alles. Gleich darauf folgt die Ansage: „Laut, aber bitte gesanglich.“ Einige Schüler sind aufgeregt und aufgedreht — der Lärmpegel dementsprechend hoch, aber Grümmer hat die Probe fest im Griff. Ihre Kollegen loben ihre „Nerven aus Stahl“, aber mit Erfahrung gewöhne man sich daran und das gehöre nun mal zum Traumberuf dazu, weiß die Musiklehrerin, die die Türchenöffnung ihrer Schule schon seit vielen Jahren leitet.

Die Noten werden umgeschrieben

Zu ihren Aufgaben in der Vorbereitung gehört auch die Koordination des Chors mit der Bläserklasse. Dieses Projekt ist an der Schule noch recht neu und wird von Markus Plum geleitet. Während Plum die Schüler, die gerade Trompete, Posaune und Querflöte spielen lernen, betreut, hat Grümmer die Noten der Songs umgeschrieben. „Trompeten und Posaunen haben eine andere Tonart und damit die Noten auch zum Chor passen, musste ich alle Stücke vorher umschreiben — auch damit sie für kleine Griffe geeignet sind.“

Die Bläserklasse spielt in der Probe konzentriert und achtet immer wieder auf ihre Leiterin. „In einer größeren Gruppe zu spielen macht viel Spaß und mit dem Chor und den anderen Instrumenten kann ich auch besser dem Rhythmus folgen“, erklärt Nina Sethmacher. Sie ist in der fünften Klasse und hat erst nach den Sommerferien mit dem Trompetespielen angefangen.

Aber nicht nur die Musik ist ihre Aufgabe — sie ist außerdem eine der Vorleserinnen. Eine sehr beliebte Aufgabe und nicht alle Schüler, die gerne lesen wollten, konnten eingeteilt werden. Dazu war zu wenig Text und Zeit während der Vorstellung. Aber auch hier legt Grümmer viel Wert auf Vorbereitung und Üben. „Beim Vorlesen haben wir auch geguckt, welche Stimmen zu welchen Rollen passen und immer wieder ausprobiert und umgestellt.“ Neben der Planung, sitzt Grümmer gleichzeitig am Klavier und koordiniert von dort aus den Chor und die Blasmusiker. Dies sei sogar eine Erleichterung, denn so müsse sie nicht noch auf eine Person mehr Acht geben. Aber die viele Mühe und Vorbereitung machen ihr auch viel Freude. „Die ganzen Schwierigkeiten lohnen sich, wenn man dann in der Aula und beim Auftritt sieht, wie sich die Schüler freuen und für die Musik begeistern können.“ Diese Begeisterung hat am Freitag auch das Publikum erleben können.