Stolberg: Acht Projekte aus dem Aktionsplan Inklusion sind umgesetzt

Stolberg : Acht Projekte aus dem Aktionsplan Inklusion sind umgesetzt

Der Begriff Inklusion ist in Stolberg etwas weiter gefasst: Er beinhaltet beispielsweise nicht nur Menschen mit Behinderung. Unter dem Begriff Inklusion wird auch das interkulturelle Miteinander verstanden. Die Förderung dieses Miteinanders ist im Aktionsplan Inklusion verankert. Im vergangenen Jahr wurde dieser von der Stolberger Politik beschlossen. Zeit, um einmal nachzufragen, was sich seitdem getan hat. So viel sei verraten: Von den 24 Projekten sind zwei Drittel bereits umgesetzt oder in Planung.

Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, meinen Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger, Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier und der Inklusionsbeauftragte Lukas Franzen. Als eine Art Puzzle beschreibt Voigtsberger den Aktionsplan. Ein Puzzle, das sich nur mit Menschen, Vereinen und Institutionen komplettieren lasse und das nie richtig fertig werde. „Es ist ein Weg, der immer fortgeschrieben wird“, sagt Voigtsberger. Bereits im kommenden Jahr soll mit der Fortschreibung des Aktionsplans begonnen werden, dann will die Stolberger Verwaltung gemeinsam mit den Bürgern Ideen sammeln, um daraus neue Projekte zu entwickeln.

Das Schüler-Theater-Festival (großes Bild und unten rechts) gehört genauso wie das Thema medizinische Versorgung im ländlichen Raum zum Aktionsplan Inklusion. Darin sind insgesamt 24 Projekte verankert. Acht davon konnten bereits umgesetzt werden. Foto: Manuel Hauck

Acht Projekte konnten in den vergangenen Monaten bereits umgesetzt werden (siehe Infobox). Dazu zählt unter anderem die Mitmach-Aktion „Miteinander leben“, die im kommenden Jahr erneut stattfinden soll. Vor wenigen Wochen wurde zudem das Fotoprojekt „Miteinander kinderleicht“ fertig. Die Ausstellung ist derzeit noch im Foyer des Rathauses zu bewundern. Das Projekt sei ein „schönes Beispiel“ für die übergreifende Arbeit verschiedener Institutionen. Schließlich gestalteten eine Kita, eine Grund- und eine Förderschule das Projekt gemeinsam. So könne das Thema Inklusion möglichst vielen Menschen nähergebracht und erklärt werden, meint Franzen. Gut angenommen worden sei auch das Schüler-Theater-Festival, das im kommenden Jahr — genauso wie das Kulturzentrum Frankental — seinen 30. Geburtstag feiert.

Das Schüler-Theater-Festival (großes Bild und unten rechts) gehört genauso wie das Thema medizinische Versorgung im ländlichen Raum zum Aktionsplan Inklusion. Darin sind insgesamt 24 Projekte verankert. Acht davon konnten bereits umgesetzt werden. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Ein Fokus soll in diesem Jahr auf der Hubertine-Heine-Stiftung liegen. Diese wird über die Stadt Stolberg verwaltet und soll mit neuem Leben gefüllt werden. Unter anderem soll eine Satzung erarbeitet und der Förderzweck aktualisiert werden. Vor allem Kinder — mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Migrationshintergrund — sollen im Mittelpunkt stehen. Das Ziel: Mit der Stiftung soll ein Förderinstrument für gute Ideen, die mit Inklusion zu tun haben, entwickelt werden. Darüber könnten Projekte — wie beispielsweise die Ausstellung „Miteinander kinderleicht“ — in Zukunft gefördert werden. In einer Satzung könnten zudem Förderkriterien festgelegt werden. Momentan gehen die Überlegungen der Verwaltung so weit, ein Kuratorium einzurichten und beispielsweise den Hauptausschuss damit zu beauftragen, über die Fördergelder zu entscheiden. Die Förderstiftung soll aktiv auf Institutionen zugehen, um so eine besondere Dynamik zu entwickelen, so Voigtsberger.

Kindgerecht aufarbeiten

Doch nicht nur ein Update der Hubertine-Heine-Stiftung steht in der zweiten Jahreshälfte im Fokus. Ein Augenmerk liegt auch auf dem Projekt „Aktives Altern in der seniorenfreundlichen Gemeinde in der Euregio Maas-Rhein“. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll es verschiedene Veranstaltungen in Stolberg geben. Das Thema Demenz spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. „Das ist ein Thema, das aus dem öffentlichen Kontext nicht mehr wegzudenken ist“, sagt Paul Schäfermeier.

Doch nicht nur interessierte Stolberger und Fachpersonal aus Einrichtungen oder Pflegediensten sollen damit angesprochen werden. Die Verwaltung will das Thema Demenz auch in die Schulen bringen. Ein Projekt aus den Niederlanden sieht vor, dass die Schüler sich im Rahmen von Projekttagen damit auseinandersetzen und erklärt dem Nachwuchs auf kindergerechte Weise, warum Großeltern anders werden können. In der Schulkonferenz haben Lukas Franzen und Paul Schäfermeier dieses Projekt bereits vorgestellt, zwei Grundschulen — in Breinig und Mausbach — haben bereits ihr Interesse bekundet.

Ein drittes Projekt, das in diesem Jahr noch angegangen werden soll, trägt den Titel „Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen auf kommunaler Ebene“. Dieses soll im Stolberger Rathaus umgesetzt werden. Drei Stellen sollen besetzt werden: beim Technischen Betriebsamt — beispielsweise in der Grünflächenpflege — sowie als Assistenz im Hausmeisterbereich — im Rathaus und an der Sportstätte Glashütter Weiher.

Ärzte einbinden

In engem Austausch stehe man deshalb derzeit mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) sowie der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (GIB) und auch dem Integrationsfachdienst (IFD). Längere Praktika sollen zunächst angeboten werden. Danach wird entschieden, ob eine Anstellung in der Verwaltung möglich ist. „Der LVR hat unsere Initiative sehr gelobt. In vielen Verwaltungen ist das Thema bisher noch nicht angekommen“, sagt Robert Voigtsberger.

Ebenfalls in diesem Jahr stattfinden soll der zweite Begegnungstag Inklusion. Angedacht sei dafür momentan ein Termin im November, sagt Lukas Franzen. Und auch das Thema medizinische Grundversorgung spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Eine Bürgerumfrage wurde bereits durchgeführt und auch ausgewertet. Nun soll die Ärzteschaft in das Thema eingebunden werden. Sie sollen nicht nur über die Ergebnisse informiert werden. Mit ihnen soll auch darüber gesprochen werden, welche Lösungen für Stolberg — und vor allem für die Stadtteile ohne medizinische Versorgung — in Zukunft umgesetzt werden könnten. Zudem sei die Kassenärztliche Vereinigung (KV) über den aktuellen Sachstand informiert worden. Auch von dieser Seite erhofft sich die Stolberger Verwaltung Unterstützung.

In Sachen Inklusion gibt es in den kommenden Monaten also auch weiterhin eine Menge zu tun. „Wir sind auf einem guten Weg. Wir machen viele kleine Schritte, aber brauchen weiterhin gute Ideen und Menschen, um die inklusive Idee erlebbar zu machen“, bringt Robert Voigtsberger die weitere Entwicklung auf den Punkt.

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