Acht Millionen aus Städtebauförderprogramm und EU Sozialfonds

Integriertes Handlungskonzept : Acht Millionen Euro fließen nach Stolberg

Es ist eine stolze Summe, über die sich die Stadt Stolberg freuen darf. 5,7 Millionen Euro fließen aus dem sogenannten Städtebauförderprogramm nach Stolberg. Das gab das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen in diesen Tagen bekannt.

Zudem gibt es 2,3 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds. Macht also insgesamt knapp 8 Millionen Euro. In welche Projekte das Geld investiert wird? Und was sich hinter diesen verbirgt? Ein Überblick.

Bereits 2015 entschieden Verwaltung und Politik, dass man sich für die Zukunft entsprechend aufstellen müsse und folgten dem Förderaufruf der Landesregierung „Starke Quartiere – starke Menschen“, der Fördermittel aus verschiedenen EU-Programmen für die Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf und sozialen Schieflagen versprach. Soziale und städtebauliche Analysen folgten. Im vergangenen Jahr wurde das Integrierte Handlungskonzept „Berg- und Talachse – Miteinander für Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg“ vorgestellt. Die Umsetzung der ersten Projekte hat begonnen. „Uns ist in Stolberg eine beispielhafte Verzahnung von städtebaulicher Planung und neu aufgestellter Sozialplanung gelungen“, meinte Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm. Nun könne man die „ersten Früchte, sprich Fördermittel, dazu einfahren“; so Röhm weiter.

Niedrigere Summen

Von den insgesamt 466,5 Millionen Euro, die das Programm umfasst, fließen 5,76 Millionen in die Stolberger Projekte. Wie sich die Förderung zusammensetzt? Ganz einfach: Von den 466,5 Millionen Euro Fördermitteln trägt die Europäische Union rund 78,7 Millionen Euro, der Bund trägt rund 191 Millionen Euro und das Land Nordrhein-Westfalen gibt außerdem rund 196,8 Millionen Euro. Auch andere Kommunen in der Region wurden bedacht, erhalten jedoch niedrigere Fördersummen (siehe Infobox).

Welche Projekte davon profitieren sollen? Unter anderem die Umgestaltung des Quartierszentrums Liester. Heißt im Klartext: Der Geschwister-Scholl-Platz soll neu gestaltet werden. Das jetzige Erscheinungsbild und die Nutzung des Platzes würden sein Potential nicht ausschöpfen, waren sich Politik und Verwaltung sicher. In einer Planungswerkstatt Mitte Mai wurde über zwei verschiedene Varianten, die Kölner Planer aus dem Büro Club 94 vorgelegt hatten, diskutiert.

Eine Mehrheit der Bürger sprach sich – genauso wie die Lenkungsgruppe aus Vertretern von Politik und Verwaltung – für die erste Variante aus, deren Gestaltung sich an den Linien der Bebauung orientiert. Sie macht den Geschwister-Scholl-Platz zu einer grünen Oase mitten im Quartier. „Bürgerwiese“. Gezielt für Jugendliche sollen – quasi vis-a-vis des Jugendheims Oase – im südlichen Teil der Bürgerwiese Spielmöglichkeiten wie eine BMX-Anlage oder Slacklines integriert werden. Weitere zielgerichtete Angebote sollen im Grado-Park geprüft werden. Gegenüber im nördlichen Teil des Platzes sollen die Kleinkinder ihre Spiellandschaft finden können.

Foto: grafik

Südlich zum Pirolweg hin sollen am Geschwister-Scholl-Platz die öffentlichen Stellplätze gebündelt angeboten werden. In der ersten Skizze sind 20 Parkplätze eingezeichnet, aber bei der weiteren Entwurfsplanung soll die Zahl steigen. Ende 2022 soll der Geschwister-Scholl-Platz dann fertig sein. Die Herstellungskosten für die Entwurfsplanung werden vom Büro Club 94 mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro kalkuliert. Da der Bau von Parkflächen nicht förderfähig ist, sind im Zuschussantrag die Ausbaukosten mit rund 2,4 Millionen Euro beziffert.

Ein weiteres Projekt, das von den Fördermitteln profitieren soll: der Ausbau des Begegnungshauses Grüntalstraße. Gerade das Viertel Oberstolberg ist von Armut – insbesondere von Kinderarmut – betroffen. Dort gibt es allerdings keine öffentlichen außerschulischen Einrichtungen der Begegnung und sozialen Vernetzung. Momentan übernimmt die Grundschule in der Grüntalstraße diese Aufgabe. Das Gebäude Grüntalstraße 5, das sich in direkter Nähe und zudem im Besitz der Stadt befindet, soll zu einem inklusiven, interkulturellen und generationenübergreifenden Begegnungszentrum ausgebaut werden.

Es hat eine Gesamtfläche von rund 320 Quadratmetern. Entstehen soll ein offenes Haus, in dem es multifunktional nutzbare Räume gibt, die von Einrichtungen der sozialen Infrastruktur aus dem Stadtgebiet sowie von Initiativen genutzt werden können. Unter anderem sind im Raumprogramm Beratungsräume, ein Bewegungsraum, eine Lern-Küche, Werkstätten, Betreungsräume für Kinder unter drei Jahren und ein Bereich, der als offene Cafeteria gestaltet werden soll. Die Projekte „Oberstark“ und „Viertel-Lab“ sind bereits im Gebäude untergebracht. Diese beiden Projekte sowie das Projekt „Zoom“ werden übrigens durch weitere 2,3 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Das Geld soll zudem in die ökologische Aufwertung bereits vorhandener Grünflächen fließen. Damit beschäftigt sich das Projekt „Grüne Trittsteine“. Freiräume und Grünflächen sollen im Rahmen dieser Startermaßnahme ökologisch aufgewertet werden. Über ein Trittsteinkonzept sollen einzelne Grünflächen miteinander in Bezug gebracht und vernetzt werden. Die betroffenen Grünflächen sind der Schulgarten der Grundschule Grüntalschule, der Serpentinenweg, Fußwege über den Fettberg, Grünflächen am Glashütter Weiher sowie am Hallenbad und an der Mensa des Goethe-Gymnasiums, der Friedhof Münsterbusch, der Grado-Park und der ehemalige Sportplatz Rotsch.

Ein weiteres Projekt, das gefördert werden soll: die Schaffung naturnaher Schulhöfe. Was sich dahinter verbirgt? Etliche Kinder und Jugendliche aus Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg haben wenig bis gar keinen Zugang zu Natur und Garten. An drei Schulen – den Grundschulen an der Prämien- und Grüntalstraße sowie an der Willi-Fährmann-Schule – soll mit einer naturnahen Schulhofgestaltung eine ökologische Aufwertung im Viertel erzielt werden. Die Öffnung der Schulgelände für die Bewohner des Viertels soll zudem dafür sorgen, dass diese auch die Verantwortung für die neu gestalteten Flächen übernehmen und selbst Hand anlegen.

Ein erster Schritt: In der vergangenen Woche wurden auf dem Schulhof Grüntalstraße Hochbeete bepflanzt. Eine Zusammenarbeit der Projekte „Oberstark und „Viertel-Lab“. „Es ist eine große Freude zu sehen, wenn nun die verschiedenen Projekte anfangen ineinanderzugreifen, wenn Langzeitarbeitslose mit Kindern und Eltern aus dem Viertel Oberstolberg auf dem Schulhof der Grüntalschule Hochbeete im Vorgriff auf die naturnahe Neugestaltung des Schulgeländes miteinander gestalten“, ist sich Sozialplaner Leo Jansen sicher.

Diese Projekte sind bereits angelaufen. Aber: „Wir stehen erst am Anfang. Weitere Anträge und Maßnahmenentwicklungen sind schon in Arbeit“, weiß Tobias Röhm zu berichten.

Mehr von Aachener Zeitung