Abriss-Arbeiten am Steinweg in Stolberg: Nun kann man die Burg sehen

Abrissarbeiten am Steinweg: Auf einmal kann man die Burg sehen

Ungewohnt hell wirkt der Steinweg an diesem Morgen. Das hängt nicht nur mit der prächtig scheinenden Sonne zusammen. Wer von der Stielsgasse in Richtung Krone die Fußgängerzone betritt, wird fast geblendet. Weil die Sonne durch eine neue Lücke strahlt.

Der Abriss der Häuser 38 und 40 am Steinweg ist so weit gediehen, dass man nahezu ungehindert das Wahrzeichen der Kupferstadt erblicken kann – wenn einem nicht gerade zur Morgenstunde die Sonne heftig entgegenblinzelt.

„Und auf einmal kann man die Burg erblicken“, lacht Tobias Röhm. Der Technische Beigeordnete bringt auf den Punkt, was viele Stolberger in diesen Tagen empfinden – und bei den Diskussionen über den Abriss der Altbauten sich so nicht vorstellen konnten.

Tobias Röhm und Bernd Kistermann stehen in den Trümmern und planen die Zukunft. Foto: Jürgen Lange

Vermutlich erstmals seit dem 19. Jahrhundert, als der Steinweg zur neuen Hauptstraße des Städtchens vom Vichtbach ausgebaut wurde, kann man von dort aus die Burg (wieder) erblicken – ein völlig neues Erlebnis nicht nur für die älteren Jahrgänge.

Es scheint überwiegend ein positives Erlebnis zu sein, wenn man Kommentare und staunende Blicke von Passanten und direkten Anliegern, die auf einmal viel mehr Licht in ihren Anwesen „ernten“, hört. Viele bleiben stehen, versuchen einen Blick über die Baustellenabsperrung zu erhaschen oder schauen sich von der Brücke in der Wurstgasse die Baustelle an. Um dann beispielsweise feststellen zu können, dass die Parterre auf einem schmalen und dünnen Giebelgewölbe zwei Meter das Bachbett überragt.

Baubeginn im Sommer

„In der kommenden Woche soll der Abriss weitgehend vollendet sein“, sagt Bernd Kistermann. Bis Karneval soll die Baustelle Geschichte sein. Der Leiter des Tiefbauamtes steht mit seinem Beigeordneten in den Trümmern und plant die Zukunft. Die Ausgestaltung des neuen Quartiersplatzes will vorbereitet sein. Im Juni soll der Bauausschuss die Arbeiten vergeben können. Wobei heute noch eine Ungewissheit besteht.

Aufblick: Aus der Höhe kann man die Größe des neuen Platzes an der Wurstbrücke am besten erkennen. Foto: Maike Vroomen

Wie die neu gewonnene Freifläche auf der östlichen Bachseite gestaltet und genutzt werden kann, kann erst überlegt werden, wenn der Abriss vollendet und die tatsächliche Substanz sichtbar ist. „Das wollen wir auch gemeinsam mit den Anliegern besprechen“, sagt Röhm. In den Händen halten die beiden Ingenieure bereits die detaillierten Pläne für den neuen Quartiersplatz am Oberen Steinweg, der sich im Grunde mit zwei kleineren Plätzen als kleine Perlenschnur präsentieren wird.

Die erste Perle findet sich an der Ecke der Stielsgasse zur Rathausumfahrt, wo der Altbestand aus Garagen bereits abgerissen ist. Dort entsteht ein kleiner Platz aus Betonsteinpflaster mit einem schmucken Hochbeet nebst einem markanten Amberbaum und einer Sitzbank nebst einer neuen Illumination. Bei der Gelegenheit wird auch der Einmündungsbereich leicht entschärft und der Gehweg bis in die Stielsgasse hinein durchgehend gepflastert.

Dort wiederum erfährt als zweite Perle der kleine Brunnenplatz eine Aufwertung. Das kunstvolle von Matthias Peters geschmiedete Wasserspiel wird leicht verrückt. Anstelle der drei kleinen soll ein markanter Schnurbaum gesetzt werden, der rundherum von einer Sitzbank umgeben ist. Gegenüber vor den Gebäuden des Steinwegs sollen die herunter gekommenen Pflanztröge ersetzt und symmetrisch neu platziert werden durch neue Hochbeete mit Sitzelement. Gepflanzt werden soll die Kupferfelsenbirne.

Die dritte Perle ist der neue Quartiersplatz. Wo Haus Nr. 40 an der Wurstgasse stand, soll ein Sitzpodest aufgestellt werden, das von einem Schnurbaum geprägt wird, während eine beleuchtete Stele Besuchern Informationen liefern soll. Von Bauelementen freigehalten ist der übrige Platzbereich.

Romantisch oder schäbig? Neue Einblicke gibt es – in Richtung Burgstraße – auch auf die historische Hinterhoflandschaft am Vichtbach. Foto: Jürgen Lange

Gewünscht wird dort eine Außengastronomie, die möglicherweise vom angrenzenden Gebäude Nr. 36 betrieben werden könnte. In jedem Fall sind die Leuchtelemente bereits so vorgerüstet, dass bei Veranstaltungen dort Strom bezogen werden kann.

Und einen weiteren Clou wird der Quartiersplatz zu bieten haben. Als neues Gitter zum Vichtbach hin wird das historische Geländer des Bastinsweihers genutzt. Bleibt noch ein Problem: Nicht alle neuen Ausblicke sind so schön wie die Burg. Rechts wie links der Brücke Wurstgasse sieht man eine Hinterhofromantik, die an das frühere „Klein-Venedig“ erinnert. „Auch die Sanierung der Rückfronten können wir aus unserem Fassadenprogramm fördern“, sagt Röhm und bietet Unterstützung und Beratung an.

Auch in Richtung Mühlenstraße sieht nicht alles chic aus: In der überbauten Vichtbrücke stand die erste Seifenküche der Dalli-Werke. Foto: Jürgen Lange

Die Eigentümer des Eckgebäudes von Wurstgasse und Klatterstraße haben von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht. Wenn der Abriss fertig ist, soll’s los gehen.

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