Abolus-Leser auf zweiter Sommerferien-Tour im Gebiet Schlangenberg

Aboplus-Leser: Zweite Sommerferien-Tour : Auf den Spuren von Blumen und Bäumen

Triefend nass kehren unsere Aboplus-Leser von unserer zweiten Sommerferien-Tour im Naturschutzgebiet Schlangenberg zurück. Zumindest diejenigen, die voller Hoffnung waren, das angekündigte Gewitter würde eine andere Richtung nehmen und das Tragen von Schirmen und Überwerfen von Regenjacken überflüssig machen.

Angefangen hatte alles ganz harmlos bei schönstem Wanderwetter. Gemeinsam mit Förster Preckel trafen sich die 24 Teilnehmer der Tour auf dem Parkplatz Waldschänke in Breinigerberg, um gemeinsam den Schlangenberg zu erkunden. Und gleich zu Beginn machte Preckel auf die riesigen und uralten Buchen aufmerksam, die dort am Parkplatz stehen. Zumindest stehen sie jetzt noch da. Dies wird jedoch nicht mehr von langer Dauer sein, denn sie sind faul, so Preckel. Auf kurz oder lang muss man sich wohl von diesen schön anzusehenden Bäumen trennen müssen.

Bäume sind nicht ganz gesund

Einige Leser erinnern sich, dass sie früher oft in den Wald gingen, um einen Blumenstrauß zu pflücken. Foto: Lydia Flink

Vom Parkplatz aus ging es zunächst in den Buchenwald hinein. Die Buchen stehen auf Massenkalk-Boden. Wichtig deshalb, da der Kalk Wasser kompensiert, so dass die Bäume besser mit Dürreperioden auskommen und die Borkenkäfer keine Chance haben, wie Stolbergs Förster Theo Preckel zu berichten wusste. Allerdings kann man auch hier erkennen, dass die Bäume nicht so ganz gesund sind. Ein Blick nach oben genügte: Durch ein Kronendach darf man eigentlich nicht durchblicken können.

Dann wurden die Blicke auf den Boden des Waldes gerichtet. Pingelkraut, Nelkenwurz, Waldmeister, Brombeeren, Pfaffenhütchen. Und da war sie: Die erste Orchidee des Tages, der Ständelwurz, welcher sich durch seine Samen vermehrt, so der Förster.

Der den interessierten Teilnehmern ein Zitat von Wolfgang von Goethe nahe brachte: „Man sieht nur, was man kennt.“ Und daher entdeckte Preckel auch sofort die nächste Orchidee. Natürlich vor allen anderen. Allerdings hatte diese keine Blüten mehr. Warum? Orchideenblüten gehören zum Lieblingsessen unserer heimischen Rehe.

Förster Theo Preckel weiß, wann es Bäumen und Sträuchern gut und schlecht geht. Foto: Lydia Flink

Im angrenzenden Fichtenwald konnten unsere Abonenten dann erkennen, was der Borkenkäfer so alles anrichtet. Einige Bäume wurden in Augenschein genommen. Und sehr deutlich sind hunderte winzig kleine Löcher in der Rinde erkennbar, durch die sich die Tierchen durchfressen. Sie produzieren somit im Baum einen „Wasserrohrbruch“ im Kambium, was zur Folge hat, dass der Baum stirbt.

Bohrmehl, Einbohrlöcher, braune Krone und Blattverlust sind eindeutige Zeichen für Borkenkäferbefall. In früheren Zeiten, so weiß eine Teilnehmerin, hatte man im Wald Kalk gegen sauren Regen um die Bäume gestreut. Jedoch, so Preckel, macht das heutzutage wenig Sinn. Es sei so, als würde man „mit einem Salzstreuer durch den Wald“ gehen. Gegen dem sich rasant vermehrenden Borkenkäfer helfe nur Fällen und ein rascher Abtransport des Holzes.

Vorbei ging es weiter an drei Feldahornen, den einzigen in diesem Revier. Feldahorn wächst sehr schnell und kann vorzüglich als Heckenschutz eingesetzt werden. Auch wies Preckel darauf hin, was das Wort „astrein“ bei unseren Bäumen bedeutet: Wenn wenig Licht in den Wald fällt, befinden sich um unteren Teil des Baumes kaum Zweige. Folglich sind keine Astlöcher da und das Holz ist wertvoller.

Im Wald muss der Wanderer nur genau hinschauen, um viele kleine und wichtige Pflanzen zu entdecken. Foto: Lydia Flink

Bevor die kleine Wandergruppe den Schlangenberg betrat, befand sie sich plötzlich auf einer kleinen Lichtung. Hier wuchsen einige Heilkräuter, wie zum Beispiel das Johanneskraut. Im Mittelalter, so Preckel, war das Wissen über die Heilung mit Kräutern stark verbreitet. Allerdings war dieses Recht den Mönchen vorbehalten. Fähige Frauen wurden als Hexen verschrieen. Viele Kenntnisse sind damals nicht übermittelt worden. Und wie es nun duftete auf der weiteren Besichtigungstour. Vorbei am Lila Thymian, der Berberitze, dem Augentrost, der kleinen Glockenblume und Nelke und den vielen weiteren bunten Blümchen, welche sich hier auf dem Schlangenberg befinden. Erinnerungen werden wach. Wie gerne hatte man doch früher beim Spazierengehen wilde Blumensträußchen zusammengebunden und in die heimische Vase gesteckt, um sich daran zu erfreuen.

Nur das kleine gelbe Galmeiveilchen ließ sich an diesem Tag nicht blicken in seinem Lebensraum, dem Zinkboden. Vielleicht war es durch die Trockenheit bereits früher verblüht und bereitet sich vor auf den Beginn der Blütezeit im April des nächsten Jahres. Und damit dieses einzigartige Veilchen überleben kann, braucht es Schutz, und zwar vor Kiefern, welche dem Veilchen das Sonnenlicht rauben. Und auch vor Schlehen und hohem Gras.

Was Schlehdorn und Gras anbetrifft, so freut sich das Galmeiveilchen über die Schafe, welche regelmäßig den Schlangenberg abgrasen. Mit den Kiefern ist das schon schwieriger.

Vor acht Jahren ließ Förster Preckel rund 3000 Kiefern auf dem Schlangenberg fällen. Und so einige der Aboplus-Leser wussten zu berichten: „Da war was los“. Letztlich ging es damals nicht um die Vermarktung des Holzes, sondern nur darum, den Lebensraum des Galmeiveilchens zu erhalten. Damit dies so bleibt, werden Schulklassen eingeladen, gemeinsam mit dem Förster kleine Setzlinge der Kiefer auszurupfen, damit diese sich nicht zu Bäumen entwickeln.

Aufmerksame Zuhörer auf der Tour auf dem Schlagenberg. Foto: Lydia Flink

Interessiert hörten die Zeitungsleser auch, dass die Pflanzen den Weg weisen. Je nachdem, welche Pflanze sich auf welchem Boden wo auch immer ansiedelt, wusste der Fachmann, welche Bäume er dort pflanzen kann, damit sie wachsen und gedeihen. Nachdem man dies vernommen hatte, wurde es am Himmel langsam dunkler. Auch ein leichtes Rumoren war zu verhören. Besorgte Blicke richteten sich nach oben.

Ein Schildkrötenpanzer im Wald

Alle scharen sich um Förster Theo Preckel. Foto: Lydia Flink

Weiter ging die Exkursion. Links der Schlangenberg, rechts die Sal-Weiden. Sal-Weiden sind große Bäume. Mit breit ausladenden Ästen und großen Kronen. Dieser Baum verdrängt alles andere. Und ist so wichtig, weil er für die erste Bienennahrung im Jahr zuständig ist.

Vorbei ging es an einem Hügel, auf dem sich viel Gestein befand. Dies bedeutet: Es handelt sich um einen toxischen Boden. Dort wächst nicht viel. Das hatte aber eher nichts damit zu tun, dass eine Teilnehmerin einen Schildkrötenpanzer entdeckte – ohne Schildkröte. Warum auch immer. Jedenfalls begleitete der Panzer die Gruppe auf dem weiteren Weg.

Und dieser Weg wurde wegen des Wetters im beschleunigtem Tempo zu Ende gebracht. Das Gewitter hatte die Gruppe mittlerweile eingeholt. Regenmassen ergossen sich. Ansonsten wäre die Aboplus-Tour, geführt durch Förster Preckel, gerne auch noch ein Stündchen weitergegangen.

Mehr von Aachener Zeitung