Kitze vor Mähdrescher retten: Aachener Jäger praktizieren Tierschutz Seite an Seite mit Landwirten

Kitze vor Mähdrescher retten : Aachener Jäger praktizieren Tierschutz Seite an Seite mit Landwirten

Mitte Mai bis Mitte Juni setzen die weiblichen Rehe (Ricken) Ihre Jungen (Kitze). Der Nachwuchs wird oft in Wiesen mit hohem Grade abgelegt. Die Kitze verbleiben dort bis zu vier Wochen und werden unterdessen immer wieder von den Muttertieren zum säugen aufgesucht. Danach entfernt sich das Muttertier wieder, um das noch geruchlose Kitz vor Feinden wie zum Beispiel dem Fuchs zu schützen.

In diesem Zeitraum fallen oft erste Mäharbeiten seitens der Landwirte zur Gewinnung von Futter an. Die Rehkitze sind noch nicht fluchtfähig und drücken sich bei Gefahr lediglich an den Boden und verharren. So besteht bei Mäharbeiten eine hohe Gefahr, dass die Kitze bei der Größe und der Geschwindigkeit der modernen Maschinen, übersehen und somit tot gemäht werden.

Um dies zu verhindern, werden die Wiesen nach Bekanntgabe durch den Landwirt, am Vorabend vor der Mahd, oder aber unmittelbar vor der Mahd selber, von den Jägern und auch freiwilligen abgesucht. Gefundene Kitze werden dann mit Handschuhen oder in Gras eingepackt am Waldrand abgelegt. Die Mutter findet Ihre Jungen auf jeden Fall wieder - das hat die Natur so eingerichtet. Über die Tränendrüse wird Flüssigkeit abgesondert, die die Mutter auch in einiger Entfernung noch wahrnimmt und somit immer zu Ihrem Kitz zurück findet.

Im Revier Zweifall organisiert Jagdaufseher Bernd Roggenkamp immer nach Rücksprache mit den Landwirten das Absuchen in diesem Zeitraum. Somit ist es auch letzte Woche wieder geschehen, wobei hier auch die Anwohner eines anliegenden Pferdehofes mit der ganzen Familie mitgemacht haben.

Ein weiteres Beispiel dieser Tierschutzmaßnahme fand am vergangenen Samstag in einem anderen Revier im Aachener Raum statt. Auch dort wurde mit Hilfe der Familien der Jäger und den Hunden am Morgen unmittelbar vor der Mahd abgesucht. Hier mit erstaunlichem Erfolg. Acht Kitze wurden bei der Aktion gefunden und somit gerettet - so viele auf einmal hat man selten weiß Roggenkamp zu berichten.

Das Schöne bei der Aktion ist vor allem, dass die Kinder den Anblick von ganz jungen Rehwild erleben durften und mit zur Rettung dieser Tiere vor dem Mähtod bei getragen haben. Auch für die Kinder eine einschneidendes Erlebnis, an das sie sich noch lange erinnern werden.

Unterm Strich sei allen Beteiligten solcher Aktion herzlich gedankt. Roggenkamp betont hier nochmals wie gut die Zusammenarbeit der Jäger und Landwirte in der Region Aachen funktioniert. Man muss nur miteinander reden, das Ganze dann sorgfältig planen und hat somit einen tollen Beitrag in Sachen Tierschutz geleistet.

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