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Stolberg: 870.000 Euro zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Stolberg : 870.000 Euro zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Es weht ein Hauch von Anarchie durch die Stolberger Schulen. Betroffen davon sind weniger die pädagogischen Konzepte und Lehrpläne als der Umgang mit den neuen Medien.

Der Grund: Ein gemeinsames Entwicklungskonzept gibt es bislang nicht, die Schulen improvisieren so gut es geht, um ihren Schülern zumindest einen halbwegs zeitgerechten Umgang mit dem Computer und dem Internet vermitteln zu können.

Der Tenor der anwesenden Schulleiter im zuständigen städtischen Fachausschuss fiel jetzt dementsprechend eindeutig aus: „Wir sind völlig auf uns allein gestellt”, klagte Peter Kronenberg stellvertretend für viele seiner Kollegen. „Was wir unseren Kindern bieten können, beruht ganz alleine auf Eigeninitiative. Und auf etlichen unbezahlten Überstunden”, so der Leiter der Grundschule Grüntalstraße.

Sehr unbefriedigender Zustand

Um den auch von der Verwaltung als sehr unbefriedigend eingestuften Zustand zu ändern, soll nun die Regio IT ihre Arbeit aufnehmen und nach Aachener Vorbild ein Medienentwicklungskonzet für alle städtischen Schulen aufstellen. Einen Haken hat die Sache allerdings: Während für neue Medien in Schulen jährlich lediglich 80.000 Euro vorgesehen sind, veranschlagt die Regio IT für eine adäquate Ausstattung und deren Wartung in der Summe allein für das Jahr der Einführung gut 953.000 Euro.

Macht eine Differenz von rund 873.000 Euro. Die Folgekosten werden mit 363.000 Euro per anno angesetzt, die Lebensdauer der Hardware auf drei Jahre. Ausdrücklich weist die Regio IT in ihren Angebot darauf hin, dass keine Baukosten berücksichtigt werden, gleichwohl aber davon auszugehen sei, dass in allen Schulen zur Einrichtung und Vernetzung Baumaßnahmen und damit Investitionen anfallen werden.

Ungeklärte Finanzierung

Trotz der ungeklärten Finanzierung hat der Schulausschuss einstimmig beschlossen, das fast 100-prozentige Tochterunternehmen der Stadt Aachen mit der Entwicklung und Umsetzung eines Medienentwicklungskonzeptes zu beauftragen. Dabei teilen die Mitglieder ihren Optimismus offensichtlich mit der Regio IT.

„Sicherlich kann man mit 80.000 Euro auf Dauer nicht viel erreichen. Es ist aber ein Anfang gemacht, auf dem sich aufbauen lässt”, erklärte Willi Poschen auf Anfrage. Der Gesamtleiter Schulprojekte setzt bei der weiteren Finanzierung vor allem auf Sponsoring und eventuell die Gründung einer Stiftung. „Schließlich gibt es in Stolberg ja einige Firmen, die für eine solche Unterstützung in Frage kommen.”

Unverzichtbar ist, so war am Montag aus Verwaltungskreisen zu vernehmen, aber auch eine deutliche Aufstockung des städtischen Beitrages. Anderenfalls werde das Medienentwicklungskonzept an den 16 betroffenen Bildungseinrichtungen im Stadtgebiet nicht über seine bescheidenen Anfänge hinauskommen.