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Lesbos-Hilfe aus Stolberg: 5000 Euro mittels Schwarmfinanzierung sammeln

Lesbos-Hilfe aus Stolberg : 5000 Euro mittels Schwarmfinanzierung sammeln

Für das größte griechische Flüchtlingslager auf Lesbos soll es jetzt auch Hilfe aus Stolberg geben. Die Schwestern Hannah und Judith Pohlen sammeln mittels Schwarmfinanzierung Geld für das Camp Moria.

Ausgelegt war das Auffanglager Moria auf der griechischen Insel Lesbos für rund 3000 Flüchtlinge. Mittlerweile befinden sich dort 20.000 geflüchtete Menschen in Not. Griechenlands größtes Flüchtlingslager entspricht etwas mehr als einem Drittel der in Stolberg lebenden Menschen. Auch unsere Zeitung berichtete bereits von katastrophalen hygienischen Zuständen. Und die sind gerade in Zeiten von Corona besonders gefährlich. Der Verein Medical Volunteers International leistet Soforthilfe vor Ort – aus der rund 2000 Kilometer Luftlinie entfernten Atsch soll möglichst bald Unterstützung folgen. Das ist zumindest der Plan von Hannah (22) und Judith Pohlen (17).

Die Schwestern sagen, es werde im Camp Moria Geld „für die kleinsten Sachen“ benötigt. Seife, Desinfektionsmittel oder Masken sind Güter, die es dort nicht gibt oder nur in ganz geringer Menge. Hannah Pohlen studiert Geschichte und Politikwissenschaften. Seit anderthalb Jahren hat sie ihren Studienschwerpunkt auf Integration gelegt. „Es gibt in Deutschland und generell in Europa eine heiße Debatte rund um dieses Thema. Viele Menschen haben eine Meinung, die basiert aber nicht immer auf Fakten. Ich dachte mir, ein fundiertes Wissen zu haben, ist in dieser Situation sinnvoll“, erklärt sie ihre Wahl der Studienvertiefung.

Als sich die Lage auf Lesbos in den vergangenen Wochen zuspitzte fasste sie den Entschluss, helfen zu wollen, und weihte ihre Schwester Judith ein. „Ich dachte mir: Das ist eine große Sache.“ Sie ließ sich nicht zwei Mal bitten. „Spätestens als wir die ersten Flyer gedruckt hatten, war klar, dass wir das durchziehen. Jetzt oder nie“, berichtet Judith Pohlen.

„Wir selbst haben nicht viel Budget, aber ein gutes Netzwerk“, sagt Hannah Pohlen. Schnell war die Idee geboren, mittels Schwarmfinanzierung 5000 Euro zusammentragen zu wollen. „Im Vorfeld haben wir noch einmal viel recherchiert, damit alle Informationen Hand und Fuß haben. Gesammelt wird auf einer sogenannten Crowdfunding-Plattform, die unter dem Link www.betterplace.org/de erreichbar ist. Und nach rund drei Wochen sind bereits 3421 Euro (Stand: Dienstag) zusammengekommen. „Die Hälfte hatten wir nach etwa acht Tagen zusammen“, sagt Hannah Pohlen und zeigt sich begeistert über die Resonanz. „Eine recht gute Planung hat uns geholfen. Wir haben uns überlegt, wen wir wann kontaktieren möchten. Wir wollen das Ziel von 5000 Euro jetzt aber schnellstmöglich erreichen, in jedem Fall noch im Mai“, erklärt Hannah Pohlen.

Sie habe ihr Netzwerk „aktiviert“, viele Freunde und Bekannte angeschrieben und ihnen von ihrer Spendenaktion berichtet. Außerdem schreibt sie etwa alle zwei bis drei Tage etwas zum aktuellen Spendenstand, der auch direkt auf der Webseite einsehbar ist. Judith Pohlen kümmert sich darum, die Informationen in den Sozialen Medien, speziell auf Instagram zu verbreiten. „Wir versuchen, auf kreative Art und Weise die Zwischenstände bekanntzugeben und uns bei den Menschen zu bedanken“, sagt Hannah Pohlen.

Wer über die Informationen auf der Webseite hinaus weitere Fragen hat, kann sich per E-Mail unter ­hannah.pohlen@gmx.de an die 22-Jährige wenden.