Stolberg: 5. Kupfermeistertreffen: Drachen-Geburt unter kräftigen Schlägen

Stolberg: 5. Kupfermeistertreffen: Drachen-Geburt unter kräftigen Schlägen

Der Klang von Stahl auf Stahl ist schon von weitem hörbar, Rauchfahnen steigen ringsum das altehrwürdige Gemäuer gen Himmel empor, und Funken tanzen durch die warme Spätsommerluft. Kein Zweifel: Die Stolberger Burg wird belagert.

Anlass zur Sorge um das Wahrzeichen der Stadt besteht jedoch nicht, denn sie kommen in friedlicher Gesinnung, die mehr als 60 Schmiede, die ihr Lager an dem einstigen Domizil derer von Stalburg aufgeschlagen haben. Vor bestmöglicher Kulisse heißt es wieder „wenn der Hammer schwingt, und der Amboss klingt” bei dem fünften Stolberger Kupfermeistertreffen.

Auf dem Faches-Thumesnil-Platz lodern die Feuer, und gestandene Männer wie Nils Trabert bearbeiten traditionell, mit schierer Muskelkraft ein Stück Stahl, dem noch nicht anzusehen ist, welche Bestimmung dem Metallstab durch das Wirken des Schmieds bevorsteht.

Neben der Esse, in der Trabert den Stahl erhitzt, bekommen die Besucher des Treffens einen Einblick in eine andere, die moderne Variante dieses Handwerks: Hier wird Metall unter dem Lufthammer verschweißt, und die Schmiede bedienen sich Hilfsmittel wie der Flex. Mindestens eine Nummer zu zeitgemäß ist diese Herangehensweise für Falk Laxander und sein Schmiedeteam.

Laxander gewann vor vier Jahren die erste Internationale Deutsche Meisterschaft der Schmiede in der Kupferstadt und versetzt die Gäste des beeindruckenden Treibens auch bei dieser Zusammenkunft direkt ins Mittelalter. An seinem Stand wird nicht nur traditionell, sondern historisch geschmiedet; ein altertümlicher Blasebalg nährt das Feuer mit Sauerstoff, und einen Stromanschluss sucht man bei Laxander vergeblich. Auch die Bestätigung, dass die Schmiedekunst eine Domäne kräftiger Männer sei, findet man nicht, denn zahlreiche weibliche Schmiede schwingen nicht minder beherzt den Hammer an der Burg.

Kunstmeile als Bereicherung

Und wenn Kinder der Region sich unterhalten, von Abenteuern auf einer Hüpfburg oder im Zoo berichten, so könnte manches ein Staunen hervorrufen und sagen: „Ich war Schmieden in Stolberg.” Mit Handschuhen, Schürze und Schutzbrille ausgestattet, können die Kleinen unter fachkundiger Anleitung selbst dem glühenden Stahl neue Form geben, und das Kinderschmieden ist für viele junge Gäste schlichtweg „der Hammer”.

Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Kunstmeile im Rahmen des Schmiedetreffens. „Das ist eine echte Bereicherung für unsere Veranstaltung, da jetzt noch mehr Menschen angesprochen werden”, freut sich Mitorganisator Adi Radermacher, der darauf verweist, dass diese Neuerung sehr gut zum Gesamtkonzept passe.

Das kreative Schmieden bilde ohnehin eine Schnittstelle zwischen Handwerk und Kunst. Die 16 ausstellenden Künstler präsentieren zudem nicht nur fertige Werke: Ebenso wie den Schmieden kann man ihnen bei der Arbeit über die Schulter schauen, erlebt das Entstehen von Kunst im Rittersaal und der Burg-Galerie, in der die laufende Artibus-Ausstellung pausiert, nach dem Kupfermeistertreffen aber wie gewohnt weitergeht.

Den Kontakt zu den Künstlern hat der gestaltende Metallbauer Ron van Loorbeek geschmiedet, der von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und dem Vorsitzenden des Kulturausschusses und Landtagsabgeordneten Axel Wirtz sogleich eingeladen wird, mit der Kunstmeile beim Schmiedetreffen eine neue Stolberger Tradition zu begründen.

Auch der untere Burghof bietet Schmieden und Kunst „live”. Gegenüber von Feuer und Amboss malt Jos Conjour seine abstrakten Bilder, daneben führen nicht Schmiede, sondern drei Bildhauer den Hammer. Im Kräutergarten unterhalb genießt eine Malerin den besonders lauschigen Platz - ein Bild, das seinerseits einlädt, es auf Leinwand festzuhalten. Der Weg führt in das Museum an der Torburg, das aktuell eine Ausstellung zu den Stolberger Kupfermeisterfamilien zeigt, und weil es soviel rund um die Burg zu erleben gibt, am besten noch einmal zurück.

Zum Beispiel zu Nils Trabert. Aus dem einfachen Metallstab, an dem er vor zwei Stunden zu schmieden begann, ist inzwischen das namensgebende Herzstück eines Drachenbootes geworden. Noch während der formvollendete Drachenkopf auskühlt, macht Trabert sich daran, die erste „Rippe” des Bootes zu bearbeiten, denn schließlich soll das ganze Schmiedekunstwerk noch während des Kupfermeistertreffens in Stolberg unter den Augen der Besucher fertig werden.

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