Stolberg: 350 Ratten aus Haus gerettet

Stolberg: 350 Ratten aus Haus gerettet

Es war alles andere als ein schöner Anblick für die Mitarbeiter, der Geruch tat sein Übriges: 350 Ratten haben Mitarbeiter des Aachener Tierheims und der Veterinärbehörde der Städteregion am Donnerstag aus einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus auf dem Donnerberg befreit.

Die Tiere wurden von der Bewohnerin der Wohnung, einer älteren Dame, in 60 Käfigen gehalten.

„Das ist ein schwerer Fall von Animal Hoarding´”, sagt die Tierschutzbeauftragte Birgit Wintersteller-Kordic, die derzeit häufiger mit solchen Fällen konfrontiert wird, als ihr lieb sein kann. Erst im vergangenen Oktober hatten Ordnungskräfte und Tierpfleger fast 300 Meerschweinchen aus der völlig vermüllten Wohnung einer 41-jährigen Frau in Aachen geholt.

Auch in Stolberg handelt es sich um eine allein lebende Frau - kein Zufall, wie Wintersteller-Kordic sagt. „Das ist typisch, es geschieht sehr oft bei Frauen”, so die Tierschützerin. Studien aus den USA zeigen, dass es sich oft um alleinstehende, ältere Damen handelt. „Die leben mit den Tieren und irgendwann wächst ihnen alles über den Kopf.”

In dem Stolberger Fall wurde kein Unterschied gemacht zwischen Männchen und Weibchen in den Käfigen. Folge der Nicht-Trennung: Die Tiere haben sich ständig vermehrt. Auch unter den jetzt befreiten Ratten sind zahlreich tragende Weibchen, die Zahl wird sich also noch erhöhen. „Die Zahl der Tiere steigt, und dann tritt etwas Eigenartiges in den Köpfen der Menschen”, versucht sich Wintersteller-Kordic an einer Erklärung. „Sie unternehmen nichts, erkennen die Problematik nicht.” Wahrscheinlich kommt Scham über das eigene Versagen hinzu - auch die Wohnung der Stolbergerin war vermüllt.

Zwar seien die Ratten alle ziemlich verwahrlost und einige auch gesundheitlich geschwächt, dennoch - und da atmet Wintersteller-Kordic auf - sind sie in einem vergleichsweise guten Zustand. Das haben die Tierschützer in ähnlichen Fällen auch schon ganz anders erlebt: „Wir haben schon tote Katzen aus Blumenkübeln geholt”, klagt Wintersteller-Kordic.

Doch auch für die Tiere aus Stolberg , allesamt zahme Hausratten, ist die Rettung eine Erlösung, viel zu beengt lebten sie in der Wohnung. Artgerecht ist anders.

Untergebracht sind die putzigen und als intelligent geltenden Tiere zunächst im Aachener Tierheim. Für das Haus ein denkbar schlechter Zeitpunkt: Es sind Sommerferien, das Heim im Feldchen platzt ohnehin schon aus allen Nähten. Und nun die Ratten. „Wir sind auf so etwas nicht eingerichtet”, sagt Wintersteller-Kordic. „Das ist wirklich im Grenzbereich.”

Aufgestellt sind die Käfige in einem kleinen Raum sowie zwei Fluren davor - diesmal aber sind die Tiere nach Geschlechtern getrennt, damit sie sich nicht weiter vermehren. Allein diese Aufgabe bedeutete schon eine Heidenarbeit für die Pfleger.

Den Großteil der Tiere wird das Tierheim behalten müssen, allerdings ist bereits Unterstützung von anderen Tierheimen aus ganz NRW zugesagt. 50 bis 100 Ratten werden die Aachener auf diesem Wege abgeben können. Weitere Abnehmer werden noch gesucht. „Wir vermitteln auch an Privatleute”, sagt Wintersteller-Kordic, die eines klarstellt: „Bei uns wird kein Tier eingeschläfert, egal ob kleines Mäuschen oder großer Hund!” Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.