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Stolberg: 300 Helfer warten auf Stolbergs Wähler

Stolberg : 300 Helfer warten auf Stolbergs Wähler

Seit den ersten Direktwahlen zum europäischen Parlament vor 25 Jahren ist die Bedeutung dieses Parlaments immer weiter gewachsen. Am Sonntag ist es wieder soweit: Unter der Leitung von Hubert Meeßen wird auch in Stolberg und seinen Ortsteilen gewählt.

Viel Zeit und Energie wurden und werden hier wie andernorts in Organisation und Durchführung der Wahl gesteckt, hinter den Kulissen mühen sich hunderte Helfer, damit die Bürgerinnen und Bürger ihr Wahlrecht auch wahrnehmen können Mit Wahlleiter Hubert Meeßen sprach unsere Redakteurin Margret Vallot-Göz.

Sie sind in Stolberg Leiter des Hauptamtes. Bei wie vielen Wahlen haben Sie schon als Wahlleiter fungiert?

Meeßen: Ich mache das schon seit 1972, und ich war bei Wahlen weder jemals krank noch habe ich Urlaub genommen. Das dürften also in den insgesamt 32 Jahren schon über 20 Wahlen sein, für die ich verantwortlich zeichne. Dabei war übrigens auch eine vorgezogene Bundestagswahl.

Die Vorbereitung und Durchführung solcher Massenveranstaltungen wie Wahlen, das ist sicher viel Arbeit.

Meeßen: Am aufwendigsten sind immer die Kommunalwahlen. Die morgige Europawahl ist eher eine ruhige Angelegenheit, weil von Anfang bis Ende der Landrat in Aachen zuständig ist. Von der Einteilung in Wahlbezirke über die Aufforderung zur Einreichung von Wahlvorschlägen bis hin zum Druck der Stimmzettel ist alles Sache des Landrates. Bei Kommunalwahlen müssen wir das alles selbst übernehmen.

Es wird allgemein eine niedrige Wahlbeteiligung vorausgesagt. Welchen Eindruck haben Sie?

Meeßen: Wir verzeichnen in Stolberg zwar eine höhere Briefwahlbeteiligung als bei der letzten Europawahl im Juni 1999. Aber daraus schließe ich nicht, dass es insgesamt eine höhere Wahlbeteiligung geben wird. 1999 gingen nur 43,56 Prozent aller Stolberger Wahlberechtigten zur Wahl. Ich vermute, dass wir auch diesmal klar unter 50 Prozent bleiben.

Angesichts der Bedeutung der EU-Wahlen: Was halten Sie davon, wenn eine Wahlpflicht eingeführt würde?

Meeßen: Keine gute Idee. Es sollte sich aber jeder überlegen: Wer nicht wählt, stärkt unter Umständen Gruppierungen, die er nicht haben möchte. Das Wahlrecht ist ein hohes Gut, es gibt immer noch viele Länder, da wären die Menschen froh, wenn sie sich diejenigen, die sie regieren, selbst wählen dürften. Es sollte ein jeder mal darüber nachdenken, dass in einer Demokratie eingeräumte Rechte auch zu Verpflichtungen führen.

Was sollen all diejenigen tun, die am Wahltag ihre Wahlbenachrichtigung nicht mehr finden und trotzdem wählen wollen?

Meeßen: Kein Problem. Einfach mit dem Personalausweis ins Wahllokal gehen und wählen. Die Benachrichtigung ist eigentlich nur dazu da, den Bürger darüber zu informieren, dass er in einem Wählerverzeichnis eingetragen ist.Wer keine Benachrichtigung bekommen hat, kann davon ausgehen, dass er nicht im Wählerverzeichnis eingetragen ist. Derjenige müsste im Wahlamt Einspruch einlegen. Das kommt aber sehr, sehr selten vor. Oft wurde die Karte einfach falsch eingeworfen oder sonst falsch zugestellt.

Der Stimmzettel ist lang, 22 Parteien und Gruppierungen stellen sich zur Wahl. Was ist, wenn man sich in der Kabine beim Ankreuzen vertut?

Meeßen: Der Stimmzettel ist in der Tat fast einen Meter lang, es darf nur ein einziges Kreuzchen gemacht werden. Ein zweites Kreuzchen macht den Stimmzettel ungültig. Die Liste fängt mit der CDU an. Die CDU steht oben, weil die bei der letzten Wahl die meisten Stimmen hatte. Die Reihenfolge der Parteien richtet sich nach der Anzahl der Stimmen bei der letzten Wahl. Wenn jetzt jemand sich in der Kabine beim Ankreuzen vertan hat, dann ist das auch kein Beinbruch. Er kann sich einen neuen Stimmzettel geben lassen. Vorher muss aber der alte Stimmzettel vernichtet werden.

Noch mal zum Aufwand. Wie viel Personal bindet so eine Europawahl?

Meeßen: Seit Anfang des Jahres sind wir stundenweise mit fünf Mitarbeitern mit den organisatorischen Vorarbeiten beschäftigt. Es mussten die Schulen angeschrieben werden, die die Wahllokale zur Verfügung stellen und vieles mehr. Zusätzlich haben wir noch rund 300 ehrenamtliche Kräfte am morgigen Wahlsonntag im Einsatz. Jedes Wahllokal ist mit acht Mitarbeitern besetzt, die sich abwechseln und am Ende nach einem festgelegten System alle zusammen die Stimmen auszählen.

Hand aufs Herz. Ist es in Stolberg beim Auszählen schon mal zu Unregelmäßigkeiten gekommen?

Meeßen: Gott sei Dank ist noch nie etwas passiert, in keinem Bezirk musste eine Wahl wiederholt werden. Falls es zu Fehlern beim Auszählen kommt, lassen die Richter eine Wahl auch nur dann wiederholen, wenn sich durch die Vermeidung des Fehlers der Ausgang der Wahl verändert hätte.

Was erwartet die interessierten Bürgerinnen und Bürger am morgigen Wahlabend im Rathaus?

Meeßen: Ab 18 Uhr präsentieren wir die Stolberger Wahlergebnisse über EDV auf einer großen Leinwand. Ein TV-Gerät informiert über die landesweiten und die bundesweiten Trends. Zum ersten Mal gibt es bei der Wahlparty auch Getränke für alle, die die Ergebnisse der Europawahl im Rathausfoyer zur Kenntnis nehmen.