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Stolberg-Büsbach: 30 Jahre als St. Martin hoch zu Ross

Stolberg-Büsbach : 30 Jahre als St. Martin hoch zu Ross

Wenn Maria Flaam erzählt, spielt der örtliche Martinszug eine große Rolle. Verständlich: Immerhin bekleidete Ehemann Hans mehr als drei Jahrzehnte lang im Stadtteil Büsbach das Amt des St. Martin.

Es war Anfang der 50er Jahre, als Hans Flaam (1924 - 1982) zum ersten Mal den Mantel des heiligen Martin überzog. Die Martinsrolle - das Kostüm der 50er Jahre bestand aus einem Bischofsornat - war Hans Flaam auf dem Leib geschneidert.

Pferdefreunde wurden Martin-Paten

Mit Pferden war Hans Flaam seit seiner Kindheit vertraut. Flaam war auf dem an der Aachener Straße liegenden früheren landwirtschaftlichen Gut Kranensterz aufgewachsen. Dort dienten Pferde wie in vielen anderen bäuerlichen Betrieben - salopp gesagt - als Zugmaschinen. Die sportlichen Qualitäten hatte der junge Landwirt vor dem Zweiten Weltkrieg in Krefeld erworben. Dort genoss Hans Flaam eine reit- und fahrsportliche Ausbildung.

Untrennbar mit der Martinsrolle verbunden ist die Geschichte des Büsbacher Reitervereines. Hans Flaam gehörte 1949 zu den Gründern des Vereins. Und so war es nur folgerichtig, dass die Pferdefreunde für den reitenden St. Martin eine Patenschaft übernahmen.

Kleidung veränderte sich

Aus der Taufe gehoben wurde der Verein auf Gut Kranensterz. Einen würdigen Rahmen für die Gründungsversammlung gab die auf dem Gutshof beheimatete Gaststätte „Kranensterz” ab. Aber auch die Martinszüge profitierten von der alten Gaststätte. Sie diente Hans Flaam als Garderobe, wenn er in das Kostüm schlüpfte.

Zog Flaam anfangs im Bischofsornat durch Büsbachs Straßen, veränderte sich seine Kleidung in den 70er Jahren. Aus dem Bischof wurde ein römischer Offizier. Die Veränderung liegt in der Biografie des heiligen Martin begründet. Bevor Martin im vierten Jahrhundert zum Bischof von Tours gekürt wurde, war er als Soldat in der römischen Armee tätig.

Brezeln mit Marmelade

Für Hans Flaam hatte der Kostümwechsel weitreichende Konsequenzen. Aus dem Single wurde ein mit römischen Uniformen und Pferden ausgestattetes Quartett. Zur Gruppe gehörten nun die späteren Martins-Nachfolger Eckehard Kleinjohann und Horst Zimmermann. Blickt Maria Flaam zurück, fallen ihr Anekdoten ein. Etwa die Geschichte von der flüssigen „Wegzehrung” oder von dem Festessen nach dem Umzug. Mit den Worten „Hans, es ist kalt” verabreichten Freunde dem „Heiligen” auf seinem Ritt durch Büsbach regelmäßig einen wärmenden Schnaps.

Stärkung brachten aber auch die zahlreichen Brezeln, die im Anschluss an den Martinszug, mit Marmelade bestrichen, genossen wurden. Gesundheitliche Probleme zwangen Flaam 1981, ein Jahr vor seinem Tode, sich von der Martinsrolle zu verabschieden.