18. Sommeraktion zeigt Gressenichs Rathaus

18. Sommeraktion: Auflösung Fotorätsel : Gressenichs Rathaus trägt noch eine Plane über dem Dach

Gressenichs ehemaliges Rathaus liegt im Ortskern von Mausbach. Wo der erste Verwaltungssitz der unter französischer Herrschaft von 1794 und 1814 gegründeten Gemeinde Gressenich lag, ist nicht bekannt.

Seit dem 19. Jahrhundert war Mausbach Verwaltungssitz. Sicherlich deswegen, weil Mausbach die größte und zentrale Ortschaft der Gemeinde Gressenich war. Sein Anwachsen zu einer großen Ortschaft hatte Mausbach unter anderem der Zink- und Bleierzgrube Diepenlinchen zu verdanken, die von 1809 bis 1919 in Betrieb war.

Das Gressenicher Rathaus ist ein repräsentativer, zweigeschossiger Bruchsteinbau. Errichtet wurde das historische Gebäude vermutlich in den 1880er/1890er Jahren. Das genaue Erstellungsdatum ist nicht bekannt. Somit fällt die Erbauung des Gressenicher Rathauses – auch Bürgermeisterei genannt – in die von 1846 bis 1891 währende Amtszeit von Bürgermeister Friedrich von Werner. Stolbergs Bürgermeister Friedrich von Werner hatte in Personalunion auch die Gressenicher Gemeinde geleitet. Die Front wird durch einen asymmetrischen Mittelrisalit gestaltet. Abschluss des Risalits ist im Dachbereich ein aus Holz bestehendes ornamentales Gebälk unter dem Ortgang.

Über der Eingangstüre ist das aus dem Jülicher Löwen, dem Korneliushorn und dem Gezähe der Bergleute gebildete Wappen der Gemeinde Gressenich zu sehen. Das Mosaik mit dem schwarzen Löwen, der in seinen Pranken das rot-gelbe Kornelius-Horn trägt und dessen Brust mit dem Werkzeug der Bergleute ausgestattet ist, hat einst der Lehrer und Kunsterzieher Reinhard Geis (1936 bis 1997) erstellt. Seine Tochter, Renate Geis vom Entwicklungs- und Planungsamt der Stadt Stolberg, erinnert sich: "Mein Vater, der damals als Lehrer an der Gressenicher Volksschule tätig war, hat das Mosaik 1965 oder 1966 angefertigt. Zusammengestellt hat er die Mosaikarbeit im Dachzimmer unseres damaligen Zweifaller Wohnhauses an der Jägerhausstraße. Den Auftrag dazu hat vermutlich der damalige Gressenicher Bürgermeister Hubert Theissen (1960 bis 1972) erteilt. Sein Sohn war Schüler in der Klasse meines Vaters, der auch für den Werkunterricht zuständig war."

Später war Reinhard Geis, der auch eine sonderpädagogische Ausbildung besaß, als Lehrer und Kunsterzieher an der Propst-Grüber-Schule auf der Liester tätig. Einen Namen im Kunstbereich hatte sich Geis auch mit seinen Batikarbeiten gemacht, die er unter anderem auch in seinem späteren Wohnhaus an der Klatterstraße präsentierte. 1972 wurde die Gemeinde Gressenich aufgelöst und ihr Terrain Stolberg zugeschlagen. Zwischenzeitlich hatte das villenähnliche, aus dem 19. Jahrhundert stammende Gebäude im hinteren Bereich einen großen Anbau erhalten: Ein Anbau, in dem unter anderem auch der Ratssaal untergebracht war.

Das nun entbehrlich gewordene Rathaus wurde in der Folgezeit vom Deutschen Roten Kreuz und der Polizei genutzt. Im Februar vergangenen Jahres hat ein Dachstuhlbrand dem Baudenkmal – das alte Gebäude ist seit August 2007 in die Baudenkmalliste der Stadt Stolberg eingetragen – schweren Schaden zugefügt. Das beschädigte Dach ist seitdem provisorisch mit einer Plane abgedeckt.

(dö)
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