Stolberg-Büsbach: 10.000 Euro für Wasser in einem halben Jahr

Stolberg-Büsbach: 10.000 Euro für Wasser in einem halben Jahr

Seinen privaten Trinkwasseranschluss sollte man nie aus den Augen verlieren. Das erspart jedenfalls jede Menge Ärger und Überraschungen bei der Wasserrechnung. 10.000 Euro für ein halbes Jahr stellte das Kohlscheider Versorgungsunternehmen Enwor der Familie Flaam in Rechnung.

Dabei müssen die Büsbacher fast schon froh sein, dass es nicht mehr ist. Denn es ist eher einem Zufall zu verdanken, dass ein Schaden am Hausanschluss auf Gut Hassenberg ans Tageslicht kam.

Das geschah im kalten und schneereichen Dezember, als die Reitstallbesitzer mit Blick auf die frostigen Temperaturen die Wasserversorgung für die bis zu rund 60 eingestallten Pferde auf Wärmetränken umstellten. Der umsichtige Installateur prüfte bei dieser Gelegenheit den Wasserhausanschluss, der bei dem abseits gelegenen Reiterhof in einem Bodenschacht untergebracht ist. Allerdings erblickte der Handwerker nicht etwa Rohre und Wasseruhr, sondern schaute in einen See: Der Schacht stand unter Wasser.

Die am 13. Dezember benachrichtige Störmeldestelle der Enwor entsandte direkt einen Arbeitstrupp. Das Wasser im Schacht wurde abgepumpt, und die Enwor-Monteure erneuerten das geborstene Anschlussrohr. „Das war die erste kundenfreundliche Tat”, erklärte Enwor-Pressesprecher Wolfgang Fischer. Denn der Schaden lag hinter der Wasseruhr, somit auf Seiten der Kunden und hätte von diesen behoben werden müssen.

Das dicke Ende kam dann mit der Abrechnung vom 21.März. 5264 Kubikmeter zu je 2,26 Euro hatten die Flaams verbraucht - seit dem 13. Juni, als die alte Wasseruhr von der Enwor turnusmäßig gegen ein neues Exemplar mit dem Zählerstand Null ausgewechselt worden war. Das erschien selbst dem Unternehmen auffällig zu sein. Eine Woche später erfolgte eine zweite Ablesung des Zählerstandes von 5272 Kubikmetern. „Für diese Woche ein recht normaler Verbrauch”, so Fischer, für die Kunden, die normalerweise gut 600 Kubikmeter im Jahr abnehmen. Aber der außergewöhnlich hohe Verbrauch im zweiten Halbjahr des Vorjahres dokumentiere, dass ein Defekt vorgelegen habe.

3359 Euro für die Feuerwehr

Dieser Schaden hätten den Kunden auffallen müssen. „Der Hausanschluss, in diesem Fall der Schacht, unterliegt der Kontrolle des Eigentümers”, erklärt Fischer. Nur wer regelmäßig kontrolliere, könne Schäden rechtzeitig erkennen und somit hohe Rechnungen vermeiden.

Zwar erstattet eine Versicherung der Familie Flaam 1200 Euro für den Schaden, aber auf der Rechnung von rund 10.000 Euro für das im Erdreich versickerte Wasser soll die Reiterfamilie sitzen bleiben. Zwei Kulanzanträge hat Enwor bereits zurückgewiesen. „Für uns sind erhebliche Wasserbezugs- und Transportkosten entstanden, so dass uns in der Kulanzregelung auch eigene wirtschaftliche Grenzen gesetzt sind”, wirbt Enwor, die das Trinkwasser selbst beim Aufbereitungsunternehmen einkaufe, „um Verständnis”. Als zweite kundenfreundliche Regelung bietet Enwor an, den Betrag über die Dauer von zwei Jahren zinsfrei in Raten abzuzahlen. Allerdings gibt es auch den Tipp, bei der Stadt zwecks Reduzierung der Abwassergebühren vorstellig zu werden. Eine Bitte, die sich erübrigt, nachdem die Familie weit über 100.000 Euro in eine Druckstation zum öffentlichen Kanalnetz investieren musste.

Dass gleich zu Beginn des Jahres Enwor eine neue Trinkwasserleitung zwischen Gut Hassenberg und der Hostetstraße verlegte, habe allerdings nichts mit dem Schaden auf dem Reitergut zu tun, versichert Wolfgang Fischer. Die Ersatz der alten Leitung sei allein dem Umstand zu verdanken, dass die Stadt in diesen Tagen den Wirtschaftsweg im Rahmen des Konjunkturprogramms saniere.

Für Flaam und den Büsbacher Reiterverein war dies nicht die einzige hohe Rechnung, die in diesem Jahr im Briefkasten gelandet ist. Eine weitere schickte die Stadt Stolberg über 3359,50 Euro inklusive 3,45 Euro Postzustellungsgebühren. Für einen knapp vierstündigen Einsatz der Feuerwehr auf Gut Hassenberg, um das Dach der Reithalle abzustützen. Zuvor hatte der Reiterverein bereits von einem Dachdecker das Dach vom Schnee freischaufeln lassen - eine Serviceleistung, für die 1700 Euro in Rechnung gestellt wurde. Angesichts der eingestürzten Halle in Mausbach gingen die Büsbacher am 27. Dezember auf Nummer sicher. Die Feuerwehr entlieh bei einem Bauunternehmen Stützpfähle im Wert von 1154,75 Euro und entsandte 16 Feuerwehrleute mit zwei Löschfahrzeugen und einem Kommandowagen - ein Einsatz, der sich auf 2201,30 Euro summiert.

Alles aus eigener Kraft

„Angesichts derartiger Rechnungen ist es für uns und den Verein mehr als schwierig, das Vereinsleben aufrecht erhalten und die Sportanlage unterhalten zu können”, merkt Marianne Flaam an. Denn anders als andere Sportvereine in der Stadt Stolberg muss der Büsbacher Reiterverein die genutzten Einrichtungen aus eigener Kraft erstellen, unterhalten und finanzieren.

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