Städteregion: Rollstuhlfahrer sind oft außen vor

Städteregion: Rollstuhlfahrer sind oft außen vor

„Wir haben in Deutschland das Recht auf freie Arztwahl. Doch leider gilt das nicht für alle Menschen.“ Angela Goudis zeigte sich wenig angetan von den Ergebnissen einer Umfrage, die die Städteregion als ersten Schritt zur Erstellung eines Gesundheitsatlasses gestartet und deren Ergebnisse sie jetzt im Inklusionsbeirat vorgestellt hat.

Denn eines der markanten Resultate der Befragung, die zunächst online und später ob der bis dahin mangelhaften Resonanz per Brief vorgenommen wurde, ist, dass lediglich 52 Prozent der Arztpraxen, die eine Antwort geschickt haben, für Rollstuhlfahrer uneingeschränkt zugänglich sind. Der Wert ist zwar nicht repräsentativ, wohl aber aussagekräftig, gab es doch am Ende von immerhin 458 der 831 kontaktierten Ärzte eine Rückmeldung.

In Sachen Inklusion viel zu tun

Für Goudis, im Inklusionsbeirat Vertreterin des Integrationsfachdienstes für die Städteregion und den Kreis Heinsberg, belegt das Ergebnis, dass es in Sachen Inklusion noch viel zu tun gibt. Das gilt, darüber herrschte im Beirat Einigkeit, gleichfalls für die Apotheken, auch wenn 74 Prozent der an der Befragung Beteiligten angegeben haben, über genügend Platz und Bewegungsraum für Rollstuhlfahrer zu verfügen.

„Ich bin ein wenig erschrocken, wie schlecht die Marktwirtschaft hier funktioniert“, erklärte Wolfgang Wetzstein (Grüne). „Alle Apotheker müssten doch eigentlich ein großes Interesse daran haben, dass ihre Räume für alle Kunden erreichbar sind.“ Und gleiches sollte auch für Ärzte gelten.

Um zu erfahren, warum das aber sowohl in Apotheken wie auch in Arztpraxen längst noch nicht immer der Fall ist, schlug Birgit Lahaye-Reiß (CDU) vor, Vertreter des Apothekerverbandes und der Kassenärztlichen Vereinigung einzuladen. Dieser Vorschlag stieß auf breite Zustimmung.

Kontroverser hingegen wurde die Debatte, als die grundsätzliche Zielrichtung des Gesundheitsatlasses, mit dessen Erstellung der Städteregionstag die Verwaltung Ende 2013 beauftragt hatte, zur Sprache kam. „Es geht uns nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen“, betonte Inklusionsamtsleiterin Bettina Herlitzius.

Sehr wohl aber, so Jörg-Michael Sachse-Schüler als Vertreter der Selbsthilfevereinigung „Pro Retina“, müsse es darum gehen, „den Menschen einen Leitfaden zu bieten, der es ihnen ermöglicht, im Vorhinein einzuschätzen, ob eine Einrichtung mit dem Rollstuhl erreichbar ist“. Nicole Weide-Luffy (SPD) regte gar die Entwicklung einer App nach dem Vorbild anderer Städte an.

„Sie sollte nicht nur über Ärzte und Apotheken, sondern beispielsweise auch über öffentliche Gebäude und Freizeitmöglichkeiten informieren.“

Vergabe an Studenten

Angesichts solcher Erwartungen trat Herlitzius auf die Bremse. „Wir haben die Umfrage gestartet, um erste Daten für einen Gesundheitsatlas zu bekommen und ein Bewusstsein anzustoßen. Die nächste Stufe müsste sich nun auf die einzelnen Städte und Stadtteile beziehen.“ Von der Verwaltung sei dies nicht zu leisten — aus zeitlichen Gründen, „und weil wir auch eine fachliche Bewertung benötigen“.

Bettina Herlitzius will weiterführende Arbeiten deshalb an Studenten vergeben. Und das Thema dem städteregionalen Inklusionsbeirat in einer der nächsten Sitzungen mit aktuellem Sachstand wieder vorlegen.

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