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Menschenkette gegen weitere Abholzung im Hambacher Forst

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Friedlicher Protest gegen die weitere Rodung des Hambacher Forsts: Die Menschenkette und die Mitorganisatorin der Aktion „Rote Linie“, Antje Grothus, gestern zwischen der Abbruchkante des Tagebaus Hambach und dem Waldstück bei Merzenich-Morschenich. Foto: Marlon Gego

Merzenich/Buir. Dass 1000 Menschen an ihrer kleinen Aktion teilnehmen würden, hätte Antje Grothus eher nicht erwartet, sie ist ja keine kampferprobte Gewerkschafterin, sondern lediglich eine Frau, die nicht möchte, dass der Hambacher Forst niedergemäht wird.

Antje Grothus stand also am Sonntagnachmittag etwas abseits der langen Menschenkette, die eine Rote Linie zwischen der Abbruchkante des Tagebaus Hambach und dem Hambacher Forst bildete, und sagte: „Ist das nicht unfassbar?“

„Stark unter Druck“

Die Aktion „Rote Linie“ ist der größte Protest gegen die Rodung des Hambacher Forsts in der jüngeren Geschichte, und die von der Polizei bestätigte Zahl der Teilnehmer ist ein Zeichen dafür, dass der hartnäckige Protest gesellschaftliche Wirkung zeigt. Wenn es Antje Grothus von der kleinen Privatinitiative „Buirer für Buir“ und dem Aachener Waldführer Michael Zobel in nur zwei Wochen gelingt, 1000 Menschen an die Abbruchkante zu gelingen, was wäre erst möglich, wenn eine der großen oder größeren Parteien das Thema für sich entdeckte?

Möglicherweise ist es aber so, dass die die privaten Proteste gegen die Rodung der Reste des Hambacher Forsts bereits etwas erreicht haben. Noch Mitte September teilte RWE auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass der Tagebau Hambach die alte A4 bereits im Laufe des kommenden Jahres erreichen und bei Merzenich-Morschenich überschreiten werde. Ausgerechnet bei Morschenich, wo Umweltaktivisten seit Jahren im Wiesencamp leben und RWE Probleme machen, wo es nur geht. Am Sonntag nun erklärte RWE-Sprecher Guido Steffen, dass im Moment nicht feststehe, wann und wo die alte A4 überschritten wird. Wahrscheinlich sei, dass es „in den nächsten ein bis zwei Jahren“ so weit sein werde. Das klingt etwas anders als noch vor vier Wochen.

Die Zeit, so viel lässt sich mit einiger Gewissheit sagen, arbeitet für die vielen Braunkohlegegner. Die Gewinnmargen, die sich mit der Braukohleverstromung erwirtschaften lassen, sind in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesunken, das räumt auch RWE ein. Die Braunkohle sei durch verschiedene Faktoren „stark unter Druck geraten“, sagte Unternehmenssprecher Steffen. Für den Fall, dass es RWE irgendwann nicht mehr gelingen sollte, zumindest eine schwarze Null zu erreichen, besteht keine grundsätzliche Verpflichtung für RWE, den Braunkohleabbau fortzusetzen. Ein Thema, das noch vor dem vertraglich vereinbarten Ende des Rheinischen Reviers 20145 aktuell werden könnte.

Waldführer Zobel, stetiger Kämpfer gegen die Rodung des Hambacher Forsts und Mitinitiator der Aktion, sagte am Abend, der Protest sei „ein tolles Symbol“ und eine riesige Motivation, immer weiter zu protestieren und die Zerstörung des Hambacher Waldes möglichst vielen Menschen zu zeigen. Dass der Protest weitergeht, steht fest. Am Donnerstag startete Antje Grothus eine Petition im Internet für den Erhalt des Hambacher Waldes. Bis Sonntagabend, 18 Uhr, hatten sich 530 Menschen beteiligt. Schon am Montagmorgen wird die Zahl deutlich näher an 1000 heranrücken.

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