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Junge Frauen zu Sex gezwungen: Lange Haft für Brüder

Von: wos
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Im Prozess gegen zwei Brüder und eine 23-jährie Frau aus Stolberg sind am Freitag die Urteile gefallen. Symbolfoto: dpa

Aachen/Stolberg. Während es zwischenzeitlich im Prozess um Menschenhandel und Prostitution in einer Stolberger Wohnung möglich schien, dass die drei Angeklagten wegen ungenügender Beweislage ohne Strafe davon kommen könnten, fiel das Urteil des Landgerichts Aachen am Freitag schließlich ganz anders aus.

Die 8. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen verurteilte nach 15 Verhandlungstagen den Hauptangeklagten Miguel C. (26 Jahre) zu vier Jahren Haft wegen „Zuhälterei und Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung“. Sein Bruder Patrick C. wurde wegen Beihilfe zu denselben Delikten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Die dritte Mitangeklagte Frederike B., die vor Ort in dem Wohnungsbordell für „Ordnung“ gesorgt haben soll, wurde ebenso wegen Beihilfe zur Zuhälterei zu einer Strafe von acht Monaten verurteilt. Die Strafe für die 23-jährige Krankenschwester wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt.

Durch Drohungen, die mit der Zugehörigkeit der beiden Brüder zu der Rockergruppierung „Black Jackets“ untermauert wurde, hätten die Angeklagten junge Frauen im Alter von 19 und 24 Jahren für sich anschaffen lassen. Diese Opfer mussten für ihre Unterbringung in dem Mietshaus in der Straße „Auf der Mühle“ pro Tag 100 Euro an Miguel C. abgeben - egal, welchen Umsatz sie tatsächlich erzielten.

Immer wieder wurden den Frauen angebliche Schulden aufgedrückt, die sie dann durch vermehrten Einsatz abzuarbeiten hatten. In den Sommerferien – die jungen Frauen gingen noch zur Abendschule – wurde eine von ihnen sogar nach Rosenheim in Bayern „vermittelt“. Mit dem dort erreichten Verdienst sollte sie ihre in Stolberg angehäuften Schulden abzahlen.

Selbst nach der Kündigung der Wohnung hatten sie weiterhin angebliche Miete zu zahlen. „Das ist der Tatbestand der sexuellen Ausbeutung und Zuhälterei“, bewertete der Vorsitzende Richter Görgen die Rechtslage in der Urteilsbegründung.

Die 24-jährige hatte sich letztlich nur aus ihrer Abhängigkeit befreien können, wie sie schilderte, indem ihr neuer Freund eine sogenannte Ablöse für sie gezahlt habe.

Das Gericht folgte im Wesentlichen den Aussagen der ausgebeuteten Frauen, die sich im Prozessverlauf langen Befragungen und Anzweiflungen durch die Verteidiger ausgesetzt sahen. Die Angeklagten hatten behauptet, es habe sich um ein freiwilliges Geschäftsmodell gehandelt, in das die Frauen selbst eingewilligt hätten.

Für das Gericht aber lag sexuelle Ausbeutung vor, schließlich hätten die Frauen pro Woche kaum 100 Euro für sich selbst behalten dürfen. Oberstaatsanwältin Jutta Breuer hatte für den Hauptangeklagten sogar ein Strafmaß von fünf Jahren Haft beantragt.

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