Herbststurm „Sebastian” hält Feuerwehr und Polizei in Atem

Von: red/dpa/pol
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In Gangelt warf der Sturm diese rund 20 Meter hohe Eiche auf eine Doppelgarage.
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Auch in Simmerath mussten umgestürzte Bäume entfernt werden.
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In Aachen konnten einige Bäume dem starken Wind nicht standhalten.
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Auch in Wassenberg mussten Feuerwehr und Polizei ...
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... ausrücken, um umgeknickte Bäume von Straßen zu holen.

Aachen/Region. Der erste Herbststurm der Saison ist am Mittwoch über Deutschland gezogen, entwurzelte reihenweise Bäume und sorgte für viele weitere Schäden. In der Städteregion Aachen, dem Kreis Heinsberg und der niederländischen Provinz Limburg waren Feuerwehr, Polizei und andere Helfer im Dauereinsatz. Neben etlichen wichtigen Straßen waren auch die Autobahnen 4 und 44 bei Aachen betroffen.

In der Städteregion mussten Feuerwehr, Polizei und Stadtbetriebsmitarbeter Dutzende von Malen ausrücken, um umgestürzte Bäume zu beseitigen, große Mengen von Ästen von Straßen zu räumen und umgewehte Schilder und Bauzäne wieder aufzurichten. „Da hat schon einiges geflattert und geweht“, bilanzierte Polizeisprecherin Petra Wienen.

Laut Deutschem Wetterdienst ist in NRW den ganzen Tag über noch mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 Kilometern pro Stunde zu rechnen. Im Aachener Raum, Münsterland, Ostwestfalen und in den Gipfellagen von Rothaargebirge und Eifel seien sogar Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern möglich. Erst in der Nacht soll sich die Lage allmählich beruhigen.

Auf der Autobahn 44 sorgten große Äste zwischen Aachen-Brand und dem Autobahnkreuz für einen Feuerwehreinsatz. An der A4 war es die Abfahrt Aachen-Zentrum, an der sich die Autofahrer um Feuerwehrfahrzeuge herumschlängeln mussten. Die waren gerufen worden, weil an der Straße Strangenhäuschen ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt war.

Baum stürzt auf Zufahrt zum Uniklinikum

Auch auf dem Toledoring kam es gegen 11 Uhr an der Abzweigung in Richtung Uniklinikukm zu Behinderungen durch einen Baum. Es dauerte keine halbe Stunde, da war das Anfahrtshindernis für Rettungswagen und andere Verkehrsteilnehmer beseitigt. Am Berliner Ring fiel ein Baum auf Rad- und Gehweg.

Teile eines Daches lösten sich von einem Haus in Eilendorf, sie trafen ein geparktes Auto. In Simmerath kippte ein Baum an der Kesternicher Straße vor eine Kirche, in Eschweiler flog an der Indestraße diverses Inventar von einer Baustelle herum, auch auf der Rue de Wattrelos kam es durch mehrere umgestürzte Bäume zu Verkehrsbehinderungen. Bäume stürzten auch in Monschau-Imgenbroich, Alsdorf, Herzogenrath. Etliche Wahlplakate wurden weggeweht.

Der Sturm war auch im Kreis Heinsberg zu spüren: In Gangelt wurde eine rund 20 Meter hohe Eiche aus der Erde gerissen und fiel auf das Dach einer Garage. Dort blieb sie in waagerechter Lage liegen und blockierte die angrenzende Straße. in Wassenberg sowie zwischen Ophoven und Kempen stürzten Bäume auf die Straßen.

Auch im niederländischen Limburg mussten die Retter zu Dutzenden von Einsätzen ausrücken. In Geleen fiel eine 50 Meter hohe Linde aus dem Jahr 1865 um, die auf der Denkmalliste stand. Ein anderer Baum traf ein Auto. In Weert stürzte ein weiterer Baum auf ein Boot und verletzte einen Angler. In Maastricht wurde ein Auto von einem Baum zerstört.

Unfallserie mit zwei Toten

Im Münsterland soll auf der Autobahn 2 ein plötzlicher Wetterumschwung mit Starkregen und tiefstehender Sonne am Dienstagabend eine Unfallserieausgelöst haben. Mehrere Autofahrer hätten wegen des Regens heftig gebremst. „Dann kam plötzlich die Sonne wieder raus und die Fahrer konnten nichts sehen”, sagte ein Sprecher der Polizei Bielefeld am frühen Mittwochmorgen. Die traurige Bilanz: zwei Tote, 38 Verletzte und 42 beschädigte Fahrzeuge.

„Der erste Sturm in diesem Herbst ist vergleichsweise früh dran”, sagte ein DWD-Meteorologe in Offenbach. Die Experten warnten in Norddeutschland vor umstürzenden Bäumen und herumfliegenden Dachziegeln durch das Tief „Sebastian”. Nach Angaben des DWD sind neben Hamburg und Schleswig-Holstein besonders Niedersachsen und Bremen betroffen. Auch an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns wurden Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern nicht ausgeschlossen. Am stärksten wird der Wind den Prognosen zufolge gegen Mittag und Nachmittag. Am wenigsten stürmisch wird es laut Vorhersage im Süden des Landes.

Wegen erwarteter Orkanböen an der Nordseeküste in Niedersachsen fielen am Vormittag die ersten Fähren zu den ostfriesischen Inseln aus. Zwischen Wangerooge und Harlesiel fuhr am Morgen nur jeweils ein Schiff. „Alle anderen Fähren fallen aus”, teilte die Deutsche Bahn mit, die die Fährverbindung betreibt. Der DWD erwartet bis zu sieben Meter hohe Wellen in der Deutschen Bucht.

„Wir werden so lange fahren, wie es möglich ist”, sagte eine Sprecherin der Reederei Norden-Frisia, die die Fährverbindungen nach Norderney und Juist betreibt. Ab Mittag könne es aber zu Ausfällen kommen. Auch die Fährverbindung Hamburg-Helgoland über Cuxhaven fällt aus, wie der Betreiber bekanntgab. „Das Wetter ist zu extrem”, sagte eine Sprecherin.

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