Whatsapp Freisteller

Herausforderung Mega-Marsch

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
13107731.jpg
Auf geht‘s: 200 Wanderer traten am Samstag in Brühl den Mega-Marsch an. Foto: G. Klinkhammer

Mechernich/Simmerath. 100 Kilometer wandern, 24 Stunden kein Schlaf, durchschnittlich 4,4 Kilometer in der Stunde gehen – auch nachts. Wer sich auf einen Mega-Marsch einlässt, weiß, was er tut: Er stellt sich einer ganz besonderen Herausforderung.

An diesem Wochenende ist in Brühl der erste Marsch dieser Art in der Eifel gestartet. Der Simmerather Bert Hasse und sein Freund Thorsten Maier aus Aachen-Brand waren am späten Samstagnachmittag in Brühl zusammen mit 198 anderen aus ganz Deutschland und auch anderen Ländern aufgebrochen. Der Weg sollte sie am Römerkanal entlang durch die Nordeifel führen. In Nettersheim angekommen ist am Ende ein Viertel von ihnen.

Bert Hasse wandert einfach gern. Auf dem Eifelsteig läuft er auch schon mal zwei Etappen am Stück. Als sein Wanderfreund Thorsten Maier, der schon einmal an einem solchen Mammutmarsch in Berlin teilgenommen hat, davon erfuhr, dass es das nun in der Eifel geben soll, war schnell klar: „Da melden wir uns an!“ So wie sie wollten rund 600 Wanderer mitgehen. Die Veranstalter ließen 200 zu. Ausschlaggebend war die Reihenfolge der Anmeldung – nicht die sportliche Fitness.

Der nötige Wille

Der Sportpräventionsexperte Ingo Froböse von der Sporthochschule in Köln sagt: „Grundsätzlich kann jeder bei einer solchen Extremwanderung mitmachen, der den nötigen Willen aufbringt, um über diesen langen Zeitraum durchzuhalten“, sagt er. Doch er fügt auch gleich die zwingende zweite Bedingung hinzu. Jeder Teilnehmer müsse eine gewisse Grundfitness mitbringen, also regelmäßig Sport treiben.

„Insgesamt bleibt die Belastung für den Körper nur im ‚gesunden Bereich‘, wenn die körperlichen Voraussetzungen durch die vorherige Vorbereitung stimmen.“ Spätestens drei bis vier Monate vor der großen Wanderung sollten Rumpfmuskulatur, Fußgelenke und vor allem die Oberschenkelmuskulatur mit einer Kombination aus Wandern, Walking und Krafttraining gekräftigt werden, um bei abfallendem Gelände die Kniegelenke zu schonen.

Hasse und Maier sind zur Vorbereitung – wie immer – einfach jeden Sonntag eine große Runde und in der Woche nach getaner Arbeit eine kleine gewandert. Für den Mega-Marsch selbst packte Hasse einen Trinkbeutel in seinen Rucksack, aus dem er über einen Schlauch jederzeit Flüssigkeit aufnehmen konnte. Eine gute Entscheidung.

„Während der Tour sollte darauf geachtet werden, regelmäßig Wasser zu trinken, und zwar bevor der Durst kommt“, sagt Froböse. Vier Versorgungsstationen waren auf dem Weg eingerichtet, um die Wanderer mit Obst, Getränken und belegten Brötchen zu verpflegen.

Im Rucksack hatten sie zusätzlichen Proviant. Froböse betont, wie wichtig jede Stunde kleine kohlenhydratreiche Lebensmittel bei solch einem Marsch sind. Und eine ausreichende Jodsalzzufuhr, „da durch das Schwitzen eine Menge Jod verlorengeht“.

Der 34-jährige kaufmännische Angestellte Hasse empfand die ersten vier Stunden als „noch ganz angenehm“. Dann allerdings kam die Nacht und damit die Dunkelheit. An warmer Kleidung mangelte es nicht. Und eine Stirnlampe sorgte für etwas Licht, doch ihr Lichtkegel erreichte offenbar nicht alle Wanderschilder, an denen sie sich orientieren mussten. „Wir haben uns einmal gut verlaufen, vier Kilometer umsonst“, sagt Hasse.

Nach dem zweiten Pausenpunkt in Rheinbach wurde der Marsch für die Wanderfreunde zäh. Der Rücken schmerzte, die Füße taten weh, die Stille und die Dunkelheit drückten. Hasse: „In der Nacht war alles still, kein Autogeräusch war mehr zu hören, nur noch Ruhe. Und dann tat mir irgendwann alles weh.“

Klar war für ihn von vornherein, dass er auf seinen Körper hört. „Schmerzmittel zu nehmen, stand für mich nicht zur Debatte.“ Am dritten Pausenpunkt in Euskirchen beschlossen er und sein Freund dann auszusteigen. Die Uhr zeigte 3.40 Uhr: „50 Kilometer nonstop Wandern, das war genug für uns.“

Ehefrau Katja Hasse holte die beiden Wanderer noch in der Nacht in Euskirchen ab. Was den beiden bleibt, ist eine Urkunde und die Gewissheit, es versucht zu haben. Doch der Schmerz und die Vernunft siegten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert