Eine Genehmigung für die Schatzsuche

Von: Madeleine Gullert
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Immer auf der Suche nach dem großen Schatz: In Nordrhein-Westfalen sind schätzungsweise 2500 Sondengänger mit Metalldetektoren unterwegs. Meist finden sie „nur Schrott“, sagen Experten. Foto: dpa

Aachen. „Sachensuchen“ ist nicht nur Pipi Langstrumpfs Lieblingshobby, schätzungsweise 10.000 Menschen bundesweit suchen in ihrer Freizeit mit Metalldetektoren nach Münzen oder Schmuck. In Nordrhein-Westfalen sind es 2500.

Oft finden sie nur Müll – aber die Hoffnung vieler ist es, doch einmal einen Schatz zu finden. Für die eigene Vitrine oder zum Verkauf. Das Problem: Die Mehrzahl der Sondengänger ist illegal unterwegs, sagt der Landschaftsverband Rheinland. Die Deutsche Sondengänger-Union bestreitet das. Es geht um die Frage, ob Sondengänger eine spezielle Genehmigung für ihr Hobby benötigen.

„Wer erkundet mit mir Alsdorf?“, „Hat jemand Tipps für Würselen?“. Die sogenannten Sondengänger oder Sondler – schätzungsweise 90 Prozent Männer – tauschen sich meist in Schatzsucherforen im Internet oder bei Facebook aus, verabreden sich dort und erkunden gemeinsam die Gegend. Alles, was sie dafür benötigen, ist ein Metalldetektor. „Gute Geräte gibt es bereits ab 150 Euro“, sagt Jennifer Morscheiser, Archäologin beim Landschafsverband Rheinland.

Hobby wird stigmatisiert

Über ihre Freizeitbeschäftigung sprechen wollen wenige. Der Grund: Sondengänger genießen in der Öffentlichkeit nicht überall einen guten Ruf. „Ein häufiger Vorwurf ist, dass man sich an Allgemeingut bereichere“, sagt Axel York Thiel-von Kracht gegenüber unserer Zeitung. Er ist Vorsitzender der Deutschen Sondengänger-Union, die es sich zum Ziel gemacht hat, das Hobby zu entkriminalisieren. Für Morscheiser und den LVR steht fest, dass viele Menschen illegal sondeln. Dabei könnte es so einfach sein, wie Morscheiser erklärt. „Jeder, der will, kann eine Genehmigung beantragen“, sagt sie. Für 75 Euro vergibt die Denkmalbehörde diese Genehmigung zum Sondeln.

In unserer Region ist die Anlaufstelle der Landschaftsverband Rheinland in Nideggen-Wollersheim. In ganz NRW haben allerdings lediglich 420 Sondengänger eine behördliche Erlaubnis. Ein Sondengänger muss die Flächen, die er absuchen möchte, angeben. Der LVR prüft, ob sich an dieser Stelle nicht bereits bekannte Bodendenkmäler befinden oder andere Gründe gegen eine Suche sprechen.

Das Land kann Flächen als Bodendenkmäler ausweisen. Sie sind gesperrt. In Aachen gibt es beispielsweise 54 solcher Bodendenkmäler, darunter der Markt in der Innenstadt, wo sich römische Siedlungsreste befinden, aber auch Teile des Aachener Walds. Dort gibt es Reste aus der Bronzezeit. Diese Bodendenkmäler bieten Archäologen wichtige Erkenntnisse. Morscheiser gibt ein Beispiel: Wenn man in einem Pfostenloch eine römische Münze findet, hilft diese den Archäologen, den Ort zu datieren. „Wenn ein Sondengänger die Münze wegnimmt, fehlt der entscheidende Hinweis für eine Datierung.“

Beim Sondeln ist von der alten keltischen Goldmünze bis zum schnöden Euro alles dabei. „Meist finden die Menschen nur neuzeitlichen Schrott“, sagt Morscheiser. Thiel-von Kracht kann diese Einschätzung nur unterstützen. „99,9 Prozent der Funde stellten weder ein Bodendenkmal dar noch erfüllten sie das Kriterium der besonderen wissenschaftlichen Bedeutung“, sagt er. Deshalb sei auch keine Genehmigung für das Sondeln erforderlich.

Diese sei nur notwendig, wenn Menschen nach Bodendenkmälern graben, so die Auffassung der Sondengänger-Union. Der LVR widerspricht: Die Genehmigung ist für jede Tätigkeit erforderlich, auch wenn man nur billigend in Kauf nehme, dass man bei der Suche mit Metalldetektoren Bodendenkmäler treffe. Schließlich ist nicht der ganze Boden in NRW untersucht. Es ist deshalb möglich, weitere Bodendenkmäler zu finden.

Die Genehmigung dient demnach dem Schutz potenzieller Bodendenkmäler und auch dem eigenen Schutz, wie die Archäologin erklärt. „Wer ohne Genehmigung sondelt, weiß nicht, welche Gefahren es gibt“, sagt Morscheiser. Wie reagiert man beispielsweise, wenn man beim Graben statt einer Münze eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg findet? Darüber informiert der Verband.

LVR wünscht Zusammenarbeit

Uneinigkeit herrscht aber nicht nur über die Genehmigung, sondern auch darüber, was mit den Funden passiert. In NRW gilt seit zwei Jahren das „Schatzregal“. Funde gehören somit dem Land. Die Sondengänger-Union hingegen sagt, dass das Verkaufen von Schätzen völlig legal sei. Morscheiser wünscht eine Zusammenarbeit mit den Sondengängern. „Die sollen uns die Sachen hier zeigen. Sie bekommen die auch zurück“, sagt Morscheiser. Außer eben es handelt sich um ein Stück, das unter das „Schatzregal“ fällt. Aber das passiert äußerst selten.

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