Ein echtes Schul-Skelett findet seine letzte Ruhe

Von: cs
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Innen und außen liebevoll dekoriert: Die Box, in der das Skelett der unbekannten Frau nun beerdigt worden ist. Foto: P. Reiner

Stolberg. Generationen von Schülern am Stolberger Ritzefeld-Gymnasium kennen das Skelett des echten Menschen aus dem Biologie-Unterricht. Manche fürchteten sich, andere trieben Schabernack mit ihm. Niemand weiß mehr, wann und wie das Skelett der offensichtlich kleinen, zierlichen Frau einmal an die Schule gekommen war.

Und niemand weiß, wer sie war. Verboten ist ein echtes Skelett nicht. Doch die Schüler des evangelischen Religionskurses der 10. Klasse wollten, dass „die Unbekannte“ endlich nicht mehr im Klassenraum angestarrt wird, dass sie nicht mehr länger durch die Gänge getragen wird oder zu Unterrichtszwecken vorübergehend einzelne Gliedmaßen verliert.

Sie setzten sich dafür ein, dass sie beerdigt wird – mit Erfolg. Seit kurzem hat sie auf dem Friedhof Bergstraße durch Mitarbeiter des Bauhofs auf einem anonymen Gräberfeld in einer von den Schülern ausgekleideten und dekorierten Box ihre Ruhe gefunden. Die Schüler feierten einen Abschiedsgottesdienst für sie. Das berichtete der evangelische Kirchenkreis Aachen am Donnerstag.

„Als wir bei der Stadtverwaltung Stolberg anriefen und fragten, was man tun müsse, um ein Schulskelett auf einem Friedhof zu bestatten, haben die Mitarbeiter im Rathaus gedacht, wir wollten sie auf den Arm nehmen“, erzählt eine Schülerin. Doch den 14 Schülern war es ernst. „Wir hätten sie an die Universität geben können, aber dort hätte sie auch nicht ihren Frieden finden können“, sagt ein Schüler. Sie fanden sie heraus, dass eine andere Schule in Deutschland vor der gleichen Frage stand und zu dem Ergebnis kam, das Skelett zu verkaufen. Das kam für die Stolberger aber nicht in Frage.

„Die Unbekannte“ muss zu Lebzeiten einiges durchgemacht haben. „Wir vermuten, dass das Skelett das einer Asiatin ist, die im Vietnamkrieg starb“, sagt Birgit Heck-Wattjes, Religions- und Biologielehrerin. Damals sollen dort Leichen eingesammelt und zu Schulskeletten gemacht worden sein. Und „die Unbekannte“ wäre für eine Europäerin ungewöhnlich klein, Heck-Wattjes.

Die Schule hat übrigens längst ein neues Skelett aus Kunststoff.

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