Symbol der Solidarität Europas mit der Ukraine
Als „Symbol der Solidarität Europas mit der Ukraine“ hat Präsident Wolodymyr Selenskij die Verleihung des Internationalen Karlspreises bezeichnet. Das teilte sein Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, am Freitagnachmittag mit.

Auch wenn es noch viele offene Fragen rund um die Verleihung des Karlspreises an den ukrainischen Präsidenten und das ukrainische Volk gibt – so viel Einigkeit in Bezug auf einen Karlspreisträger gab es in den vergangenen Jahren nicht all zu oft. Die Reaktionen auf die Entscheidung des Karlspreisdirektoriums sind durchweg ausgesprochen positiv.
Das Votum des Direktoriums ist einstimmig gefallen. Das war in der vergangenen Woche. Auch die schriftliche Zusage Selenksijs lag zu diesem Zeitpunkt bereits vor. Dass der Karlspreis in Bezug auf seine Haltung vom April dieses Jahres einen Paradigmenwechsel vorgenommen hat, gestand Direktoriumssprecher Jürgen Linden am Freitag durchaus zu.
Im Frühjahr, als eine Initiative aus dem EU-Parlament Selenskij für einen außerordentlichen Karlspreis vorschlug, ging man in Aachen noch dezent auf Distanz. So sinnvoll und würdig eine Auszeichnung für den ukrainischen Präsidenten sei, so wolle man damit doch bis nach Beendigung des Krieges warten, hieß es im April dieses Jahres.
Doch die Hoffnung auf einen baldigen Frieden sei nicht mehr da, so Linden gegenüber unserer Zeitung. Daher wolle man mit dem Karlspreis jetzt „ein starkes Zeichen für die Ukraine im Kampf für die europäischen Werte setzen“. Der Preis solle als Symbol der uneingeschränkten Unterstützung der Ukraine verstanden werden.
Das ukrainische Volk sei „Opfer eines völkerrechtswidrigen und unsäglich brutalen russischen Angriffskrieges“, heißt es in der offiziellen Begründung für den Karlspreis 2023. Es verteidige „unter der Führung seines Präsidenten Wolodymyr Selenskij nicht nur die Souveränität seines Landes und das Leben seiner Bürger, sondern auch Europa und die europäischen Werte“.
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Wolodymyr Selenskij sei nicht nur der Präsident der Ukraine und Oberbefehlshaber der Armee, „er ist auch der Motivator, Kommunikator, der Motor und die Klammer zwischen der Ukraine und der großen Phalanx der Unterstützer“, so das Karlspreisdirektorium. Selenskij sei „Diplomat, Aufrüttler und, wenn es nach seiner Auffassung sein soll, auch wortstarker Kritiker“. Der ukrainische Präsident habe „Mut, Führungsfähigkeit, taktisches Einfühlungsvermögen“ und beweise „einen neuen, klaren und unmissverständlichen politischen Stil“.
Laut Karlspreisdirektorium ist Wolodymyr Selenskij „Halt und auch Vorbild für sein Volk“. Er stehe gegen „Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, für die Sicherstellung des alltäglich Notwendigen, für die existenziell notwendige Verteidigungsausrüstung und für die Zuversicht, das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil der europäischen Völkerfamilie ist“. Selenskij sei auch „Vorbild für alle Europäerinnen und Europäer, sich auf die europäischen Ideale und Werte zu besinnen“. Die Karlspreisgesellschaft fühle sich geehrt, „dass Präsident Selenskij persönlich und stellvertretend für sein Volk die Ehrung des Jahres 2023 annimmt“.
Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, der zur Pressekonferenz per Videokonferenz zugeschaltet war, erklärte „im Namen des Präsidenten, der Regierung und des freien Volkes“, welche „Riesen-Ehre“ es sei, mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet zu werden. Präsident Selenskij nehme den Preis mit Freuden an. „Der Karlspreis ist ein sehr wichtiges Zeichen der Unterstützung und ein besonderes Zeichen der Solidarität mit unserem Land und unserem Volk. Er ermutigt uns in unserem Kampf für die europäischen und demokratischen Werte, für die Freiheit und ein zukünftiges friedliches Leben“, ergänzte Makeiev.
Man müsse „leider feststellen, dass Frieden nicht vom Himmel fällt, sondern erkämpft werden muss“, sagte der ukrainische Botschafter und bedankte sich ausdrücklich bei allen Menschen in Deutschland und in vielen europäischen Ländern, die seine Mitbürgerinnen und Mitbürger in den vergangenen Monaten in Schutz genommen hätten. „Damit haben Sie die Freiheit sowie unsere gemeinsame, friedliche, europäische Zusammenarbeit geschützt“.
Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen erinnerte an den erst wenige Tagen alten Beschluss des Aachener Stadtrats, eine Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Chernihiv aufzubauen: „Wir wissen, dass wir mit der Preisverleihung nicht den Krieg beenden oder die direkten Folgen des Krieges mildern können. Doch das Gespräch mit Chernihiv hat deutlich gemacht, dass Solidarität, mentale Unterstützung und Ermutigung eine wichtige Botschaft für die Menschen in der Ukraine sind – zusätzlich zu den nötigen und versprochenen Hilfsmaßnahmen des deutschen Staates und der EU.“ Sie betonte: „Wir wollen dem ukrainischen Volk mit dem Karlspreis demonstrieren, dass es wahrgenommen wird, dass wir an seiner Seite stehen. Das tun wir hier in Aachen mit unseren Mitteln und mit vollem Herzen.“
Völlig offen ist, wie der Karlspreis 2023 aussehen kann. Traditionell wird er am Himmelfahrtstag verliehen. Das wäre im kommenden Jahr der 18. Mai. Das Datum, so hieß es gestern am Rande der Vorstellung der Preisträger, sei eher unrealistisch. Ebenso, dass der ukrainische Präsident den Preis in Kriegszeiten persönlich in Empfang nehmen könne.
Für die vielen offenen Fragen will sich das Karlspreisdirektorium im Austausch mit den Botschaftern Zeit nehmen. Anfang kommenden Jahres, so Linden, werde man sicherlich mehr wissen, was in welchem Rahmen möglich ist.






