Herzogenrath: Zwei prägende Projekte für Herzogenrath

Herzogenrath : Zwei prägende Projekte für Herzogenrath

„Apartmenthaus Villa Marbaise“ und „Wohnen an der Wurmpromenade“: Gleich zwei prägende Projekte, die eine deutliche Aufwertung für Herzogenraths Innenstadt bedeuten, möchte die Architektin Claudia Weber seit Jahren brachliegenden Orten verwirklichen.

Auf dem heutigen Schotterparkplatz gegenüber Kaufland an der Bahnhofstraße soll ein Apartmenthaus entstehen und auf dem ehemaligen Supermarkt-Areal zwischen Albert-Steiner-Straße und Ferdinand-Schmetz-Platz ein komplexes Mehrgenerationenhaus.

Schwerpunkte des Geilenkichener Architekturbüros liegen vor allem im Neubau von Wohn- und Geschäftshäusern sowie der Sanierung und Umbau von Wohnanlagen. Zahlreiche Projekte vor allem im Kreis Heinsberg gehören zum Portfolio, unter anderem aber auch der frei finanzierte Neubau einer Wohnanlage mit 21 Wohneinheiten samt Tagespflege und Büro in Würselen im Jahr 2014.

Tagespflege soll auch in dem Objekt am Ferdinand-Schmetz ihren Platz finden, wie die Architektin am Donnerstag dem Umwelt- und Planungsausschuss erläuterte. Und zwar kombiniert mit einer Pflegestation entlang der Promenade im Erdgeschoss. Gegenüber der Erschließung über die Brücke zum Ferdinand-Schmetz-Platz ist ein Café vorgesehen. Die beiden Obergeschosse sollen Raum bieten für 22 Wohneinheiten von 68 bis 73 Quadratmetern Größe, dazu sechs Familienwohnungen zu 120 Quadratmetern, zwei „Rollstuhlwohnungen“ sowie Lofts zu 90 bis 120 Quadratmetern mit Dachterrasse. Loggias sollen gleichermaßen Schutz und die Möglichkeit bieten, am Leben auf der Promenade teilzuhaben.

Eine Laubengangerschließung zur Albert-Steiner-Straße hin soll durch eine Holzverkleidung aufgelockert werden. Der begrünte Innenhof wird durch einen Wintergarten begrenzt, der den Nutzern der Tagespflege zur Verfügung steht. Hinsichtlich der benötigten Stellplätze schwebt den Planern eine Teillösung im in der Regel nur halb genutzten Parkhaus an der Albert-Steiner-Straße vor, gegebenenfalls in einem abgetrennten Bereich, wie die Architektin darlegte. Der ganze Komplex, so Claudia Weber, werde unwesentlich höher ausfallen als das gegenüberliegende Sparkassen-Gebäude, „und das obere Staffelgeschoss nimmt den Höheneindruck auch noch zurück“. Die Gespräche mit dem Investor seinen schon weit gediehen, der zudem das Nachbargrundstück kaufen wolle, gab die Architektin die Aussicht frei auf eine baldige Umsetzung des Projekts.

In Holzbauweise

59 Apartments von 33 bis 50 Quadratmeter Größe sollen in dem Baukomplex auf dem sogenannten Marbaise-Parkplatz an der Bahnhofstraße entstehen, ressourcenschonend in Holzbauweise und so, wie sie nach einer grundlegenden Bedarfsermittlung für Ingenieure etwa benötigt würden, wie Claudia Weber erläutert. Auch für Studenten, Pendler und Rentner dürften die Wohnungen in dem insgesamt viergeschossigen Haus plus Staffelgeschoss interessant sein, das barrierefrei ausgebaut und mit drei Treppenhäusern und einem Aufzug ausgestattet wird. Der Grünstreifen und die Bäume ringsum sollen erhalten bleiben.

Die Wohnungen werden mit Wohn-, Koch- und Arbeits- sowie abtrennbarem Schlafbereich ausgestattet. So dass Ingenieure des bei St. Gobain geplanten Forschungs- und Kompetenzzentrum „nur mit einem kleinen Koffer“ anreisen bräuchten, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda ergänzend erläutert. In Herzogenrath bestehe eine große Nachfrage nach Wohnungen dieser Größenordnung im Stil eines Boarding-Hauses. Der avisierte Standort sei sehr günstig, mit Bahnhof und ÖPNV-Rendezvous-Punkt vor der Tür, dazu Geschäften und St. Gobain in der Nähe.

So sah das auch Dr. Manfred Fleckenstein (SPD), der sich freute, mit attraktiven und guten Projekten „zwei dicke Baustellen in der Stadt zu schließen“: „Wir können uns glücklich schätzen, wenn das umgesetzt wird.“ Nur mit Blick auf die Stellplatzlösung im Albert-Steiner-Parkhaus hegte er Zweifel, das „wohl hässlichste im ganzen Bundesgebiet“. Nach Lösungen zu suchen, um das Parkhaus im überschaubaren Rahmen aufzuwerten, versprach die Architektin. Ob ein Aufzug in dem barrierefrei konzipierten Apartmenthaus wirklich ausreiche, wollte Henrica Kohnen, als Vertreterin für das Behindertenforums im Umwelt- und Planungsausschuss, noch wissen. Was ist, wenn der ausfällt. Auch hier über weitere Möglichkeiten nachzudenken, sagte Weber zu. Aufzüge seien heutzutage aufgrund von Wartungsverträgen in der regel 365 Tage rund um die Uhr nutzbar, so zudem der Hinweis von Ragnar Migenda.

Noch vor der Sommerpause, so die Architektin, soll der Bauantrag eingereicht werden.

Stefan Becker (CDU/“Gratulation für die Holzbauweise“) freut sich unter anderem auch, dass mit dem Mehrgenerationenhaus an der Wurmpromenade der Ferdinand-Schmetz-Platz endlich auch einen Marktplatz-Charakter bekomme. Werden beide Projekte umgesetzt, wären gleich zwei Punkte aus dem so genannten Integrierten Handlungskonzept für die Innenstadt abgehakt.

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