Zwei Bürgeranregungen im Sinne der Erinnerung an Zeche Langenberg

Erinnerung an die Zeche Langenberg : Café mit Außenterrasse oder einer Bühne

In Erinnerung an die Zeche: Gleich zwei Bürgeranregungen schlagen eine Neunutzung der Restbauten am Langenberg vor. Kurz bevor der Abrissbagger kommen soll...

Es fällt erst auf den zweiten Blick auf, aber jemand muss sich mit diesem Graffito mal richtig Mühe gegeben haben: „Be different“ steht da in schwarzen Lettern auf der grau abgesetzten Seitenfront des früheren Kaiser’s am Langenberg. Darunter eine homogene Reihe stilisierter Rabenvögel. Alle schwarz, nur einer in Lila: „different“ – „anders“ eben.

Für Dr. Christa Murken fast schon ein Fingerzeig aus dem Off. Kurz bevor der Bagger anrücken soll, um das verwaiste Gebäude-Ensemble im Zuge des anstehenden Baus der Markttangente abzuräumen, fordert sie nochmal auf, „anders“ zu sein. Will heißen: Nicht einfach abreißen und Neues draufsetzen – bekanntlich gibt es die umstrittenen Supermarkt-Pläne –, sondern vielmehr zu prüfen, ob sich aus dem Vorhandenen nicht noch etwas anderes mit Mehrwert machen ließe. „Es handelt sich hier immerhin um die letzten Aufbauten einer Bergbauvergangenheit, die letztlich auf 1622 zurückgeht“, verweist die promovierte Kunsthistorikerin im Gespräch mit unserer Zeitung auf ihre Recherchen.

Sie weist darauf hin, dass das ehemalige Schachthaus im Kataster der Stadt (21.11.2011) als „Denkmal in Vorbereitung“ eingetragen und im Umweltbericht zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden in Sachen Bebauungsplan II/66 (Stand 4.4.2017), seitens des Rheinischen Landesamts für Denkmalpflege als „denkmalwert“ aufgeführt worden sei. Anmerkung: In der aktuellen Auflage des nunmehr verabschiedeten B-Plans Teil A findet sich im Umweltbericht diese Einschätzung allerdings nicht mehr.

Fotos aus Schaukästen gestohlen

Eine Außenterrasse oder vielleicht eine Bühne wären im rückwärtigen Bereich denkbar, wo einst das Schachthaus der Grube Langenberg war. Foto: Beatrix Oprée

Welches Ausmaß die Aufbauten am Langenberg einmal hatten, ist heute kaum noch zu erahnen. Christa Murken hat eine lesenswerte Dokumentation zusammengestellt, mit Hilfe von Fotos, die unter anderem der Kohlscheider Heimatverein zur Verfügung stellte, dessen heimatkundlicher Arbeitskreis die Dinge sorgfältig dokumentiert hat.

Unter anderem wie es einmal im Inneren aussah, ist da zu sehen, als der „Kaiser’s“ noch das 1924 errichtete Bergarbeiterheim des EBV war: ein typischer Wohnraum mit zwei Betten, Tisch, Stuhl, Spind, dazu der Speisesaal mit weißen Tischdecken und Tischtennisplatte in der Mitte. Überdies die mächtigen Aufbauten aus Backstein, die sich einst den Hang hinunter in Richtung Wurmtal erstreckten und die nach der Aufgabe der Grube Langenberg im Jahr 1913 zu Wohnungen umgebaut wurden, in denen Betriebsangehörige über Jahrzehnte lebten.

 Fotos wie diese waren bis vor nicht allzu langer Zeit auch in den beiden Schaukästen des Heimatvereins an der Mauer zu bewundern, wo einst das Schachthaus stand. Die Scheiben sind jetzt zerschlagen, jemand hat die Bilder entfernt. „Gestohlen“, wie Heimatvereins-Vorsitzender Toni Ameis sehr verärgert feststellt.

Denn auch dem Heimatverein ist es ein Anliegen, dass die Vergangenheit des Langenbergs nicht aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwindet. So liegen der Stadt Herzogenrath nunmehr – quasi kurz vor Toresschluss – zwei Bürgeranregungen gemäß §24 Gemeindeordnung zur Beratung in einem der kommenden Fachausschüsse vor. Zum einen vom Heimatverein Kohlscheid im Schulterschluss mit dem neu gegründeten Verein „Kohlscheider Bürger“ und zum anderen von Christa und Hinrich Murken.

Im weißen Anbau wäre ein Café denkbar, so die Bürgeranregungen. Zuletzt hat das längst leergezogene Gebäude als Wohnhaus gedient. Foto: Beatrix Oprée

Der gemeinschaftliche Antrag der beiden Vereine beinhaltet folgende Anregungen: 1) am Langenberg eine Erinnerungsstätte an die ehemals dort beheimatete Zeche zu schaffen, die mindestens aus der Mauer mit dem Tor zum ehemaligen Zecheneingang bestehen soll. Vorstellbar wäre etwa ein Café mit Wintergarten, Außenterrasse oder Ähnlichem auf der Abdeckung des alten Schachteingangs an der Rückseite.

Das Tor der Vorderseite könnte als Zugang zur Terrasse genutzt werden. Die vorhandenen oder neu geschaffenen seitlichen Begrenzungen der Terrasse könnten mit großformatigen Schwarz-Weiß-Drucken und Erläuterungen zur Grube Langenberg bestückt werden; 2) mit dem Toreingang zur ehemaligen Zeche Langenberg entweder beim Abriss des alten Kaiser’s entsprechend vorsichtig zu verfahren und Maßnahmen zu ergreifen, die den Einsturz verhindern, oder diesen im Vorfeld genau zu dokumentieren, damit er später originalgetreu wieder aufgebaut werden kann, und 3) bei der Planung und Ausschreibung der neuen Bebauung am Langenberg die Integration der oben genannten Erinnerungselemente seitens der Stadt Herzogenrath den beteiligten Planungsbüros, Architekten und Bauträgern entsprechend vorzugeben.

„Die Zeche Langenberg mit ihren hoch aufragenden Gebäuden mitten im Kohlscheider Ortskern prägte bis zu ihrer Schließung und schließlich Abriss im Jahr 1913 entscheidend das Kohlscheider Ortsbild“, erinnern die Vereinsvorsitzenden Ameis und Birgit Meyer unter anderem auch an die Grubenglocke mit Hammer und Schlägel, die einst über dem Eingangstor angebracht war und „die jedes Mal geläutet wurde, wenn Bergarbeiter eingefahren sind“.

Mögliche Fördermittel im Blick

Der Antrag der Eheleute Murken ist weitergehend: nämlich den Gebäudekomplex 1) im jetzigen Zustand zu bewahren und dort einen historischen Schauraum nebst Café einzurichten; 2) mit Fördermitteln (Stiftung NRW oder Deutsche Stiftung für Denkmalschutz) zu restaurieren, so wie es vorbildlich mit dem Grube-Adolf-Park in Merkstein geschehen sei, und 3) den hinteren Teil des Schachtgebäudes als Außenterrasse und zusätzlich als attraktive Open-Air-Bühne zu nutzen. Möglicherweise biete der stabile Betonsockel des Schachtkopfes dazu bereits die statische Basis. „Die angrenzende Grünfläche könnte nicht nur der Erholung dienen, sondern auch als ein optimales Zuschauer-Areal genutzt werden.“

„Noch ist die Erinnerung an den Bergbau bei vielen Kohlscheidern sehr präsent – viele haben Eltern oder Großeltern, die noch selber eingefahren sind und davon berichten können“ geben die Mitglieder von Heimat- und Bürgerverein zu bedenken. „Dies wird schon in einigen Jahren anders aussehen.“

Auch Christa und Hinrich Murken erinnern an die Familien, die dem Bergbau verbunden waren: „Ihre Väter oder Großväter haben hier Schwerstarbeit geleistet und der Region zu wirtschaftlichem Aufschwung verholfen. Viele sind dabei umgekommen, chronisch krank oder schwer verletzt worden.“

Und: „Die kulturelle und soziale Nutzung des Schachthauses würde sicherlich sowohl von der älteren wie auch von der jüngeren Bevölkerung Kohlscheids sehr positiv aufgenommen. Was hat Kohlscheid sonst an Kultur oder an kulturellem Erbe aufzubieten?“ Der Abriss dieses Gebäudekomplexes „wäre eine nicht wieder gut zu machende Zerstörung und ein fataler Verrat am Erbe dieser Stadt“.

Der abschließende Appell der beiden Vereine an Politik und Verwaltung ist im Sinne beider Bürger­anregungen: „Noch haben wir die Möglichkeit, wenigstens ein kleines Stückchen der Grube am Langenberg zu erhalten. Nach Abriss des ehemaligen Kaiser’s und Neubebauung des gesamten Areals ist die Erinnerung an die dortige Bergbauvergangenheit sonst aus dem Stadtbild verschwunden.“

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