Herzogenrath: Zu Besuch in der Schule: NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke

Herzogenrath: Zu Besuch in der Schule: NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke

NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke hat sicherlich schon stressigere Morgentermine erlebt, als diese Stunden an der Gesamtschule Kohlscheid. Dort ließ sie sich nämlich von den Schülern der Klassen 5 bis 7 „ausquetschen“ und mit Fragen löchern — aber sie genoss das sichtlich.

In die Wege geleitete hatte den Besuch die Landtagsabgeordnete für den Nordkreis, Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD), die ihre Parteigenossin Gödecke nicht lange überreden brauchte, um nach Kohlscheid zu kommen. Denn exakt solche Besuche sollen den Landtag für Kinder und Jugendliche transparent machen und das Interesse in frühen Jahren an die Politik wecken, wie Landtagsmitarbeiterin Doro Dietsch erklärte. Sie war es auch, die zur Einstimmung über den Landtag, einen Arbeitstag der Präsidentin und darüber, „wie denn politische Arbeit überhaupt so funktioniert“ einen altersgerechten Überblick verschaffte.

Noch sitzen Luca und Franziska (Bild oben, r.) beim Vortrag von Doro Dietsch im Publikum. Auf der Bühne (Foto unten) nehmen sie Landtagspräsidentin Carina Gödecke „ins Kreuzverhör“. Foto: Holger Bubel

Doch die Schüler hatten sich gut vorbereitet auf diesen Vormittag, hatten sich über die Funktionsweise eines Parlaments informiert und die Ergebnisse dieser Arbeit auf Schautafeln ausgestellt. Bevor es dann „ans Eingemachte ging“ und die Präsidentin nach vorne auf die Bühne zum Interview mit den Schülern Luca und Franziska geholt wurde. Ob sie denn ein Haustier habe, wurde sie gefragt: „Nein, ich hätte gerne eine Katze, aber mein Mann findet Katzen doof“, antwortete sie und ergänzte, dass sie als Kinder eine Familien-Schildkröte gehabt hätten, die aber weg musste, als ihr Bruder versuchte ein Loch in den Panzer zu bohren, um mit dem Tier an der Leine Gassi zu gehen.

Noch viel Privates erfuhren die Schüler von der 55-Jährigen: dass sie selbst keine Kinder habe, aber dafür fünf Enkelkinder (von Seiten ihres Mannes), dass sie Bananen und Weintrauben und den Film „Dirty Dancing“ liebe, der Mann im Haus die Wäsche wasche und sie am liebsten Sonntagsmorgens bügle, sie auf Situationskomik stehe und gerne einmal Papst Franziskus treffen würde — obgleich sie selbst Protestantin sei. Natürlich, so plauderte die Präsidentin im Interview mit den beiden Schülern weiter, habe sie so manchen Prominenten getroffen. Darunter — zu dieser Zeit war sie allerdings noch nicht in diesem hohen Amt — auch die englische Queen Elisabeth II. mit ihrem Gatten Philip. Gleich hinter den beiden habe sie gesessen: „Philip hatte den Nacken nicht ausrasiert. Das sah so schäbig aus. Ich habe mich gefragt, wie die Queen ihren Mann so rumlaufen lassen kann.“

Politikerin wurde Carina Gödecke dann aber einen Moment lang doch, als die Schüler im Auftrag der Lehrer fragten, wie das denn eigentlich mit der Inklusion in NRW funktionieren solle. Sie wisse, dass die Schulen für die Inklusion noch nicht ausgelegt seien, dass weder Kommunen noch das Land reich genug seien, die Inklusion umzusetzen und das in kurzen Zeitabständen überprüft werden müsse, ob das zur Verfügung gestellte Geld ausreiche . . . Mit „Ich habe kein Wort verstanden“ wurde die Antwort von Interviewer Luca quittiert und das Thema beendet.

Eine weitere Frage ließ Carina Gödecke noch offen. Nämlich die, nach dem spannendsten Buch, das sie gelesen habe. „Da denke ich noch einmal nach und komme gerne wieder, um die Frage zu beantworten. Es hat mir nämlich super bei euch gefallen“, versprach sie eine Wiederholung des Besuchs.

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