Baesweiler: Zu Besuch im Schaltwerk für die Gesundheit

Baesweiler: Zu Besuch im Schaltwerk für die Gesundheit

Hinter den hohen Mauern lagern vor allem winzige Dinge. Aber davon viele, viele tausend. Im Distributionscenter von Cook Medical zu Füßen der Bergehalde Carl-Alexander finden sich Stents und Ballon-Katheter für den Einsatz in der Gefäßchirurgie, Nährlösungen, um Eizellen während einer künstlichen Befruchtung zu versorgen oder künstliches Gewebe für die Wundbehandlung.

Eine Welt hoch spezialisierter Medizinprodukte, in die Leser unserer Zeitung bei einer „Sommertour“ Einblick nehmen durften. Es war ein exklusiver Rundgang. Aus gutem Grund.

Einblicke in die Lagerung: Bei der Lesertour führte Distributionsleiter Michael Bovig unseren Abonnenten durch die Korridore der hohen Lagerhalle.

Zwar drängt sich beim Anblick des Gebäudes mit der markant geschwungenen, verglasten Eingangsfront sicher nicht der Begriff Festung auf. Doch hinein darf außer den Mitarbeitern nur selten jemand. Weil die Produkte von Baesweiler aus möglichst rasch auch an Bord von Fliegern gelangen müssen, hat das Luftfahrtbundesamt das Unternehmen so klassifiziert, dass dessen Sendungen ins Flugzeug dürfen, ohne zuvor durchleuchtet werden zu müssen. Was bedeutet: Sicherheitslücken darf es unterwegs nicht geben.

Auf dem Gelände finden sich viele Kameras, alles muss transparent und sichtbar bleiben. Auch die Besuchergruppe, die mit leuchtend gelben Westen unterwegs war. Bevor es für die 15 Teilnehmer in die Lager- und Versandhalle ging, skizzierte Betriebsleiter Uwe Henze im Besprechungsraum die Entwicklung in Baesweiler. Die Bagger begannen 2010 ihre Arbeit, nachdem die Stadt sich gegen rund 40 weitere mögliche Standorte durchgesetzt hatte. Ausschlaggebend sei nicht allein die verkehrsgünstige Lage innerhalb Europas gewesen.

Auch nicht die Möglichkeit, ein Glasfaserkabel nutzen zu können, um die internationalen Aufträge und den Versand per Computer möglichst schnell koordinieren zu können. „Die Stadt hat uns ganz unbürokratisch viele Voraussetzungen geschaffen, die wir brauchten“, schickte Henze auch an die Adresse von Bürgermeister Dr. Willi Linkens, der die Gruppe als Geschäftsführer des Internationalen Technologie- und Service-Centers begrüßte. Und weil „Baesweiler nicht Stuttgart oder Berlin ist, war der Bau schon nach zehn Monaten fertig“, erinnerte Henze an die Startphase.

15 Millionen Euro investierte das amerikanische Unternehmen mit Hauptsitz in Indiana in das Gebäude, das rund 6600 Quadratmeter umfasst. Eine weitere Million diente in diesem Jahr einer Erweiterung. Reserven sind noch reichlich vorhanden auf dem Grundstück, das insgesamt 30 000 Quadratmeter umfasst. Henze: „Noch haben wir hier viel grüne Wiese, aber die wird nicht immer den Kaninchen vorbehalten bleiben.“ Dass eine weitere Halle folgen wird, ist bereits sicher. Offen bleibt aber zunächst, ob sie ebenfalls der Logistik dienen wird, oder ob Teile der Produktion in Baesweiler stattfinden können.

Logistik ist das A und O

Beim Rundgang folgten die Teilnehmer dem Weg der Produkte. Am rückwärtigen Teil des Gebäudes landen sie an, von dort geht es über ein Hochregallager in die Versandvorbereitung. Etwa 25 000 Teile verlassen pro Tag in 2000 Sendungen das Baesweiler Distributionszentrum. Zunächst Richtung Düsseldorf, dort wird sortiert. Manches bleibt im Lkw auf der Straße, vieles hebt vom Kölner Flughafen ab.

In gut 100 Länder verschickt Cook Medical von Baesweiler aus, 90 Mitarbeiter stemmen die nötige Vorbereitung in einem „kleinen Zweischicht-Betrieb“, wie Distributionsleiter Michael Bovig den Teilnehmern unterwegs erklärte. Um 20 Uhr ist die letzte Abholung. „Abends liegt das Produkt im Lkw, morgens ist es beim Patienten.“ Eine optimale vernetzte Logistik sei dafür das A und O.

Wie reibungslos die funktioniert — davon konnten die Leser sich beim zweistündigen, beeindruckenden Rundgang überzeugen. Eine Art Schaltwerk haben sie erlebt, dass für viele tausend Patienten eine Rettung bedeutet, wie Michael Bovig unterstrich: „Bei unserer Arbeit geht es immer um Menschenleben, das steht an erster Stelle.“

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