Würselen: XXXL-Standort Pallen: Ein Unternehmen, aber zwei Betriebe

Würselen: XXXL-Standort Pallen: Ein Unternehmen, aber zwei Betriebe

Der von Unternehmensleitung und Betriebsrat angestrebte Interessenausgleich für den XXXL-Standort Wohnwelt Pallen ist unter Dach und Fach. Beide Seiten ließen jetzt nach intensiven Verhandlungen in einer gemeinsamen Erklärung weißen Rauch aufsteigen.

Somit ist Würselen in Deutschland „der erste XXXL-Standort mit der neuen stark reduzierten Gesellschaftsstruktur. Es verbleiben die zwei Betriebe Vertrieb und Logistik“, teilten Alois Kobler für die Geschäftsleitung und der Vorsitzende des Betriebsrates, Michael Biemel, mit. Kobler bedankte sich ausdrücklich „besonders für die ergebnisorientierte Haltung des gesamten Betriebsratsgremiums“, wodurch es möglich geworden sei, „diese zukunftsorientierte Struktur“ nun einzuführen.

Alois Kobler schloss für die Geschäftsleitung den Interessenausgleich ab.

Ursprünglich fünf Bereiche

Ursprünglich hatte die XXXL-Gruppe aus Würzburg nach Übernahme von Wohnwelt Pallen die bislang an anderen Standorten bereits geltende stärker differenzierende Unternehmensstruktur umgesetzt. Demnach wäre Wohnwelt Pallen nebst Yess-Möbel-Mitnahme-Store im Gewerbegebiet Kaninsberg fortan in fünf nach Sachgebieten aufgeteilten Betrieben fortgeführt worden. Hier pochte das Unternehmen darauf, dass entsprechend fünf Arbeitnehmervertretungen gesondert von den jeweiligen Betriebszugehörigen hätten gewählt werden müssen. Eine Auffassung, die weder der Betriebsrat noch die Gewerkschaft ver.di teilen. Sie sehen weiterhin einen einzigen Betriebsrat als zuständig für alle Mitarbeiter an.

Dass letztlich die Lutz-Gruppe für Deutschland auf nur noch zwei Betriebe zurückruderte, hatte Gewerkschaftssekretärin Jana Zorn gegenüber unserer Zeitung auf den öffentlichen Druck zurückgeführt und von „üblen Wild-West-Methoden der frühkapitalistischen Art“ gesprochen.

Kobler hatte dazu angemerkt, das Unternehmen wolle sich nicht mehr vorwerfen lassen, es ginge ihm bei der Aufteilung in verschiedene Betriebe um Schließungen und Entlassungen. Vielmehr sollen die Abläufe effizienter gestaltet werden. Zwischenzeitlich haben mit ausdrücklicher Duldung der Geschäftsleitung Neuwahlen für einen gemeinsamen Betriebsrat stattgefunden. Dieser hat jetzt auch die Verhandlungen über den Interessenausgleich mit dem Arbeitgeber geführt.

Gericht muss entscheiden

Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Thomas Dymke sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass nun die Grundlagen für einen noch auszuhandelnden Sozialplan geschaffen worden seien. Bis zum Abschluss dieser neuen Verhandlungsrunde werde der erst im November gewählte (gemeinsame) Betriebsrat im Amt bleiben und erst nach einer weiteren Einigung zurücktreten. Dies werde geschehen, um deutlich zu machen, eine grundsätzliche Klärung in Sachen Arbeitnehmervertretung anzustreben. Trotz Rücktritts würden bis zu einer gerichtlichen Klärung die Mitglieder des Betriebsrates aber effektiv im Amt bleiben, damit die Mitarbeiter nicht ohne Vertretung sind.

„Wir sind uns einig, über die Zahl der zu wählenden Betriebsräte nicht einig zu sein“, brachte es Dymke auf den Punkt. In der gemeinsamen Erklärung zum Abschluss des Interessenausgleichs heißt es dazu: „Betriebsrat und Geschäftsleitung hatten im Vorfeld vereinbart, den offenen Punkt — nämlich ob ein oder zwei Betriebsratsgremien für die entstandenen Bereiche zuständig sind — noch zu klären. Auch diese Rechtsfrage wird im Einvernehmen geprüft.“ Per Feststellungsantrag soll sich erst das Arbeitsgericht Aachen und dann wohl in weiterer Instanz das Landesarbeitsgericht Köln mit der Frage befassen. Beide Seiten wollten sich der letztendlichen Entscheidung unterwerfen.

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