Würselener Förderkreis Asyl zieht Bilanz

Eine Bilanz nach vier Jahren : Förderkreis Asyl blickt optimistisch in die Zukunft

Obgleich der Förderkreis erst seit knapp vier Jahren existiert, hat er bereits viele Akzente gesetzt. Es war auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015, als aus dem bisherigen „Freundeskreis“ der Würselener „Förderkreis Asyl“ wurde.

Getragen wurde die Arbeit in den ersten Wochen und Monaten vor allem von der in dieser Zeit allgegenwärtigen „Willkommenskultur“ – neben der reinen Begrüßung der geflüchteten Neuankömmlinge setzte der Verein sofort an den wichtigsten Baustellen Sprache, Bildung und Integration an. Diese Haltung hat sich der Förderkreis bis zum heutigen Tag erhalten. Der unlängst neu gewählte Vorstand blickt in eine spannende wie arbeitsreiche Zukunft.

Die Mitgliederversammlung wählte im Alten Rathaus Christel Schwenger zur Vorsitzenden, Jürgen Hohlfeld wurde als Stellvertreter bestellt. Den Vorstand komplettieren Bernd Ohlmeier (Geschäftsführer), Hildegard Hüring (Kassiererin), Sigrid Kirchberg (Protokollführerin) sowie Pfarrerin Dorothea-Elisabeth Alders als Beisitzerin.

Das Team sieht die Grundlage seiner Arbeit weiterhin im eindeutigen Bekenntnis zur Menschlichkeit und damit zur konsequenten Einhaltung der Grund- und Menschenrechte. Konkret bedeute dies laut der Vorsitzenden Schwenger, dass alle geflüchteten Menschen, die in der Region Schutz suchen, solidarisch unterstützt werden sollen – unabhängig von Fluchtgründen und dem jeweiligen, offiziellen Aufenthaltsstatus. Der Förderkreis lehne Abschiebungen prinzipiell ab.

Grundsätzlich verbindet die Stadt Würselen und den Förderkreis eine enge Zusammenarbeit auf dem Sachgebiet. In Ausnahmefällen arbeitet der Kreis auch alleine. Das, was Ämter und Behörden nicht mehr leisten können, wird hier bewerkstelligt. Die Arbeit mit Geflüchteten geht hierbei weit über die sogenannte „Erstversorgung" hinaus, neben der materiellen Grundsicherung wollen die Beteiligten ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Der Ausnahmezustand hat sich seit dem besagten Jahr 2015 zwar massiv zurück gebildet, dennoch prägen individuelle Präzedenzfälle die Alltagsarbeit. Schwenger betonte, dass ein Vertrauensverhältnis zum Geflüchteten von enormer Wichtigkeit sei, um existenzbedrohende Probleme wie Abschiebungen oder finanzielle Nöte zu lindern und zu lösen.

Der Förderkreis sieht die Verteidigung der demokratischen Grundwerte in der Flüchtlingsarbeit sowohl als humanitäre als auch als politische Aufgabe. Die Arbeit mit den Menschen hat sich hierbei in den vergangenen Jahren massiv verändert, frei nach dem Motto: „Von Wolldecken zu Dokumenten“.

Einsamkeit in einer vollkommen fremden Umgebung sei nach wie vor eine große Belastung, die der Förderkreis zu lindern sucht. In Kooperation mit den Sozialkräften der Stadt soll Orientierung gegeben werden sowohl im behördlichen als auch im zwischenmenschlichen Sektor.

Im persönlichen Bereich hilft die über Jahre akribisch aufgebaute Infrastruktur des Vereins: Beratungen in der Kaiserstraße 118 und in der Sankt-Jobser-Straße 31 sowie im Sprachencafé und in den Tafelräumen helfen seit Jahren bei der Integration. Darüber hinaus vermittelt der Förderkreis Patenschaften, gewährt individuelle Unterstützung bei der Suche nach Wohnung und Arbeits-/Ausbildungsplätzen.

Zusätzliche Impulse für die Integrationsmaßnehmen in Würselen erwartet man vom „Runden Tisch Integration“, der auf Betreiben des Förderkreises hin eingerichtet wurde und Ende Januar diesen Jahres zum ersten Mal getagt hat.

An diesem treffen sich dreimal jährlich Vertreter aller Gruppen und Einrichtungen, die mit der Integration beschäftigt sind. Für die anstehenden Monate hat der Förderkreis zahlreiche Arbeitsgruppen gebildet, um sein Serviceangebot zu vertiefen und zu erweitern. Unter anderem werden die Schwerpunkte auf Sprache, Patenschaften, Wohnen und Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Für seine Arbeit sucht der Förderkreis weiterhin tatkräftige Ehrenamtler. Interessierte können sich bei Barbara Thaens unter 02405/74682 melden.

(yl)
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