Würselen: Zu Besuch in der Internationalen Klasse des Gymnasiums

Internationale Klasse : Wie erklärt man eigentlich den Frühling?

Elf Länder sind in der Internationalen Klasse des Städtischen Gymnasiums vertreten. Sie ist die einzige ihrer Art in Würselen und eine Herausforderung für Schüler wie Lehrer.

Zum Abschluss der Deutschstunde spielt die Klasse ein kleines Spielchen, mit dem das Vokabular aufgebessert werden soll. „Nenne eine berühmte Person, die mit A anfängt“, heißt es zum Beispiel, und ein Schüler schlägt „Arnold“ vor. Der Nachname fällt ihm gerade nicht ein, aber selbst den Amerikanern fällt es ja nach wie vor schwer, „Schwarzenegger“ richtig auszusprechen. Dann sind Sportarten mit A dran. „Abitur“, ruft eine Schülerin spontan in die Klasse. Es wird gelacht, und das ist immer ein gutes Zeichen. In diesem Fall auch aus dem Grund, dass die anderen Schüler der Internationalen Klasse, am Städtischen Gymnasium Würselen kurz IK genannt, den Witz verstehen.

18 Schüler aus elf Ländern

Die IK setzt sich zurzeit aus 18 Schülern zusammen. Sie sind elf bis 15 Jahre alt und kommen aus elf verschiedenen Ländern. Einige sind Kinder von Flüchtlingen, andere von Einwanderern aus EU-Ländern. Die Klasse wurde im Mai 2016 eingerichtet und bislang von 27 Schülern durchlaufen. Neben Deutsch werden Englisch, Mathematik und Politik unterrichtet. Die IK ist die einzige Klasse ihrer Art in Würselen. Manchmal sitzen die IK-Schüler auch in Regelklassen, die ihrem Alter entsprechen.

Das Abitur wäre für die Schüler  ein sportliches Ziel, aber darum geht es auch gar nicht so sehr, sondern um Grundlegenderes: um die Integration ins deutsche Schulsystem. Das ist vor allem für die Schüler eine Herausforderung, aber auch für die zwei Klassenlehrer, die Schulsozialarbeiter, eine Sonderpädagogin und das Gymnasium allgemein. Denn abgesehen von den großen Altersunterschieden und den vielfältigen kulturellen Hintergründen bringt, anders als bei in Deutschland geborenen Schülern, auch jedes Klassenmitglied seine ganz eigene Schulbiographie mit.

Die eine kann bereits Englisch und hatte in ihrem Herkunftsland eine gute Schulbildung, der nächste hat womöglich nur für ein Jährchen die Grundschulbank gedrückt. Auch mit Blick auf diese Widernisse spricht Schulleiter Frank-Michael Becker von einer „Erfolgsgeschichte“, wenn es um die IK geht. Nach zwei Jahren muss entschieden werden, wie es für den jeweiligen Schüler weitergeht. Sechs von ihnen schafften es bislang, in den gymnasialen Bildungsgang eingegliedert zu werden, für sie könnte es also einmal was werden mit dem Abitur. Die nähere Zukunft der meisten liegt aber in einer anderen Schulform.

Neben dem Unterricht in den genannten Fächern, der – logischerweise mit Ausnahme von Englisch – komplett auf Deutsch stattfindet, stehen auch Exkursionen auf dem Programm. Bei Alemannia Aachen war die Klasse schon zu Gast, in der Alsdorfer Jugendkunstschule und auf dem Bauernhof am Paulinenwäldchen. Demnächst geht es in die Kletterhalle. Und beim Fest der Kulturen auf dem Morlaixplatz vertraten die Schüler ihr Gymnasium als aktive Teilnehmer. All das weckt natürlich Interesse an der neuen Heimat. Was es denn eigentlich mit diesen Jungenspielen auf sich habe, wollte ein Schüler einmal wissen. Ein anderer interessierte sich für das Wort Frühling. In seinem Land gibt es den offenbar nicht, nicht als Jahreszeit und auch nicht als Wort.

Was könnte man in seinem neuen Heimatland Schöneres kennenlernen?