Würselen: Schlaglichter-Heft über die Grube Gouley

80 Seiten langes Heft : Schlaglichter zur Historie der Grube Gouley

Die Geschichtswerkstatt Würselen beleuchtet die Geschichte der Grube Gouley und die Umstände des früheren Bergbaus in der Düvelstadt. Dazu haben die Autoren ein 80 Seiten langes Heft rausgebracht.

Es ist schon ein halbes Jahrhundert her, dass dort gearbeitet wurde: Vor 50 Jahren nämlich, am 31. März 1969, wurden die Arbeiten auf der Grube Gouley eingestellt. Vor 25 Jahren, im Jahr 1994, wurde der Förderturm, das letzte Wahrzeichen einer Jahrhunderte alten Bergbautradition in Würselen gesprengt. Jetzt hat die Geschichtswerkstatt Würselen zur Geschichte der Grube und des früheren Bergbaus in der Düvelstadt ein neues Schlaglichter-Heft herausgebracht. Die Autoren stellen auf 80 Din-A4-Seiten neue Zusammenhänge her, zeigen die Vielfalt der kleinen Gruben und vielen Schächte, erklären den Übergang zur Modernisierung in der Franzosenzeit, erläutern den Stellenwert der Kirche im frühen Bergbau und schildern die Arbeitsbedingungen.

Viele Seiten sind dem schlimmen Unglück von 1834 gewidmet, dem schwersten Unglück auf der Grube bis dahin. „Dabei war das Arbeiten unter Tage immer besonders gefährlich. Schlagwetter-, Kohlenstaub- und Sprengstoff-Explosionen sowie großflächige Einstürze und Wassereinbrüche hatten verheerende Folgen“, berichtete Franz-Josef Küppers, Vorsitzender der IG BCE Ortsgruppe Herzogenrath-Würselen und Bergbaudenkmal Grube Adolf. „In der Nacht vom 25. zum 26. Januar war die Nachtschicht gerade angebrochen, als es zu einem verheerenden Wasserdurchbruch kam. Von ca. 70 Arbeitern haben sich nur elf aus dem Schacht gerettet“, haben die Autoren der Schlaglichter Horst Bittner, Günter Breuer, Achim Großmann und Gerhard Welper zusammengetragen.

„Wir hatten den Anspruch, dieses heimatgeschichtliche Thema der Grube Gouley auf wissenschaftlichem Niveau ohne Bleiwüsten abzudrucken, damit es Spaß macht, sich unser Heft anzugucken“, hatte Achim Großmann bei der Einleitung des Abends im Alten Rathaus vor vollbesetzten Rängen erklärt. Das Stöbern im Heft beweist die schwierige und gelungene Gratwanderung: Zwischen gefundenen Quellen und Interpretationen macht die Erinnerung und das Verstehen der Vergangenheit Spaß.

Die Beschreibung der schrecklichen Nacht im Heft geht weiter: „Da das Wasser im Schacht schnell auf rund 40 Meter aufgestiegen war, konnte man die betroffenen Bereiche der Grube über diesen Weg nicht mehr erreichen. Schnell hatte man festgestellt, dass die beiden Wasserhaltungsmaschinen die Wassermenge, die man dringend hätte abpumpen müssen, nicht bewältigen konnten. Zum Einbau der neuen Maschine, die wohl schon vor Ort war, hätte man die alten Maschinen sechs Stunden still legen müssen. Dann hätte die neue Maschine alleine 30 Stunden gebraucht, um diese sechs verlorenen Stunden wieder aufzuholen.“

Außerdem konnte man nicht ausschließen, dass sich bei dem Unglück nicht nur Wasser, sondern auch eine Menge Schutt den Weg in die Gänge des Schachtes gesucht hätte. Dann kam die schlimme Erkenntnis: Ein Rettungsversuch über die aktiven Schachtanlagen der Grube war unmöglich. „Am Ende stand fest, dass 63 Bergleute im Alter zwischen 15 und 60 Jahre umgekommen waren“, kannte  Franz-Josef Küppers Zahlen. „Das waren alle die Stützen und Ernährer ganz armer Familien; unter ihnen 34 Familienväter, die 34 Witwen, unter denselben 6 Schwangere und 90 unversorgte Kinder, die meistens im zarten Alter, 6, die als einzige Söhne ihre verwitweten armen Mütter mittel-, aber gewiss nicht hülflos hinterlassen“, war im Amt-Blatt der Preußischen Regierung aus dem Jahr 1834 zu lesen. Viele Skizzen und Bilder zeigen die Kumpel und die Grube, die Arbeit und die Schächte.

Über 60 Fotos und Dokumente ziehen die Leser in den Bann. Für 5 Euro kann das Heft in der Städtbücherei im Alten Rathaus, im Kulturarchiv, bei Pfennings in Bardenberg, Sparkasse Aachen Broichweiden und Linden-Neusen, Friseur Norbert Bock, Kiosk Schweilbacher Straße 109 und Bier & Weinbrandecke Dieter & Maria Breuer, Bissenerstraße 51, gekauft werden.

(ny)