Würselen: Rhein-Maas Klinikum baut Stellen ab

Stellenabbau in Würselen : Rhein-Maas Klinikum kündigt 17 Mitarbeitern

Der Geschäftsführer spricht von einem „schwierigen“ Jahr, der Betriebsrat von „großer Verunsicherung“ in der Belegschaft: Im Würselener Rhein-Maas Klinikum ist 17 Mitarbeitern während der Probezeit gekündigt worden.

Die Gesellschafter bekräftigen, dass es keine weiteren Entlassungen geben soll.

In der Gerüchteküche klang es zeitweise schon so, als kreiste der Pleitegeier über der Marienhöhe. Von der Streichung des Weihnachtsgeldes, von bis zu 70 Kündigungen, sogar von drohender Insolvenz war in der rund 1500-köpfigen Belegschaft des Würselener Rhein-Maas Klinikums in den vergangenen Wochen die Rede. „Es herrschte eine große Verunsicherung“, beschreibt der Betriebsratsvorsitzende André Alzer die Stimmung unter den Kollegen und ist erleichtert darüber, dass „das alles nicht stimmte“.

Bloß: Ein paar Körner Wahrheit steckten schon hinter den Gerüchten. Denn die Geschäftsleitung des Krankenhauses hat sich nach eigenem Bekunden von 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getrennt, die allesamt kurz zuvor erst eingestellt worden sind. Den Betroffenen – rund ein Drittel von ihnen sollen Ärzte sein – wurde in der Probezeit gekündigt.

Geschäftsführer René A. Bostelaar macht keinen Hehl daraus, dass dieser Stellenabbau wirtschaftliche Gründe hat. Er spricht von einem „schwierigen“ Jahr, von schwächeren Belegungszahlen als im Vorjahr und auch davon, „dass wir uns kreditwürdig zeigen müssen“. Schließlich müsse das Rhein-Maas Klinikum rund 30 Millionen Euro an Krediten bedienen – ein Teil des 50-Millionen-Euro-Investitionspakets, mit dem das 650-Betten-Haus auf der Marienhöhe auf die Höhe der Zeit gebracht werden soll. Nicht von ungefähr verweist Bostelaar, der sich in der Krankenhausbranche einen Ruf als Sanierer erworben hat, auf den „riesigen Investitionsstau“, den er vor sechs Jahren vorgefunden habe.

Dass zwischenzeitlich im Rhein-Maas Klinikum mehr als „nur“ 17 Kündigungen zur Debatte gestanden haben sollen, verneint der Geschäftsführer. Nach Informationen unserer Zeitung hat man intern aber zumindest ausgerechnet, von wie vielen Mitarbeitern man sich schnell und einfach – beispielsweise per Kündigung in der Probezeit – trennen könnte. Dabei sei man, heißt es, auf annähernd 70 gekommen. Allerdings schob der Aufsichtsrat derartigen Rechenspielen einen Riegel vor. Die Gesellschafter – das Krankenhaus gehört je zur Hälfte der Knappschaft Bahn-See und der Städteregion – gaben dort die Linie vor, auf weitere Kündigungen zu verzichten.

Sowohl die Knappschaft als auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg bestätigen auf Nachfrage diese Vorgabe, Etschenberg sieht darin ein „eindeutiges Signal an die Belegschaft“. Außerdem betont er, dass es weder betriebsbedingte Kündigungen noch Entlassungen im Pflegebereich gegeben habe und die Städteregion fest zum Rhein-Maas Klinikum stehe: „Es gibt weder Liquiditätsprobleme noch Überlegungen, die Trägerschaft aufzugeben.“

Über die Gerüchte von einer drohenden Pleite, die die Runde machten, schüttelt auch René A. Bostelaar nur den Kopf. „Wir haben investiert, unsere Rechnungen sind bezahlt“, sagt er dazu nur. Und auf ein mögliches Minus in diesem Jahr angesprochen, sagt er, dass er von einer „schwarzen Null“ ausgehe. Außerdem habe man dieses Jahr rund drei Millionen Euro aus eigenen Mitteln in die Sanierung gesteckt: „Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich jetzt dick im Plus.“

Dass die Lage aktuell schwierig ist, liegt für den Klinikmanager zum einen daran, dass die Geburtshilfe seit März wegen Personalmangels geschlossen ist. „Das hat uns Belegung gekostet.“ Zum anderen und vor allem jedoch sei der aktuelle Personalabbau der Mitte September vollzogenen Fusion der Standorte Bardenberg und Marienhöhe geschuldet. Eigentlich sei der Umzug der letzten Klinikbereiche von Bardenberg nach Würselen erst im kommenden Jahr geplant gewesen, doch habe man plötzlich „unter Druck gestanden“, ihn früher zu vollziehen.

Der Grund: Die Inoges AG, der die Aachener Reha-Klinik Schwertbad gehört und die auf dem Gelände des alten Knappschaft-Krankenhauses einen Gesundheitscampus errichten will, habe darauf gedrängt, das Grundstück schon früher zu bekommen – und es klingt fast so, als hätte der Drei-Millionen-Euro-Deal an dieser Frage scheitern können.

Deshalb habe man plötzlich „Personalüberhänge“ gehabt, die reduziert werden mussten, wie es Etschenberg und Bostelaar unisono betonen. Eigentlich sei es geplant gewesen, diese Überhänge durch „natürliche Fluktuation“ auszugleichen, fügt der Geschäftsführer hinzu. Doch dann habe alles so schnell gehen müssen, dass dies nicht möglich gewesen sei.

Wie es nun weitergeht? Nach der vollzogenen Fusion der Standorte beurteilt Etschenberg die Zukunftsaussichten der Klinik „als positiv“. Und auch Bostelaar schaut optimistisch nach vorne. Deutlich lieber als über die aktuellen 17 Kündigungen spricht er über die ebenfalls aktuellen 17 Absolventen der eigenen Pflegeschule, die man übernommen hat. Über die Ideen, das Haus medizinisch zu spezialisieren. Oder über die neuen OP-Säle, die gebaut werden sollen, die Stationen, die noch modernisiert werden, das neue Parkhaus, für das er gerade den Bauantrag eingereicht habe.

Das sei doch alles toll für eine Kleinstadt wie Würselen, meint er. Und sagt: „Ich gehe davon aus, dass das hier ein richtiger Gesundheitspark wird.“ Und kein Platz für Pleitegeier.

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