Würselen: Inoges AG baut am Gesundheitscampus in Bardenberg

In Bardenberg entsteht ein Gesundheitscampus : „Mehrwert für die Region signifikant“

Auf dem an die Inoges AG veräußerten Bardenberger Knappschaftsgelände ist viel in Bewegung. Investor Wolfgang K. Hoever legt innovative Ideen dar.

„Der Mehrwert für die Region wird schon signifikant sein!“ Wolfgang K. Hoever (62), Unternehmer aus Krefeld, weiß, dass das, was er auf dem Gelände des ehemaligen Knappschaftskrankenhauses in Bardenberg in kürzester Zeit geschaffen hat und in den kommenden Jahren noch ergänzend projektieren möchte, von beachtlicher Strahlkraft sein wird. Hoever ist ein Selfmademan. Einer, der Situationen analysiert, Chancen und Potenziale auslotet und dann zielgerichtet handelt. Der mit offenkundiger Freude an seinem Tun das große Ganze bis hin zu kleinsten Details – „Hier fehlen noch die Schraubenabdeckungen“ – im Blick hat. Als gelernter Physiotherapeut hat er im Laufe von 40 Jahren ein wahres Imperium aufgebaut, ist mit der Inoges AG und der Marke „salvea“ mit über 1000 Mitarbeitern zu einem der führenden Anbieter im Bereich der ambulanten Rehabilitation geworden.

Unlängst hat er sich auch selbst noch einmal ausgelotet, ist mit seiner Frau Dr. Annekathrin Edelmann, übrigens gebürtige Kohlscheiderin, die in Aachen aufwuchs und studierte, und drei kleinen Kindern samt Kindermädchen im Zuge eines Sabbatjahrs durch die Welt gereist. Luxusfrei, jeder nur ein Koffer, sogar Haus und Autos waren vorher veräußert worden.

Schnell wachsender Bedarf

Nach der Rückkehr, im November 2017, hat er einen Deal mit den Celenus-Kliniken, Offenburg, vollzogen, 100-prozentige Tochter der in Frankreich börsennotierten Orpea AG, und 20 seiner 21 Gesellschaften verkauft. Nicht, ohne weiterhin anteilig in der Geschäftsführung der damals eigens gegründeten Inoges Holding zu bleiben.

Die Inoges AG indes ist in seinem Besitz geblieben, die 2015 die älteste Rehaklinik Deutschlands, das Aachener Schwertbad, erworben hat. Um den schnell wachsenden Bedarf an Betten decken zu können, erfolgte schließlich, schneller als ursprünglich vorgesehen, der Bezug der Knappschaftsimmobilie am Dr.-Hans-Böckler-Platz 1, wohin die Abteilung Psychosomatik des Schwertbads bereits ausgegliedert worden war.

Als „Gebot der Stunde“ mit Blick auf eine „Unterversorgung im Bereich Neurologie in der Region“ erläuterte Hoever bei der offiziellen Schlüsselübergabe Mitte Januar dieses Jahres sein Engagement in Bardenberg. „Ein Glücksfall“, darüber sind sich die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung vor Ort einig. Und sehen sich um die bange Frage erleichtert, was nach der Krankenhausfusion mit Konzentration des Rhein-Maas-Klinkums auf Marienhöhe aus dem Bardenberger Knappschaftsgelände hätte werden sollen.

Wird aus der ehemaligen Krankenhausverwaltung ein Ärztehaus? Bis zu 200 Quadratmeter Fläche pro Etage stünden zur Verfügung. Foto: Beatrix Oprée

Und Investor Hoever hat weitreichende Pläne: So könne er sich vorstellen, auf dem avisierten Gesundheitscampus auch ein Ärztehaus zu etablieren, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Der siebengeschossige Turm links der Zufahrt, der bis vor einiger Zeit noch die Krankenhausverwaltung und die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung beherbergte, biete sich geradezu dafür an. Anfragen gebe es schon, 150 bis 200 Quadratmeter Fläche stünden hier pro Etage zur Verfügung.

Ein Grund für den Erwerb des gesamten Campus, so stellt Hoever auch klar, sei vor allem die Zusage der Städteregion Aachen gewesen, hier ihre Alten- und Krankenpflegeschule unterzubringen. Mehrere Architekturbüros seien bereits mit einem Masterplan für den kompletten Campus beauftragt, der auch den Bereich Wohnen im Sinne von Barrierefreiheit und Pflege umfassen soll.

Das Thema Ausbildung soll auf dem Campus auch im Bereich Physio- und Ergotherapie eine Rolle spielen, mit einem ganz neuen Berufsbild im Visier, dem Reha-Therapeuten. Ein Beruf, so die Einschätzung des Experten Hoever, der große Chancen für die Versorgung älterer Menschen in ihrem häuslichen Umfeld mit sich bringe, indem er nämlich interdisziplinäre Leistungen in einer Person vereint. Und somit eine Antwort auf die neuen Herausforderungen einer Gesellschaft geben könne, in der die Menschen immer älter werden und immer später in Pflegeeinrichtungen gehen. Hoever: „Der Reha-Therapeut ist ein aktiver Beitrag im Zuge der Debatte um die Finanzierbarkeit der Kranken- und Pflegekosten.“ Mit der Inoges AG den Beweis anzutreten, „dass gute Versorgung nicht gleich teuer sein muss“, formuliert der 62-Jährige eines seiner Hauptziele. Hoever ist Visionär, schätzt daher auch die Nähe zur Aachener Hochschule, mit Blick auf das neue und schier unerschöpfliche Feld der Pflegerobotik, das „mehr Vorteile als Nachteile“ berge. Konkret sei er bereits im Gespräch mit Herstellern, um den Einsatz von Robotern im Pflegewesen in die Ausbildung zu integrieren.

Derweil ist der überkommene Klinikcharme des 1901 bis 1904 errichteten altehrwürdigen Knappschaftskrankenhauses modernen Ansprüchen gewichen: Zwei Etagen sind fertig umgebaut, die Arbeiten auf der dritten laufen. Fachbetriebe aus der Region sind mit den einzelnen Gewerken beauftragt, unterstützt durch das hauseigene „sehr fachkompetente“ Team, wie Hoever darlegt.

Die Caféteria hat auch schon einen Namen: Café Klenkes. Auch hier findet sich das typische frische Apfelgrün als gestalterisches Element. Foto: Beatrix Oprée

Vormals zweckmäßig nüchterne Krankenzimmer kommen jetzt im Look repräsentativer Hotelsuiten daher – komfortable Doppelbetten, Ledersessel, Flachbild-Fernseher, angenehme Beleuchtung. Die gedeckte Farbgebung ist bewusst gewählt. So zieht sich ein typisches Apfelgrün nicht nur aus Gründen der Corporate Identity durch alle Bereiche, sondern soll gleichfalls Ruhe und Geborgenheit vermitteln. Menschen, die hierhin zur Behandlung kommen, sollen sich sofort gut aufgehoben fühlen.

„Die Psychosomatik ist ein sehr weites Feld“, sagt Hoever. Dem aufgrund von wachsender Arbeitsverdichtung und vielfach steigenden Belastungen in unserer Gesellschaft immer größere Bedeutung zukommt. „Organisches ist behandelbar, aber das Seelische muss auch stimmen“, postuliert Hoever.

Einzugsbereich 150 Kilometer

59 Zimmer und 65 Behandlungsplätze stehen bislang in Bardenberg zur Verfügung. Alle besetzt. Relativ viele Patienten kommen aus dem Ruhrgebiet, wie Hoever erklärt, erste auch aus den Niederlanden. Sie treffen in Bardenberg unter ärztlicher Leitung von Dr. Michael Wellmer auf ein Personal, das neben der jeweiligen Fachausbildung noch Sprachen wie Türkisch, Spanisch, Niederländisch und Englisch mitbringt. Hinzu kommt ein ambulanter Bereich mit rege genutztem Kursangebot für die Menschen vor Ort.

Rund 700 Alten- und Krankenpflegeschüler in absehbarer Zukunft, dazu ein wachsender Patientenkreis im Radius von rund 150 Kilometern, der anders als Krankenhauspatienten mobil ist und sich im Ortskern tummeln wird: Bardenberg darf sich allein deswegen schon auf einen gehörigen Push freuen – und sollte sich infrastrukturmäßig beizeiten darauf einstellen.