Würselen-Hildburghausen: „Die Partnerschaft ist wichtiger denn je“

25 Jahre Freundschaft Würselen-Hildburghausen : „Die Partnerschaft ist wichtiger denn je“

Die Freundschaftsgesellschaft Würselen-Hildburghausen wird 25 Jahre alt. Am Samstag wird ab 11 Uhr mit einem Festakt im Kulturzentrum Altes Rathaus gefeiert, Festredner ist der Bundestagsabgeordnete und frühere Bürgermeister Martin Schulz (SPD).

Entstanden ist die Städtepartnerschaft als Reaktion auf die deutsche Wiedervereinigung – was die Frage aufwirft, ob sie heute, fast drei Jahrzehnte später, überhaupt noch gebraucht wird. Auf diese und weitere Fragen hat der Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft, Hans Maaßen, unserem Mitarbeiter Markus Ross Antworten gegeben.

Herr Maaßen, wie sehen Sie die Freundschaftsgesellschaft heute, ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung, aufgestellt?

Maaßen: Unser Verein ist im Jubiläumsjahr sehr gut aufgestellt. Wir haben einen funktionierenden Vorstand, der aus in allen Würselener Ortsteilen beheimateten Mitgliedern besteht. Dies ist heute in einer Zeit, wo zahlreiche Vereine nach Ehrenamtlern suchen, keineswegs selbstverständlich. Uns allen liegen die Deutsche Einheit und die friedliche Revolution der Menschen in der ehemaligen DDR sehr am Herzen. Damals, im Herbst 1989 und in den folgenden Jahren, haben wir Geschichte erlebt. Wir wollen Menschen aus Ost und West zusammenführen, dies ist unsere Hauptintention. Um dieses Ziel umzusetzen, arbeiten wir mit unseren Freunden aus Hildburghausen ganz eng und partnerschaftlich zusammen. Die Freundschaftsgesellschaft zählt zurzeit rund 60 Mitglieder, sogar mit steigender Tendenz. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen.

Wo wollen Sie ansetzen, damit sich mehr Menschen für die Städtepartnerschaft mit dieser geschichtsträchtigen Stadt am Rande des Thüringer Waldes einsetzen?

Maaßen: Hier setzen wir ganz besonders auf unsere Jugend. Die vorrangige Aufgabe wird es sein, die Kontakte zu den beiden Gymnasien, die schon lange bestehen, zu pflegen und auszubauen. Ebenso wollen wir auch Verbindungen zur Gesamtschule knüpfen. Genauso müssen die verschiedenen Kulturvereine noch mehr ins Boot der Freundschaftsgesellschaft geholt werden, um Besuche in der schönen Partnerstadt Hildburghausen zu fördern. Dabei unterstützt unser Verein selbstverständlich die Fahrten dorthin. Die Brauchtumspflege ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Städtepartnerschaft.

Provokant gefragt: Besteht überhaupt noch eine Notwendigkeit für eine Städteverbindung zwischen Ost und West?

Maaßen: Ich denke, dass eine Städtepartnerschaft zwischen einer Stadt im äußersten Westen Deutschlands und einer Stadt in Thüringen heute wichtiger ist denn je. Derzeit liest oder hört man oft von einer Entfremdung zwischen West und Ost, die Vorurteile von „Wessis“ oder „Ossis“ sind leider immer noch weit verbreitet. Hier wollen wir ansetzen – wie schon damals im Jahr 1994 bei der Gründung der Freundschaftsgesellschaft – und Menschen friedlich zusammenzubringen. Dies ist für uns von größter Bedeutung, sei es bei kulturellen Exkursionen oder einfach nur beim Feiern etwa bei den Jungenspielen in Würselen oder beim Theresienfest in Hildburghausen. Nicht nur die gesellschaftlichen und politischen Themen sind Grundlage der Arbeit, auch das Begegnen im privaten Kreis sowie das Knüpfen und Pflegen von Freundschaften und der Austausch von Erfahrungen, sind das Ziel der bislang sehr fruchtbaren Zusammenarbeit.

Welche Beweggründe führten im Jahr 1994 zur Gründung der Freundschaftsgesellschaft?

Maaßen: Die Freundschaftsgesellschaft zu Hildburghausen, die am 12. Januar 1994 gegründet wurde, ist in erster Linie durch private Initiativen zustande gekommen. Maßgeblicher Protagonist der Städteverbindung mit Hildburghausen war der frühere Würselener Stadtdirektor und jetzige Ehrenvorsitzende der Freundschaftsgesellschaft, Albert Cramer. 1994 rief er gemeinsam mit einigen Weggefährten, unter anderem dem Stadtverordneten Edmund Roß, Willi Grotenrath und Günter Kuckelkorn, die Gesellschaft ins Leben. Dass die Kontakte mit Hildburghausen geknüpft wurden, ist auch maßgeblich auf die Geschichte der Brüder Dieter Pütz, langjähriger Würselener Ratsherr, und Helmut Pütz, Lehrer im Kreis Hildburghausen, zurückzuführen. Der leider mittlerweile verstorbene Helmut Pütz blieb nach der Evakuierung im Jahr 1945 in Thüringen. Zur Wendezeit 1989 ergriffen Helmut und Dieter Pütz die Initiative und knüpften die entsprechenden Kontakte in Würselen und Hildburghausen.

Ein Blick nach vorne: Was plant ihre Gesellschaft noch in diesem Jahr?

Maaßen: Im Jubiläumsjahr reisen wir vom 3. bis zum 6. Oktober 2019 zum Theresienfest nach Hildburghausen. Dort wird das 25-jährige Jubiläum mit einem Festakt im historischen Rathaus groß gefeiert. Bürger, die einmal Hildburghausen und das große Theresienfest miterleben möchten, können sich gerne unter 015162612942 über diese Tour informieren.