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Würselener Fahrlehrer Gottfried Kern: Wie Tiktok-Videos Fahrschülern helfen sollen

Würselener Fahrlehrer Gottfried Kern : Wie Tiktok-Videos Fahrschülern helfen sollen

Der Würselener Fahrlehrer Gottfried Kern hat Kameras in seinen Autos und filmt Fahrstunden. Warum macht er das? Und darf er das überhaupt?

Im Jahr verhilft er rund 200 jungen Menschen zum Führerschein. Gottfried Kern ist seit fünf Jahren Fahrlehrer, seit zwei Jahren mit eigener Fahrschule in Würselen. Von trockenen Theoriestunden hält er nicht besonders viel. Aus diesem Grund ist Kern nicht nur auf der Straße unterwegs, sondern auch in den Sozialen Medien. Mit Tiktok-Videos weist der Fahrlehrer auf fragwürdige Verkehrsregelungen und mitunter gefährliche Situationen hin.

Im Unterricht vermittelt Kern, wie es im Straßenverkehr eigentlich sein sollte, sagt er. Wie die Realität aussieht, zeigt er über Dashcam-Aufnahmen. Denn die Videokamera – meistens am Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe befestigt – zeichnet während der Fahrt die Umgebung und das Verkehrsgeschehen auf. „Anhand der Videos können die Fahrschülerinnen und Fahrschüler aus konkreten Situationen lernen“, sagt Kern. Nachdem die anderen Verkehrsteilnehmer unkenntlich gemacht wurden, werden manche Videos auch in den Sozialen Medien und der eigenen App für die Schüler veröffentlicht.

Um eine Diskussion auf den digitalen Plattformen anzuregen, lädt er sie kommentarlos hoch, sagt also vorab nicht, welchen Haken die Verkehrssituation hat. Die Schülerinnen und Schüler sollen von alleine darauf kommen. „Wir möchten die Menschen zum Nachdenken bringen und zu besseren Autofahrerinnen und -fahrern machen. Indem wir auf schwierige Verkehrsstellen in der Region hinweisen, leisten wir auch einen Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr“, sagt Gottfried Kern.

Manche Situationen wie beispielsweise zwei widersprechende Straßenschilder am Kreisverkehr Konrad-Zuse-Straße/Jülicher Straße in Alsdorf sorgen regelmäßig für Verwirrung. Das erste Schild schreibt vor, nach rechts zu fahren und dies mit einem Blinker anzuzeigen. Das zweite Schild signalisiert wiederum einen Kreisverkehr, wo das Einfahren nicht mit einem Blinker angegeben werden darf. Was der Verkehrsteilnehmende nun machen oder lassen muss, bleibt ihm selbst überlassen.

Von Kreisverkehren ist der Fahrlehrer ohnehin nicht gerade begeistert, auch wenn sie laut allgemeiner Unfallstatistik sicherer sein sollen. „Viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht, wie sie sich in einem Kreisel verhalten müssen und sind zögerlich“, sagt Kern. Oft sei nicht deutlich erkennbar, wann ein Fahrer den Kreisverkehr wieder verlässt. Darüber hinaus fehle bei zweispurigen Kreisverkehren oftmals die Linie in der Mitte, die die Fahrbahnen voneinander abgrenzt.

Auch auf Gefahrenstellen weist der Fahrlehrer mit seinen Videos hin: An der Kreuzung Willy-Brandt-Ring/Hauptstraße in Würselen wird es beispielsweise brenzlig. Linksabbieger aus Broichweiden kommend haben bei der grünen Ampel mit Linksabbiegerpfeil Vorfahrt und Vorrang. Die linke Fahrstreifenbegrenzungslinie lässt allerdings keine geeignete Lücke – was suggeriert, dass diese nicht überquert werden darf –, sodass die Fahrerin oder der Fahrer weiter geradeaus fahren muss und in den Gegenverkehr gerät, der aus seiner Sicht auch links abbiegen möchte. Eine schwierige Stelle, findet Experte Gottfried Kern. Für jeden. An dieser Stelle hat es laut Statistik der Polizei Aachen zwischen Januar 2019 und September 2022 drei Unfälle gegeben. Zwei mit Leichtverletzten und einer mit Sachschaden.

„Störungen, die unmittelbar den laufenden Straßenverkehr betreffen, beispielsweise eine Ampelstörung, können über die 110 gemeldet werden. Hinweise, die die Straßenmarkierungen und Beschilderungen betreffen, können ebenfalls an die Polizei gerichtet werden, zuständig sind aber die jeweiligen Kommunen“, sagt Pressesprecherin Stefanie Kutsch. Einmal im Quartal tausche sich ein Verkehrsraumsachbearbeiter der Polizei mit der Kommune aus und leitet Anfragen sowie Beschwerden weiter. Was davon umgesetzt wird, entscheide letztendlich die Gemeinde.

Die Dashcams, die bei jedem Auto der Fahrschule Kern zur Ausstattung gehören, dienen zudem der rechtlichen Sicherheit, erklärt Gottfried Kern. „Wenn ein Unfall passiert, wird immer erst die Fahrschule beschuldigt. Mit der Kamera am Armaturenbrett können wir den Hergang genau dokumentieren.“ Rechtlich werden die Dashcams zwar immer noch kritisch gesehen, bisher habe Kern aber nie Probleme deswegen bekommen. Im Gegenteil: In verfänglichen Situationen habe die Kamera immer weiter geholfen.

Mit seinen Videos stößt der Würselener Fahrlehrer auf eine breite Akzeptanz und viel Zuspruch, auf jeden Fall, was die nachvollziehbaren Klickzahlen angeht. Eins der erfolgreichsten Videos, mit dem die 30er-Zone in Bardenberg hinterfragt wird, wurde auf Tiktok mehr als 44.000 Mal aufgerufen.