Vortragsreihe: Europa und die Nachbarn

Geschichtskreis St. Sebastian : Großes Interesse an einem vereinten Europa

Der Geschichtskreis St. Sebastian veranstaltet seit geraumer Zeit eine Vortragsreihe unter dem Leitwort „Die Deutschen und ihre Nachbarn“. Dabei wird der europäische Gedanke von verschiedenen Seiten aus beleuchtet. Sprecher Hubert Wickerath beschreibt die Beweggründe im Interview mit Markus Ross.

Herr Wickerath,, am kommenden Dienstag, 25. Juni, spricht der Publizist Richard Gebhardt um 19 Uhr im Pfarrheim an der Wilhelmstraße zum Thema „Ein gespaltener Kontinent? Rechtspopulismus in Europa“. Warum rücken Sie das Thema Europa in den Fokus?

Wickerath: In der Regel befassen sich Heimat- und Geschichtsvereine mit der Erforschung der engeren Geschichte einer Stadt oder Region - so auch der Geschichtskreis mit den Vorgängen um den „Würselener Dom“. Die Einordnung der Ereignisse in einen größeren Zusammenhang ist stets gefordert und wertet die Ergebnisse auf. Stets muss aber auch der Blick auf aktuelle Entwicklungen geworfen werden. Der derzeitige Rechtspopulismus hat eine Vorgeschichte und dieser nimmt den ganzen Kontinent in den Blick.

Sie betonen die besondere Verantwortung Deutschlands, gerade auch mit Blick auf die Historie, für die Zukunft und das Zusammenwachsen Europas. Europa fängt im Kleinen an, in einer Kommune wie Würselen. Tut eine Stadt wie Würselen Ihrer Ansicht nach genug, um den europäischen Gedanken zu fördern?

Wickerath: Nach der Beschäftigung im Rahmen unserer Reihe mit Ländern wie Polen, Frankreich, Tschechien, Niederlande, Dänemark oder auch Österreich sind uns die Verbindungslinien mit der deutschen Geschichte ganz klar geworden. Wir tragen als größtes Land in der Gemeinschaft eine hohe Verantwortung, dies aber nicht nur in Berlin, sondern auch in einer Kleinstadt. Mit der Förderung der Städtepartnerschaften ist sicherlich ein konkretes verbindendes Element geschaffen worden. Es bedarf aber über das Tagesgeschäft hinaus eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Europa. Nachbarschaftskommunen zeichnen sich durch weitere Aktivitäten aus, die zu der Anerkennung als „Europaaktive Kommune“ führen. Toll wäre es auch, wenn im Nachwuchsbereich, also im Schulbereich, Schwerpunkte im Hinblick auf Europa gesetzt würden.

Die Mitglieder des Geschichtskreises betreuen einen Infostand zum Thema Europa im Rathaus. Wie ist die Resonanz? Wie sind die Menschen auf Europa zu sprechen?

Wickerath: Ohne fundierte Informationen ist das Konstrukt Europa schwer zu durchschauen. Der Infostand im Rathaus ist wirklich eine nützliche Ergänzung unserer Angebote und wird sehr gut angenommen. Der überwiegende Teil der Menschen, das erfahre ich bei vielen Gesprächen, sieht Europa positiv und verbindet dies sofort mit dem Friedensbegriff. Darum war die Verleihung des Friedensnobelpreises auch folgerichtig. Bis zur Gründung der Gemeinschaft finden wir in der Vorgeschichte leidvolle kriegerische Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Ursachen und Folgen. Europa ist ein großes Friedensprojekt, mit aktuellen Bedrohungen aus fast allen Himmelsrichtungen.

Oft verschwindet nach den Europawahlen und der Abnahme der Wahlplakate schnell der Begriff Europa aus dem öffentlichen Raum. Wie könnte ein Zeichen gesetzt werden und gibt es dafür schon Unterstützer?

Wickerath: In unserem Gewerbegebiet Aachener Kreuz gibt es bereits Straßennamen engagierter Persönlichkeiten aus der europäischen Politik. Ich habe mich über die Unterstützung unseres Bundestagsabgeordneten und ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz gefreut, eine Europäische Straßenbenennung als weiteres Symbol der europäischen Verbundenheit bei der Stadt Würselen zu beantragen. Die Reihe „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ wird in der zweiten Jahreshälfte mit Großbritannien fortgesetzt. Als Schwerpunktländer folgen die Schweiz und Belgien/Luxemburg im nächsten Jahr.

(Fro)