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Weiteres Detail zur Todesfahrt von Würselen: Verdächtiger „ersetzt“ das Unfallauto nach der Fahrerflucht

Weiteres Detail zur Todesfahrt von Würselen : Verdächtiger „ersetzt“ das Unfallauto nach der Fahrerflucht

Ein 19-jähriger Radfahrer ist im September bei einem Unfall in Würselen ums Leben gekommen. Der vermutlich alkoholisierte Autofahrer hatte sich nicht um das Opfer gekümmert, sondern den Abtransport seines defekten Fahrzeugs organisiert. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat jetzt ein weiteres Detail bestätigt.

Nun wurde bekannt, dass er am nächsten Morgen sofort ein baugleiches Fahrzeug gekauft hat, um nicht aufzufallen. Aufmerksame Kripobeamte ließen sich nicht täuschen, entdeckten das Unfallfahrzeug in seiner Garage. Der Tatverdächtige wartet in U-Haft auf seinen Prozess.

Spätestens Anfang des Jahres wird das Gerichtsverfahren am Landgericht Aachen gegen zwei Männer beginnen, denen die Staatsanwaltschaft versuchten Mord beziehungsweise Beihilfe vorwirft. Die beiden Männer sollen in einen Unfall verwickelt sein, der sich in der Nacht zum 21. September im Feld zwischen Würselen-Linden-Neusen und Eschweiler-St. Jöris ereignet hat und bei dem ein 19-Jähriger Radfahrer starb. Nun werden immer mehr Details bekannt, die geradezu fassungslos machen.

Erkennbar ist schon vor dem Prozess, dass die Beschuldigten offenbar mit großer krimineller Energie versucht haben, ihre Taten zu vertuschen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war damals ein 34-jähriger Mann aus Würselen alkoholisiert mit seinem Citroen C5 unterwegs, einen Führerschein besaß er nicht. Er kollidierte am Knotenpunkt 78 des städteregionalen Radwegenetzes mit einem Radfahrer, der von einem Feldweg abgebogen war, um ebenfalls Richtung Linden-Neusen zu fahren. Der 19-Jährige stürzte auf die Windschutzscheibe und wurde zu Boden geschleudert. Die Kollision war so heftig, dass auch der Citroen nicht mehr verkehrstüchtig war und liegenblieb.

Um den sterbenden Radfahrer kümmerte sich der 34-Jährige laut Staatsanwaltschaft nicht. Vielmehr lag sein ganzes Augenmerk darauf, das Unfallauto wegzuschaffen. Dabei soll ein Freund, ein 42-Jähriger aus Eschweiler, geholfen haben, der in dieser Nacht hinter dem Unfallverursacher im eigenen Fahrzeug fuhr. Laut Staatsanwaltschaft organisierte der Freund ein Abschleppseil. Der Unfallverursacher wartete derweil neben dem Sterbenden an seinem defekten Wagen, bis sein Kumpel ihn schließlich abschleppte.

Am nächsten Morgen versuchte er laut Staatsanwaltschaft, den deutlichsten Hinweis auf die Unfallbeteiligung zu beseitigen: seinen Wagen voller Unfallspuren. Er fuhr demnach ins Ruhrgebiet, um einen baugleichen Wagen zu kaufen. Zurück in Würselen tauschte er die Nummernschilder. Der frisch erworbene Citroen wurde auf der Straße abgestellt.

Die Polizei fahndete bereits Stunden nach der Tat öffentlich nach einem Citroen-Besitzer, am Unfallort hatten sich viele leicht zuzuordnende Autoteile gefunden. Bereits am Sonntag standen die Ermittler nach Hinweisen aus der Nachbarschaft vor der Türe des 34-Jährigen. Der Würselener gab sich ahnungslos. Die Beamten blieben misstrauisch und ließen ihn seine Garage öffnen, in der er das Unfallauto versteckt hatte. „Das war sehr gute Polizeiarbeit“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaf, Katja Schlenkermann-Pitts. Ein paar Stunden später wurde auch sein nächtlicher Begleiter wegen des Vorwurfs der Beihilfe festgenommen. Beide sitzen in Untersuchungshaft und haben ausgesagt.

Inzwischen hat eine Rechtsmedizinerin festgestellt, dass das Opfer aufgrund seiner inneren Verletzungen sehr schnell am Unfallort verblutet sei. Für das Verfahren ist relevant, ob der 19-Jährige hätte gerettet werden können, wenn die beiden Männer in der Nacht erste Hilfe geleistet hätten. Bis zum Verhandlungsauftakt wird auch das Rekonstruktionsgutachten des Sachverständigen vorliegen, das weiteren Aufschluss darüber gibt, was sich in dieser Nacht auf dem Feldweg ereignet hat.