Tschida-Ensemble bei Pius am Mittwoch in Würselen

Pius am Mittwoch : Das Tschida-Ensemble begeistert das Publikum

Das 19. Jahrhundert brachte eine ganze Reihe bedeutender Komponistinnen hervor, wiewohl die wenigsten von ihnen auch bekannt sind.

Am ehesten gilt dies noch für Clara Schumann und Fanny Hensel, letztere mehr unter ihrem Mädchennamen Mendelssohn und als Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy in Erinnerung. Sie und andere holte jetzt das Tschida-Ensemble aus Ahrweiler mit dem Programm „Unerhört weiblich - Fanny und ihre Schwestern" im Rahmen der Reihe „Pius am Mittwoch" aus der unverdienten Vergessenheit: Alexandra Tschida (Sopran), Alexandra Dittko (Violoncello) und Ilse Kösling (Klavier).

Mit viel Esprit brachten die Musikerinnen, die schon lange mit Freude erfolgreich gemeinsam musizieren, die ausdrucksstarken Werke vor allem der Romantik zum Erklingen. Die musikalische Entdeckungsreise wurde mit kurzweiligen Texten und Bildern der Komponistinnen bereichert.

Den Beginn machten die drei Künstlerinnen mit dem Wanderlied und der Arie "Wenn ich in deine Augen sehe" von Fanny Hensel (1805-1847) sowie einem Walzer und dem Lied "Mein Stern" von Clara Schumann. Der Sopran-Gesang von Alexandra Tschida füllte den kleinen Raum, der Cello-Klang von Alexandra Dittko

klang kantabel und Ilse Kösling begleitete kongenial und mit sichtbar großem Selbstbewusstsein.

Die weiteren Komponistinnen waren dem Publikum inklusive Rezensent weitgehend unbekannt. Umso spannender verlief die musikalische Zeitreise, die von der österreichischen Pianistin, Sängerin und Gesangspädagogin Maria Theresia von Paradies (1759-1824) bis zur Offizierstochter, Musikkritikerin und Clara-Schumann-Schülerin Louise Adolphe Le Beau (1850-1927) reichte. Ein besonderer musikalischer Leckerbissen waren die zwei Werke "Aftonsang" und "Ave Maria" der ub Finnland geborenen schwedischen Pianistin und Dirigentin Laura Netzel (1839 - 1927). Hierbei übernahm Cellistin Alexandra Dittko den Part, welcher eigentlich vom Mezzo-Sopran gesungen wird. Aber, wie gesagt: Das Cello klang kantabel, wie überhaupt dieses Instrument der menschlichen Stimme am nächsten kommt.

Nach der tradutionellen Brot- und Wein-Pause im Gemeindesaal St. Pius X. rief Gastgeber Hans-Günther Leuchter die Besucher zum zweiten Programmteil, der weitere Highlights unbekannter Komponistinnen bereithielt. Mélanie Bonis (1858-1937) besaß neben vielen Vorzügen auch jene eines absoluten Gehörs und eines unfelhbaren Gedächntnisses.

Letzteres wird viele Werke des französischen Impressionismus gespeichert haben, denn die perlenden Klavierklänge von "Mélisande" und "Desdémona" erinnerten doch in manchem an Bebussys "Clair de lune" und die Oper "Pélias et Mélisande". Ein reizvolles Duett lieferten sich Cellistin und Pianistin bei der Komposition der 20-Jährigen Vanessa Mautgreve (geboren 1999) - hier war daa Vorbld Frédéric Chopin deutlich herauszuhören. An die hohe Qualität der bittersüßen Salonstücke der damaligen Zeit gemahnten "Ballade á la Lune" und "Duo d´étolie" aus der Feder von Cecile Chaminade (1857 - 1944).

Eine reizvolle Verbindung von Spätromantik, schottisch-gälischer sowie Eskimo-Folklore versprühten vier humorvolle Stücke der Amerikanierin Amy Marcy Beach (1867-1944). Die drei Musikerinnen spielten mit viel Verve, Esprit und hoher Konzentration. Erst nach einer geforderten Zugabe entließ das Pius-Publikum die drei Künstlerinnen in ihre Heimat.

(jope)