Thoraxchirurg Dr. Jan Volmerig referiert

Forum Medizin am 20. November : Folgen der Lungenentzündung im Fokus

Lungenentzündung ist nicht gleich Lungenentzündung. Manche Patienten werden von der Infektion von jetzt auf gleich umgeworfen. Entsprechend schnell wird ein Arzt aufgesucht, der im besten Fall die Krankheit direkt erkennt und/oder zumindest durch Überweisung zum Facharzt für flotte Klärung und unmittelbaren Behandlungsbeginn sorgt. Bei schweren Fällen geschieht dies stationär im Krankenhaus.

Aber es gibt auch das andere Extrem: Patienten, die sich über Wochen ohne (fach-)ärztliche Hilfe durch den Alltag quälen und mit Hausmitteln selber behandeln, bei denen das von Hausarzt zu Recht verschriebene Antibiotikum nur zunächst Besserung bringt „Wer sich aber keine konsequente Bettruhe gönnt, zögert die Genesung hinaus und riskiert schwere Folgeerkrankungen und dauernde Schäden“, vermerkt dazu das Chirurgie Portal. Die Dunkelziffer nicht erkannter oder verschleppter Lungenentzündungen, von denen der Patient später glaubt, sie seien folgenlos auskuriert, ist nicht zu ermessen.

Dr. Jan Volmerig, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Rhein-Maas Klinikum in Würselen und ein Referent des nächsten Forums Medizin am 20. November zum Thema Lungenetzündung, bedauert, dass hierüber wenig gesicherte Daten vorliegen, kennt aber die Folgen genau.

Dazu liefert er eine plastische, leicht nachvollziehbare Beschreibung der Entstehung von Langzeitschäden: „Die Lunge ist wie ein Luftballon, der in einem Fass, also dem Brustkorb, liegt. Ausgekleidet ist dieses Fass innen mit einer Art Tapete namens Rippenfell.“ Im schmalen Spalt zwischen Tapete und Luftballon sammelt sich im Krankheitsverlauf Flüssigkeit an, also in etwa wie Wundsekret bei einer nässenden Wunde.

Hohe Dunkelziffer

Das nennt man Pleuraerguss (Pleura, griech., bedeutet Flanke, Rippe). Dieser Erguss dehnt sich aus und übt Druck auf den Luftballon, also die Lunge aus. Weniger Lungenvolumen bedeutet weniger Lungenleistung. Bestenfalls verschwindet diese Belastung im Zuge der Gesundung.

Dr. Jan Volmerig, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Rhein-Maas Klinikum. Foto: RMK/Thomas Jansen

Bleibt dieser Pleuraerguss aber bei Verschleppung der Krankheit (teilweise) bestehen, dickt mit der Zeit dieser Ausfluss ein, nimmt die Konsistenz von Gelee an und kann sich entzünden.

Auch wenn die Dunkelziffer hoch ist, entwickeln geschätzt 20 bis 40 Prozent von Patienten mit Lungenentzündungen einen solchen Pleuraerguss, bei bis zu 10 Prozent kann sich hieraus eine potentiell lebensbedrohliche Infektion, ein Pleuraempyem, entwickeln. Mittel- bis langfristig aber es kann noch „dicker“ kommen.

Das Rippenfell selbst nimmt an Volumen zu und versteift sich, kann sogar zur Schwarte verhärten, was das Lungenvolumen nachhaltig einschränkt und das Risiko von Folgeerkrankungen für den Patienten, auch eine erneute Lungenentzündung, deutlich erhöht.

Volmerig verweist auf einschlägige Handlungsempfehlungen und die Beseitigung des Pleuraergusses, indem eine Drainage zur Entlastung gelegt wird. Das ist nicht immer ausreichend. Dann ist eine minimalinvasive und video-assistierte Thorakoskopie angesagt, um den Pleuraerguss auszuräumen. „Saubermachen und Ausputzen sollten so früh wie möglich geschehen.“ Der Facharzt plädiert sogar dafür, in jedem Fall den Pleuraerguss zu entfernen und nicht zu lange damit abzuwarten, ob der sich wieder zurückbildet.

Die Gefahr von Schädigungen der Lunge ist aus seiner Sicht viel zu hoch. „Besser zu 100 Prozent für eine Klärung zu sorgen, als Unsicherheit mit Folgen in Kauf zu nehmen“, betont er. „Ich will nicht um des Operierens willen operieren. Es geht mir darum, mehr Sensibilität zu schaffen, was den Umgang mit Lungenentzündung angeht.“

Volmerig will Patienten wie Ärztekollegen entsprechend sensibilisieren. Und wie kann festgestellt werden, dass ein Pleuraerguss vorliegt?

Dank der medikamentösen Behandlung der Lungenentzündung geht es dem Erkrankten deutlich besser, so dass die Befindlichkeit über das, was sich da zwischen Rippenfell und Lunge abspielen und ansammeln kann, hinwegtäuscht. „Hier gibt eine Ultraschalluntersuchung Aufschluss“, sagt der Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie.

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