Thema Prostata: Medizin für Bürger am Rhein-Maas Klinikum Würselen

„Medizin für Bürger“ : „Es muss nicht immer die Prostata schuld sein“

Bei „Medizin für Bürger“ im Rhein-Maas Klinikum (RMK) sind Störungen beim Wasserlassen Thema. Prostata ist bei Männern häufig Ursache. Entweder es läuft, oder es läuft nicht.

Etwas flapsig könnte man so das Motto der Informationsveranstaltung des Rhein-Maas-Klinikums (RMK) in der Reihe „Medizin für Bürger“ betiteln. Seriös – was der Thematik eher angemessen ist – lautete sie jedoch „Probleme mit dem Wasserlassen? Was tun?“.

Das als Tabuthema deklarierte Problem, das Männer ebenso wie Frauen betrifft, hatte eine durchaus beachtliche Zahl an Interessierte in die „Cantina“ des RMK gelockt. Und, was ein wenig überraschte: Die sonst gerne als „Gesundheitsmuffel“ deklarierten Männer waren deutlich in der Überzahl. Ebenso überraschend war die Offenherzigkeit, mit der die anwesenden Herren über das Problem des Wasserlassens berichteten und den Medizinern durchaus auch intime Fragen stellten. Keine Spur von Scheu.

Mit Chefarzt Dr. med. Khalid Sayed Ahmed, Leitender Oberarzt Dr. Talal Ebash und dem Geschäftsführenden Oberarzt Ingo Schleicher (alle Urologische Klinik des Rhein-Maas Klinikums) hatte das RMK aber auch echte Hochkaräter ihres medizinischen Fachgebiets in die „Cantina“ entsandt, die auf jede Frage und auch kritische Anmerkung eingingen.

Dr. Khalid Sayed Ahmed führte ein in das Thema und erläuterte die Ursachen für eine Störung beim Wasserlassen bei Männern, etwa durch Prostatavergrößerung, Prostata-Karzinome, eine neurogene Blase oder Blasenhals- oder Harnröhrenstenosen.

„Es muss nicht immer die Prostata schuld sein, aber spätestens mit 40 Jahren sollte man sie aus medizinischer Sicht im Auge behalten“, mahnte der Chefarzt zur rechtzeitigen Vorsorge, etwa mit einer Ermittlung des PSA-Wertes (Prostataspezifisches Antigen), der nicht Aufschluss über „gesund“ oder „krank“ gibt, sondern eine Tendenz anzeigt über eine mögliche Entwicklung und zu einem entsprechenden frühzeitigen Handeln alarmiere. Auditorium und Fachärzte waren sich einig, dass die Ermittlung des PSA-Wertes aus dem Blutbild eine Leistung der Krankenkassen sein müsse und nicht aus eigener Patiententasche beglichen werden dürfe.

Untermauert wurde die Notwendigkeit zur Vorsorge als Kassenleistung noch von Oberarzt Ingo Schleicher, der die Prostata als „Zeitbombe im Gesäß des Mannes“ bezeichnete. So sei bei 25 von hundert Krebserkrankungen bei Männern die Prostata betroffen, jährlich gebe es 60 000 Neuerkrankungen („So viele wie Würselen gerne Einwohner hätte.“). „Allerdings“, bemerkte der Mediziner, „wird die Vorsorgeuntersuchung nur mäßig genutzt.“

Aber Dr. Schleicher hatte auch Gutes zu berichten: „Fünf von sechs Krebserkrankten sterben nicht an der Krankheit.“ Und: 90 Prozent leiden nach der operativen Entfernung nicht an der befürchteten Inkontinenz. Dr. Schleicher machte auch klar, dass eine diagnostizierte vergrößerte Prostata kein Grund zur Panik sei: „Wenn die Harnwege frei bleiben, kann sie so groß wie eine Kokosnuss sein.“ Sei dies jedoch nicht der Fall, gebe es eine Reihe von Möglichkeiten, das Problem zu beheben. Etwa durch Medikamente oder der Stärkung des Schließmuskels zwischen Blase und Harnröhre. Beckenbodentraining und Physiotherapie seien probate Mittel und unverzichtbar, etwa nach einer Prostata-Entfernung. Ein Schlingensystem mit integrierter Pumpe könne sowohl beim Wasserlassen helfen, als auch Erektionsstörungen beheben.

Die an diesem Abend nur wenig vertretenen Damen im Auditorium wurden aber nicht „vergessen“. Zumal Harninkontinenz bei Frauen deutlich häufiger auftritt, als bei Männern. „Acht Millionen Frauen sind in Deutschland betroffen, 80 Prozent von ihnen kann geholfen werden“, erklärte Oberarzt Dr. Talal Ebash. Die am häufigsten auftretende Harninkontinenz sei bei Frauen die Belastungsinkontinenz. „Beim Husten, Niesen oder Lachen steigt der Druck im Bauch und dadurch der auf die Blase. Diesen kann der Schließmuskel nicht kompensieren und es kommt zum unfreiwilligen Urinverlust“, erläuterte Dr. Ebash. Eine Operation ist in diesen Fällen nicht Standard, häufig seien Beckenbodengymnastik, Physiotherapie oder Elektrostimulation hilfreich. Bei einer Operation würden Beckenboden oder Blasenhals fixiert und stabilisiert.

Unter dem Strich war die Botschaft der Mediziner eindeutig: Je früher eine Erkrankung der Prostata oder des Harnsystems beider Geschlechter erkannt werde, desto größer sei die Aussicht auf Heilung und die Abwendung lebensbeeinträchtigender Symptome.

(hob)