Städteregion: BUND kritisiert Regiotram-Entwurf

Ausweitung der Machbarkeitsstudie : BUND kritisiert Regiotram-Entwurf

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schaltet sich in die Diskussion um die Regiotram ein. Die Kreisgruppe Aachen-Land beantragt eine Ausweitung der Machbarkeitsstudie um zusätzliche Punkte, in einer separat versendeten Stellungnahme werden außerdem mehrere Aspekte des Projekts in Frage gestellt und teils durchaus recht deutlich kritisiert.

Die Regiotram soll, wie vielfach berichtet, vom Aachener Bushof aus bis zum Baesweiler Reyplatz führen. Dazwischen würden Haltepunkte in Würselen, St. Jöris, Alsdorf und Merkstein angefahren. Es handelt sich dabei lediglich um einen Entwurf. Ob die Strecke umsetzbar ist, soll mit der oben genannten Machbarkeitsstudie geklärt werden.

Den Streckenabschnitt von Aachen bis Alsdorf hält der BUND für „mit Sicherheit sinnvoll“, er werde „weitere Personen zum Umstieg auf den ÖPNV animieren“, heißt es in der Stellungnahme. Der weitere Verlauf über Merkstein nach Baesweiler hingegen sei „wenig hilfreich“. Denn: „Hier wird die Fahrzeit erheblich ausgeweitet, ohne dass adäquat zusätzliches Nutzerpotenzial erschlossen wird.“ Busch und Merkstein seien schließlich bereits an die Euregiobahn angeschlossen, und die Fahrzeit von Baesweiler nach Aachen sei schlicht zu lang.

Der BUND fordert daher eine erhebliche Ausweitung der Machbarkeitsstudie. So solle eine Streckenführung von Setterich über Baesweiler, Übach-Palenberg (Holthausen und Boscheln) bis Merkstein geprüft werden, wo die Regiotram an die Euregiobahn anschließen könnte. Und auch die Frage, ob eine Tram überhaupt das geeignete Verkehrsmittel wäre, ist aus Sicht des BUND noch gar nicht ausreichend erörtert worden. Neben dem schienengebundenen System sollten daher auch Alternativen in Form eines Bussystems geprüft werden, dessen Fahrzeuge elektrisch, hybrid oder durch Wasserstoff angetrieben werden. Nicht nur die Machbarkeit, „sondern auch die Sinnhaftigkeit“ des Projekts seien zu prüfen, fasst der BUND seinen Standpunkt zusammen.

Nägel mit Köpfen machen

An der Entwicklung des Projekts sind die Städteregion und die Kommunen, durch die die Regiotram fahren würde, beteiligt, die Fäden laufen beim Aachener Verkehrsverbund (AVV) zusammen. Dort will man möglichst schnell Nägel mit Köpfen machen. „Im Grunde sind wir schon viel zu spät“, hat der pensionierte AVV-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich im Mai im Würselener Stadtrat erklärt. Eine Sorge besteht darin, dass die Regiotram aufgrund der zahlreichen zu beteiligenden Gremien frühzeitig zerredet wird.

Dass sich mit dem BUND nun Umweltschützer kritisch zur Regiotram äußern, entbehrt einerseits nicht einer gewissen Ironie, schließlich soll die Regiotram gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um die Eindämmung des Individualverkehrs auf die Schiene gesetzt werden, im großen Zusammenhang also dem Klimaschutz dienen. Andererseits waren derlei Reaktionen absehbar, denn für die Regiotram sollen soweit möglich längst außer Betrieb genommene, aber noch als solche gewidmete Bahntrassen genutzt werden, was technische wie bürokratische Vorteile böte. Bloß führen diese Trassen teils durch mittlerweile geschützte Gebiete. Der BUND fürchtet, dass die Regiotram im negativsten Fall sogar „eine Beschleunigung des Klimawandels durch die Abholzung von Wald“ bewirken könnte.

„Schon erstaunlich“

Bestes Beispiel ist der Biotopverbund zwischen Busch und Baesweiler, wo sich etwa ein renaturiertes Bergsenkungsgewässer befindet. Der BUND erinnert daran, dass der Städteregionsausschuss „Erhaltung, Ausbau und Pflege“ des Biotopverbunds noch im Juni 2017 beschlossen habe. Dass dasselbe Gremium nunmehr prüfen lassen wolle, ob dort nicht die Regiotram entlang fahren könnte, sei „schon erstaunlich“. Ähnliche Kritik war im Juli im städteregionalen Naturschutzbeirat geäußert worden, in dem auch der BUND vertreten ist. Eine weitere kritische, da geschützte Zone befindet sich östlich der  B57 zwischen Würselen und Aachen.

Der AVV hatte Ende Juli angekündigt, die Machbarkeitsstudie „in zwei bis drei Wochen“ auszuschreiben. Dies müsste also zwischenzeitlich geschehen sein. Eine entsprechende Bestätigung war am Dienstag für unsere Redaktion nicht zu bekommen.

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