Städtepartner Würselen und Hildburghausen feiern Silberjubiläum

Festakt im Alten Rathaus : Städtepartner Würselen und Hildburghausen feiern Silberjubiläum

„25 Jahre Freundschaftsgesellschaft – darauf können wir stolz sein!“ Dies sagte die Vorsitzende Freundschaftsgesellschaft Hildburghausen-Würselen im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung im Kulturzentrum Altes Rathaus.

Gemeinsam mit 16 weiteren Hildburghäuser Bürgern, unter ihnen der stellvertretende Bürgermeister Burghard Knittel, und der frühere Bürgermeister und jetzige Abgeordnete im Thüringer Landtag, Steffen Harzer, war Elke Bischhaus von der Stadt am Randes des Thüringer Waldes nach Würselen gereist, um hier gemeinsam mit vielen Freunden das 25-jährige Bestehen der aktiven Gesellschaften zu feiern.

Der Bundestagsabgeordnete und frühere Würselener Bürgermeister Martin Schulz, zu dessen Amtszeit im Würselener Rathaus die Freundschaftsgesellschaft im Jahr 1994 gegründet wurde, brachte es auf den Punkt: Die Freundschaftsgesellschaft Würselen-Hildburghausen sei eine „Bürgergesellschaft“, die Menschen in Ost und West zusammenbringe.

Herzlich willkommen geheißen wurden vom Vorsitzenden Hans Maaßen neben einigen Gründungsmitgliedern auch sein Vorgänger Günter Kuckelkorn und die Würselener Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers. Genesungswünsche galten dem erkrankten Ehrenvorsitzenden, Stadtdirektor Albert Cramer.

„Eine solche Gesellschaft aufrecht zu erhalten war nicht immer leicht“, sagte Elke Bischhaus, die sich seit zwölf Jahren in Hildburghausen für die Städteverbindung mit Würselen einsetzt. Im Jahr der Gründung 1994 sei das Ziel der Gesellschaft gewesen, die damals noch junge Städtepartnerschaft zu unterstützen und aktiv mitzugestalten. Heute könne man mit Fug und Recht sagen, „dass wir dieses Ziel erreicht haben“.

Die Freundschaftsgesellschaft verfüge „über eine stabile Basis, die Mitgliederzahlen sind seit den Anfängen deutlich gestiegen. Für viele unserer Mitglieder sind diese gegenseitigen Besuche in Würselen und Hildburghausen aktive Höhepunkte im Vereinsleben, um Land und Leute sowie Brauchtum der beiden Regionen schätzen zu lernen“. Viele persönliche Freundschaften seien entstanden. Elke Bischhaus lud alle herzlich ein zur Jubiläumsfeier am 4. Oktober 2019 im Rahmen des Theresienfestes in Hildburghausen.

Bürgermeister Arno Nelles wies auf den tieferen Sinn der Städtepartnerschaft mit Hildburghausen nach dem Fall der Mauer vor fast 30 Jahren hin: „Viele Menschen aus Würselen und Hildburghausen haben sich nach der Grenzöffnung gefunden, Freundschaften sind entstanden, und regelmäßige Besuche finden statt“. Er erinnerte aber auch an die Vorfälle in Chemnitz, und die hohen Wahlergebnisse rechtsextremer Parteien nicht zuletzt in Hildburghausen die jeden Demokraten dazu veranlassen müssten „klare Kante“ zu bekennen. Die Freundschaftsgesellschaft habe die Aufgabe daran zu erinnern, „was uns vor 30 Jahren zusammengeführt hat“.

Dass die Städtepartnerschaft mit Hildburghausen eng verbunden ist mit der Familiengeschichte der Brüder Dieter Pütz, langjähriger Würselener CDU-Ratsherr, und Helmut Pütz, ab 1948 Lehrer in der Waldgemeinde Heubach/Kreis Hildburghausen, unterstrich Martin Schulz in seiner bemerkenswerten Rede. Schulz stellte die Geschichte dieser deutsch-deutschen Städteverbindung in einen größeren Zusammenhang und spannte den Bogen von den Ursachen des Zusammenbruchs der DDR bis zum Zusammenwachsen Deutschlands.

Die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren „Wendejahre“, betonte Schulz. Es gab Bürgerbewegungen im gesamten Osten Europas gegen die kommunistische Diktatur, auch in der DDR. Martin Schulz: „Das führte dazu, dass es Städtepartnerschaften gab, spätestens seit dem Besuch von Honecker und dem Milliardenkredit musste die DDR Städtepartnerschaften eingehen“. Und hier kam schon weit vor der „Wende“ die Familie Pütz ins Spiel. Helmut Pütz blieb nach der Evakuierung in Thüringen beheimatet. Der frühere Bürgermeister Martin Schulz erinnert sich: „Eines Tages kommt Dieter Pütz zu mir und sagt: wie wäre es denn, wenn wir mit Hildburghausen Kontakt aufnehmen?“ Ein Brief, den der damalige Bundestagsabgeordnete Achim Großmann im Jahr 1987 persönlich an den damaligen DDR-Staatratsvorsitzenden Horst Sindermann übergab, führte zwar noch nicht zu dem gewünschten Erfolg. Zwei Jahre später ging es dann aber Schlag auf Schlag.

Einen Tag nach dem 9. November 1989 haben sich Martin Schulz und Dieter Pütz getroffen, beide waren sich einig: „Das ist vielleicht die Chance!“ Ratsherr Dieter Pütz reiste bereits im November 1990 nach Heubach zu seinem Bruder und nach Hildburghausen. Im Januar 1990 begann mit dem ersten offiziellen Treffen im Hildburghäuser Rathaus mit Bürgermeister Jürgen Ließ der Beginn einer „außergewöhnlichen Freundschaft“ zwischen den Menschen der beiden Städten, wie Martin Schulz betonte. Im Herbst 1990 wurde die Städtepartnerschaft besiegelt. Die Freundschaftsgesellschaften dürften ohne Zweifel stolz sein auf das Erreichte, betonte Martin Schulz, verbunden mit der Hoffnung auf viele weitere erfolgreiche und friedliche Jahre für die Städteverbindung.

Eine besonderes Überraschungsgeschenk hatte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Hildburghausen, Burghard Knittel, im Gepäck: ein Original-Stadtplan der Stadt Hildburghausen aus der Zeit von 1900, der damals in Hildburghausen gedruckt wurde. Dieses Bild werde einen Ehrenplatz erhalten, betonte Vorsitzender Hans Maaßen. Musikalisch gestaltet wurde das Fest durch Harald Claßen (Gesang und Piano) und der Gesanggruppe „Wöschelter Prinzen.

(ro)
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