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Lange Debatten in Bardenberg: Stadtrat bringt den Netto Am Kaiser nun doch auf den Weg

Lange Debatten in Bardenberg : Stadtrat bringt den Netto Am Kaiser nun doch auf den Weg

Nach monatelangen Debatten und nachdem der Investor noch einmal Anpassungen an der Planung für seinen neuen Netto in Bardenberg vorgenommen hat, beschließt die Politik die Offenlage der Pläne. Dennoch: Ein Wortgefecht mit dem Bürgermeister bleibt nicht aus.

Nun also doch: Der Würselener Stadtrat hat in seiner Sondersitzung am Dienstagabend den Bau des großen, modernen Netto-Supermarkts Am Kaiser in Bardenberg in die Wege geleitet. Entschieden wurde über die Offenlage der Pläne, was zwar keinem endgültigen Startschuss für das Projekt entspricht, sehr wohl aber bedeutet, dass die Fraktionen mit den Einzelheiten, wie sie sich aktuell darstellen, gut leben können. Die Entscheidung fiel mit breiter Mehrheit, die einzige Gegenstimme kam von der fraktionslosen Ratsfrau Claudia Küppers.

In den vergangenen rund fünf Jahren Diskussion hatte es ein selbst für Würselener Verhältnisse bemerkenswertes Hin und Her rund um das Projekt gegeben. Ursprünglich befürwortete vor allen Dingen die SPD die Idee, den alten Netto-Markt an der Dorfstraße durch einen größeren in der direkten Nachbarschaft zu ersetzen. Später wuchs in Reihen der SPD jedoch die Zahl der Kritiker, während die CDU sich für den Bau starkmachte. Nicht einfacher wurde die Gemengelage dadurch, dass eine Bürgerinitiative, die einen Nahversorger in der geplanten Form aus verschiedenen Gründen verhindern wollte, sich im vergangenen Jahr mit einem Bürgerantrag in die Debatte einschaltete. Nachdem die Politik den Antrag abgelehnt hatte, zog sich die Initiative wieder zurück.

Noch vor rund einem Monat standen die Pläne dann kurz vor ihrer Beerdigung. Damals sollte der Stadtentwicklungsausschuss über die Offenlage entscheiden, wofür es keine Mehrheit gab. Weil der Investor kurz vor Toresschluss jedoch die Möglichkeit weiterer Anpassungen im Sinne der Kommunalpolitiker signalisiert hatte – vor allen Dingen ging es darum, dass das Dach des Gebäudes mit einer Photovoltaik-Anlage und Begrünung versehen werden soll –, wurde das Thema noch einmal vertagt. Auf ebenjene Sondersitzung des Rates von Dienstagabend, die eigentlich für die Debatte um das Städtische Gymnasium gedacht war.

Hier zeigten die Ratsleute sich nun zufrieden mit den Details der Planung. „Der Investor hat nachgearbeitet, insbesondere was das Dach angeht“, stellte Christoph Küppers für die neulich noch so skeptische SPD fest. „Es ist eine gute Entwicklung für den Standort Bardenberg und die Bürgerinnen und Bürger dort. Wir können in die Offenlage gehen und sind gespannt auf die Rückmeldungen.“ Lob gab es von Michaela Benja (UWG) für die umfangreiche Sitzungsvorlage, die durch die Verwaltung erarbeitet worden war, während Hans Carduck (FDP) der politischen Arbeit der vergangenen Monate Kritik zollte: „Was wir hier ein Dreivierteljahr lang hier im Rat und in den Ausschüssen der Öffentlichkeit und auch dem Investor geboten haben, was nicht geeignet, Investoren den Weg nach Würselen zu öffnen.“

Dennoch hätte der Tagesordnungspunkt weitgehend einträchtig absolviert werden können, allerdings meldete sich kurz vor der Abstimmung noch die fraktionslose Ratsfrau Claudia Küppers zu Wort. Sie schilderte, dass es in der Sache einen Bürgerantrag gegeben habe, den Urhebern jedoch signalisiert worden sei, diesen lieber zurückziehen zu sollen. Hatte die Verwaltung also etwa versucht, kritische Stimmen mundtot zu machen?

Es resultierte ein ziemlich aufgeregter Schlagabtausch mit Bürgermeister Roger Nießen (CDU), bei dem beide Seiten der Grenze zum Schreien gefährlich nahekamen. Nießens Worten nach war die Urheberin des Bürgerantrags nämlich Claudia Küppers selbst. Und die Verwaltung habe ihr lediglich erklärt, dass sie als gewählte Ratsfrau keine Bürgeranträge stellen könne. „Es ist doch nicht seriös, wenn Sie hier suggerieren, es gebe Bürgeranträge, dabei war es Ihr Antrag“, ärgerte sich der Bürgermeister.