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Erfolgreiche Eltern-Kritik: Stadt Würselen will Beiträge für Kita Wirbelwind teilweise erstatten

Erfolgreiche Eltern-Kritik : Stadt Würselen will Beiträge für Kita Wirbelwind teilweise erstatten

Wer seine Kinder in der Kita Wirbelwind in Würselen betreuen lässt, hat ein überaus schwieriges Jahr hinter sich. Monatelang wurde die vertragliche Leistung nicht eingehalten. Jetzt reagiert die Stadt auf den Unmut der Eltern.

Die Eltern der Kinder der Kita Wirbelwind an der Morsbacher Straße in Würselen sind mit ihren Beschwerden über die prekäre Situation in der Einrichtung einen großen Schritt weitergekommen. Wie aus einer Vorlage für den kommenden Jugendhilfeausschuss hervorgeht, will die Stadt 25 Prozent der Elternbeiträge rückwirkend von Mai dieses Jahres bis November erstatten. Die Stadt ist rechtlich nicht dazu verpflichtet, spricht im Fall der Kita in Awo-Trägerschaft aber von einer „Ausnahmesituation“.

Grundlage dieses Schrittes, den der Ausschuss am kommenden Dienstag, 22. November, 18 Uhr, absegnen muss, ist die über Monate reduzierte Betreuungszeit. Vertraglich stehen den Eltern 45 Stunden pro Woche zu (weniger bietet die Kita Wirbelwind nicht an), jedoch sei dies die meiste Zeit in diesem Jahr nicht gewährleistet gewesen. Das geht sowohl aus einem Schreiben des Elternbeirates an die Stadt als auch aus Schilderungen eines betroffenen Vaters gegenüber der Redaktion hervor. Der Elternbeirat zählt „Langzeiterkrankte, Kündigungen und Krankheiten“ als Ursache für einen „stetigen Personalmangel“ auf. Die Folge: Ab Anfang März seien die Eltern „regelmäßig“ gebeten worden, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. „Dies wurde, bis Mitte Mai, durch viel Einsatz der Eltern gewährleistet, so dass keine Gruppen geschlossen werden mussten.“

Danach mussten indes zwei der vier Gruppen mehrfach geschlossen werden. Als Konsequenz daraus erwirkten die Eltern eine kürzere Kita-Öffnungszeit von 8 bis 15 Uhr (was 35 Wochenstunden ergibt) vom 20. Mai bis August. Eine Notbetreuung über 15 Uhr hinaus sei nur in wenigen Fällen möglich gewesen. Die regulären Betreuungszeiten für 45 Stunden sind von 7.30 bis 16.30 Uhr. Nach Aussagen des Beirates würden sich viele Eltern grundsätzlich einen 35-Stunden-Vertrag wünschen.

Besagter Vater sagte gegenüber der Redaktion, Eltern hätten oft kurzfristig über eine WhatsApp-Gruppe von immer neuen Einschränkungen und Änderungen erfahren. Zuletzt etwa Ende September, als eine Gruppe für drei Tage geschlossen werden musste. Ein regulärer Betrieb sei mehrfach in Aussicht gestellt worden, laut jüngster Auskunft soll die Betreuung ab der kommenden Woche wieder normal laufen.

„Die Situation spitzt sich immer weiter zu, und es ist sowohl für die Elternschaft, für die Kinder als auch für die Mitarbeiterinnen vor Ort, die mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen von zu wenig Arbeitsmotivation aufgrund von frustrierten Eltern konfrontiert sind, nicht tragbar“, formulierte der Elternbeirat in seinem Schreiben. „Der Fachkräftemangel ist überall spürbar, aber es benötigt mehr Flexibilität und Entgegenkommen. Sowohl AWO als auch das Jugendamt Würselen verweisen auf fehlende politische Grundlagen, um die Eltern zumindest finanziell für die nicht betreuten Stunden zu entlasten.“

Ähnlich reagiert die Kita am 28. September in einer Antwort-E-Mail an den Betroffenen, die der Redaktion vorliegt. Darin heißt es neben der Information, dass drei neue Mitarbeiterinnen eingestellt worden seien: „Wir haben Verständnis für Ihre Situation, wie auch für die aller Eltern. Die Problematik des Personals wird sich auch in Zukunft nicht so schnell ändern und das hat politische Hintergründe und betrifft bei weitem nicht nur unseren Träger.“

Der Vater schrieb auch dem Würselener Jugendamt bezüglich der nicht erbrachten Leistungen für den gezahlten Kita-Beitrag. Amtsleiter Hans Brings antwortete am 29. September mit Verweis auf die Satzung zu den Elternbeiträgen, es gebe „grundsätzlich keine Regelung“, wann Eltern „eine Erstattung der Elternbeiträge zusteht“.

Sollte der Jugendhilfeausschuss der Ausnahme der Verwaltung zustimmen, die Beiträge rückwirkend für sieben Monate anteilig zu erstatten, dann gilt dies auch für „anschließende Zeiträume, in denen das Betreuungsangebot mindestens zehn Stunden unterhalb der vertraglichen Vereinbarung liegt“.

Nach Angaben der Verwaltung summieren sich die Wirbelwind-Elternbeiträge monatlich auf rund 6500 Euro; 25 Prozent davon ergeben einen Betrag von 13.000 Euro bis zum Jahresende. Wie in der E-Mail des Jugendamtes an den Vater zu lesen ist, decken die Elternbeiträge „nur einen Anteil von 13 bis 15 Prozent der Gesamtkosten“ ab.